Ein mögliches Online-Take-Home-Prüfungsformat für die Grundlagen der Elektrotechnik

Da mit den aktuellen Informationen der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zur Prüfungsphase im Wintersemester 2020/21 (unbeaufsichtigte) Online-Klausuren als alternative Prüfungsform nicht ausgeschlossen werden, sind Open-Book- bzw. Take-Home-Exams eine der möglichen Ideen.

Als eventuelle Anregung für andere Prüfungen ist hier mal meine Prüfungsidee für das zweisemestrige Modul „Grundlagen der Elektrotechnik I und II“ an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik aus inhaltlicher, fachlicher und didaktischer Sicht. Den rechtlichen sowie datenschutzrechtlichen Rahmen kann und möchte ich an dieser Stelle nicht erörtern. Aus meiner Sicht wäre folgende Vorgehensweise und Kommunikation gegenüber den Studierenden denkbar:

Die für Donnerstag, den 18.02.2021 im Zeitraum von 14 Uhr bis 17 Uhr geplante Prüfung zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Elektrotechnik 1, 2“ (ÜS 800011) wird als Online-Klausur bzw. Open-Book-Klausur durchgeführt. Für Sie als Student*in bedeutet dies, dass Sie an der Prüfung von zuhause aus und damit entsprechend ohne Aufsicht teilnehmen.

Vor der Prüfung melden Sie sich wie üblich im LSF bzw. über das Prüfungsamt zur Prüfung an. Voraussetzung dafür ist der Übungsschein.

Kurz vor der Prüfung (etwa 15 min) bekommen Sie die Prüfungsaufgaben als PDF-Datei per E-Mail an Ihre studentische E-Mail-Adresse zugeschickt. Die Prüfungsklausur besteht aus Aufgaben, die ähnlich wie die Übungsaufgaben aufgebaut sind. Die Themen der Aufgaben entsprechen den Übungsthemen, die in beiden Semestern behandelt wurden. Das Aufgabenblatt ist dabei maximal 500 kB groß und sollte sich somit auch über langsame Internetverbindungen in kurzer Zeit herunterladen lassen.

Während der Prüfung lösen Sie die Aufgaben und notieren Ansatz, Lösungsweg sowie Zwischen- und Endergebnisse nachvollziehbar und handschriftlich. Zur Überprüfung oder Kontrolle können Sie natürlich gern Numerikprogramme wie MATLAB/Octave, Computeralgebrasysteme wie Maxima oder Netzwerksimulatoren wie LTspice oder EasyEDA nutzen, bewertet wird am Ende allerdings die handschriftlich notierte Lösung.
Weitere Hinweise dazu:

  • Berechnungen nicht mit Bleistift schreiben
  • für jede Aufgabe eine neue Seite beginnen
  • auf jeder Seite unten links ein Rechteck in der Größe des Studierendenausweises freilassen (siehe unten)
  • Punkte für einzelne Aufgaben siehe Aufgabenblatt
  • es ist die vorgegebene Berechnungsmethode zu verwenden, sonst 0 Punkte
  • richtiges Ergebnis gilt nur, wenn der Lösungsweg plausibel ist
  • Aufgabenunterteilung in a), b), … beibehalten, ist meist hilfreich
  • Endergebnisse nach Möglichkeit hervorheben

Zur Feststellung Ihrer Identität behalten wir uns auch vor, Ihre Schrift stichprobenartig in Form einer Schriftprobe mit den handschriftlichen Lösungen in den zwei Leistungskontrollen bzw. den personalisierten Zusatzaufgaben zu vergleichen.

Gegenüber den üblichem Präsenzklausuren sind die Aufgabenblätter individualisiert, d.h. jede(r) Teilnehmer*in bekommt eigene Aufgaben, die aber in der Schwierigkeit, im Umfang und in den Themenbereichen vergleichbar sind. Da Sie bei der Lösung zuhause mehr Möglichkeiten (z.B. Software, siehe oben) nutzen können, steigt der Aufgabenumfang gegenüber den bisherigen Präsenzklausuren von 9 auf 10 Aufgaben. Die Bearbeitungszeit beträgt wie bisher 180 min bzw. 3 h.

Während der Prüfung steht Ihnen technischer Support über das Zoom-Meeting der GET-Sprechstunde (https://ovgu.zoom.us/j/123456789, Passwort: xxxxxx) und telefonisch unter 0391-67-52195 verfügbar.

Am Ende der Prüfung fotografieren Sie Ihre handschriftlichen Lösungen ab bzw. scannen diese ein und laden sie hoch. Dabei muss auf jedem abfotografierten Lösungsblatt Ihr Studierendenausweis in der linken unteren Ecke deutlich sichtbar sein.

Für das Abfotografieren/Einscannen und Hochladen haben Sie weitere 30 min Zeit. Falls Ihre Internetverbindung sehr langsam ist, genügt es auch, zunächst eine MD5-Prüfsumme ihrer Dateien zu erzeugen (z.B. mit http://onlinemd5.com/) und diese fristgerecht hochzuladen. Danach laden Sie dann die eigentliche Datei nach der Frist hoch, die aber natürlich der gleichen Prüfsumme entsprechen muss. Außerdem müssen Sie eine Erklärung zur eigenständigen Lösung ausfüllen und unterschrieben einreichen.

Dabei würde ich zum Hochladen für jede Einzelaufgabe ein eigenes Einreichungsformular im Moodle anlegen, so dass die Studierenden für jede Aufgabe eine separate Rückmeldung zum Upload-Erfolg bekommen. Der Link zum jeweiligen Uploadformular würde ich direkt auf der Aufgabenstellung (auch als QR-Code) verlinken. Erlaubte Dateiformate wären wie schon im Laufe des Semesters PDF, JPEG und PNG.

Die Vorgehensweise hat z.B. gegenüber einem Test mit reinen Multiple-Choice- oder Zahlenwert-Aufgaben einige Vorteile:

  • Es wird keine gute Internetverbindung vorausgesetzt. Studierende benötigen auch nicht notwendigerweise einen Drucker und einen Scanner, sondern nur ein Smartphone/Tablet-PC bzw. alternativ eine Digitalkamera und einen Laptop oder PC.
  • Man kann den für uns sehr wichtigen Ansatz sowie Rechen- und Lösungsweg mit bewerten, was mit reinen Multiple-Choice- und Zahlenwert-und-Einheit-Aufgaben nur schwer abprüfbar ist und sehr gut gestaltete Fragen voraussetzt.
  • Wenn wir erst mal weiter beim jahrelang etablierten Aufgabenformat bleiben, ist das für die Studierenden nur eine geringe Umstellung, die entsprechend wenig Unsicherheiten hervorruft. Außerdem ist die Vergleichbarkeit mit den vorherigen Jahrgängen sehr gut möglich.
  • Bei handschriftlichen Lösungen kann man eine Schriftprobe machen. Ich bin da wenig paranoid, aber es hilft natürlich etwas, eine gewisse Authentizität sicherzustellen, die sonst bei reinen Online-Formaten schwer zu prüfen ist. Auch eine technisch, administrativ sowie personell aufwendige und datenschutzrechtlich äußerst bedenkliche Fernüberwachung mit Audio- und Videosignalen durch Online-Proctoring wird durch viele mögliche Angriffsvektoren nicht viel dagegen helfen und eher das Vertrauen und die Transparenz im Umgang mit den Studierenden aufs Spiel setzen.

All das ist mir in der Übungsscheinklausur bzw. Leistungskontrolle, die als reiner Multiple-Choice-Test bzw. mit Zahlenwert-Aufgaben stattfindet, egal bzw. nicht so wichtig. Außerdem haben wir ja noch das Format der semesterbegleitenden personalisierten Zusatzaufgaben, mit anonymem Peer Review, über die wir auch schon viele Kompetenzen vermittelt und geprüft haben.

Perspektivisch ist das für mich eigentlich auch der Königsweg, eine summative Prüfung durch viele kleine formative Assessments zu ersetzen, die kontinuierliche Rückmeldung geben und gleichzeitig ein dauerhaftes „Outsourcen der Prüfungsleistung“ aufwendiger machen. Trotzdem gibt man durch reine Multiple-Choice- oder Zahlenwert-Aufgaben schon sehr viel vom Rechenweg vor und gibt den Studierenden keine Möglichkeit, individuelle Fehler zu machen, von denen ich hier einige gesammelt habe:

Nachteilig beim beschriebene Take-Home-Format ist:

  • Man benötigt für die individuelle Zusammenstellung der Aufgaben einen großen Katalog an Prüfungsaufgaben, der aber bei uns vorhanden ist. Außerdem lässt sich bei Online-Prüfungen natürlich nicht ausschließen, dass Studierende die Prüfungsaufgaben danach sammeln, weitergeben und studiengangsintern veröffentlichen.
  • Der Korrekturaufwand ist natürlich recht hoch. Da es es sich in diesem Semester aber „nur“ um eine Nachschreibeklausur handelt und der Korrekturaufwand gegenüber einer klassischen Präsenzklausur nicht vergrößert ist, ist das aber für kleine Kohorten irrelevant.

Einen großen Vorteil in Online-Klausuren sehe ich aber zusammenfassend auch darin, endlich lebensnahe Kompetenzen wie die numerische Rechnung in MATLAB oder die praxisrelevante Simulation in einem Netzwerksimulator abzubilden. Ich hoffe mal, dass die Studierenden dann schon allein dafür sorgen werden, dass die wichtigen 4K-Kompetenzen Kommunikation, Kolloboration, Kreativität und kritisches Denken dabei auch nicht zu kurz kommen.

1 Kommentar zu „Ein mögliches Online-Take-Home-Prüfungsformat für die Grundlagen der Elektrotechnik“

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