Didaktisch motivierte Wunschliste an Videokonferenzsysteme wie Zoom

Es ist ja bald Weihnachten und man darf sich vielleicht etwas wünschen. Basierend auf den Erfahrungen der ersten sieben Semesterwochen im Corona-Wintersemester 2020/2021 und passend zur Jahreszeit formuliere ich deshalb mal ein paar didaktisch motivierte Wünsche an das Videokonferenzsystem Zoom, die aber sinngemäß natürlich auch für andere solcher Systeme für die videobasierte Distanzlehre gelten. Vielleicht liest ja ein*e Entwickler*in von Zoom oder der Weihnachtsmann mit.

  1. Breakout-Räume zur freien Auswahl sollten auf eine maximale Teilnehmenden-Anzahl begrenzbar sein.
    Ich nutze Breakout-Räume oft und gern für die Kleingruppenarbeit, z.B. zum Diskutieren und Lösen von kurzen Übungsaufgaben während des Online-Plenums oder der regulären Online-Übungstermine. Beim Online-Plenum habe ich die Studierenden anfangs einfach wahllos und automatisch in Kleingruppen von etwa 4 bis 5 Personen zugeordnet. Die Studierenden kannten sich nicht notwendigerweise und so ließ ich ihnen immer etwas Zeit für eine kurze Vorstellungsrunde innerhalb der Session. Das funktionierte einige Wochen ganz okay.
    Problem: Nach einigen Wochen verließen immer einige Studierende das zentrale Zoom-Meeting sobald ich die Arbeit in Kleingruppen und Breaktout-Sessions ankündigte. Die Ursache dafür waren nicht die Übungsaufgaben oder die Kleingruppenarbeit an sich, sondern die zufälligen Gruppen. Die Studierenden hatten sich mittlerweile kennengelernt und wollten in und mit ihrer etablierten und angestammten Lerngruppe arbeiten. Also verließen sie das zentrale Meeting, um sich in einem anderen Videokonferenzsystem ihrer Wahl (Skype, Discord, Google Meet, …) wieder zusammenzuschalten.
    Die Lösung dafür waren Breakout-Räume, in denen sich die Studierenden selbst einwählen konnten. Ich öffnete genügend Räume und bat per privatem Chat um „selbstorganisierendes Chaos“ für die Zuordnung der vorhandenen Lerngruppen zu den Räumen. War ein gewählter Raum schon „besetzt“, sollte sich die Lerngruppe einfach einen anderen, noch freien Raum suchen.
    Neues Problem: Die Studierenden neigen zu „Grüppchenbildung“ und es gibt nun Räume mit 15 bis 20 Studierenden, die das Konzept der Kleingruppenarbeit natürlich ad absurdum führen.
    Eine Lösung dafür wäre eine einstellbare maximale Teilnehmendenanzahl für Breaktout-Sessions. Ist eine Session und damit eine Lerngruppe „voll“, dürfen und müssen die überzähligen Studierenden eine neue, eigene Session und Lerngruppe aufmachen. Das ist natürlich eine gewisse Bevormundung, aber mir kann niemand erzählen, dass in einer Lerngruppe von 20 Personen alle gleichsam aktiv und beteiligt sind.
  2. Aktivität in Breakout-Sessions sollte von außen sichtbar sein.
    Oft passiert es, dass fünf Studierende in einer gemeinsamen Breakout-Session sind, aber trotzdem nicht zusammenarbeiten. Leider erkennt man als Lehrperson nicht von außen, in welchen Breakout-Sessions Aktivitäten erfolgen (z.B. gesprochen oder der Bildschirm freigegeben und darauf gezeichnet wird) und in welchen nicht. In anderen Videokonferenzsystem wie Yotribe/Wonder erkennt man so etwas z.B. an pulsierenden Avataren oder Sprechblasen. Es geht an der Stelle auch nicht darum zu wissen, was in den Breakout-Räumen gesprochen wird, sondern nur darum, dass dort überhaupt gesprochen wird. Eine solche Funktion in Zoom wäre sehr wünschenswert, um als Lehrperson schneller die inaktiven Sessions zu identifizieren und dort noch mal zur Mitarbeit anzuregen, ein*e Student*in zur Übernahme der Moderation zu überzeugen oder eventuelle technische Probleme zu lösen.
  3. Beim Eintritt in Breakout-Sessions sollte man virtuell anklopfen können.
    Wenn ich als Lehrperson virtuell von Raum zu Raum „hüpfe“, um z.B. Fragen zu beantworten, bin ich sofort im Raum und höre und sehe alles, was die Studierenden gerade tun und was natürlich nicht unbedingt zur Lehrveranstaltung gehören muss. Das führt schon mal zu Irritationen und zu dem einen oder anderen peinlichen Moment. Schönes wäre es, wenn ich virtuell anklopfen könnte und die Studierenden eine Meldung im Sinne von „Achtung, in 3, 2, 1 betritt der Host die Session“ sehen.
  4. Zoom-Umfragen sollten Freitextfragen ermöglichen.
    Die Umfrage-Funktion in Zoom ist toll für Icebreaker, für Feedback sowie zur generellen Aktivierung und Mitbestimmung. Bisher sind in Zoom aber nur Single-Choice- und Multiple-Choice-Fragen möglich. Immerhin sind diese aber auch anonym nutzbar. Offene Fragen mit Freitextantworten lassen sich damit natürlich nicht ermöglichen, weshalb ich dafür momentan auf externe Werkzeuge und Plattformen wie Mentimeter ausweichen muss.
  5. Zoom-Umfragen sollen sich im- und exportieren lassen.
    Ich nutze Umfragen oft und gern. Natürlich erstelle und sammle ich passende Umfragen in externen Werkzeugen wie z.B. den LaTeX-Quelltexten der anderen Lehrveranstaltungsunterlagen. Ein „Import“ der vorhandenen Umfragen in Zoom ist nur händisch per Kopieren und Einfügen möglich. Ein Im- und Export über strukturierte Textdateien oder z.B. XML-Dateien wäre wünschenswert, so dass man Umfragen einfacher speichern, zwischen Meetings austauschen kann und damit nachnutzen kann.
  6. Skizzen im Zoom-Whiteboard sollten sich schrittweise freigeben lassen.
    Die Kommentieren-Funktion im Zoom-Whiteboard bzw. in der Bildschirmfreigabe lässt sich super für grafisches Audience Response nutzen. Ein Problem dabei ist: Alle Teilnehmenden sehen sofort alle anderen Zeichnungen. Wenn ein*e Student*in etwas zeichnet, was richtig erscheint, zeichnen das alle anderen Studierenden nach, ohne selbst weiter darüber nachzudenken. Besser wäre es aber, wenn wie beim Wall-Programm von Jörn Loviscach erst mal alle Teilnehmenden nur ihre eigene Skizze sehen. Als Host kann man dann zunächst alle studentischen Skizzen verbergen und diese dann einzeln oder gemeinsam zur Diskussion freigeben. Das erzeugt eine ganz andere didaktische Dynamik als das simultane gemeinsame Zeichnen.
  7. Es sollte einen Lurker-Mode (Idee von Nele Hirsch) geben.
    Diesen Modus könnten Menschen für sich einstellen, wenn sie in einer Videokonferenz nur lurken, d.h. passiv bleiben und nur zuschauen oder zuhören möchten. Wer diesen Modus einstellt, würde dann z.B. für interaktive Phasen bzw. Gruppenarbeiten bei der Zufallseinteilung in Breakout-Räume nicht mit berücksichtigt werden. Das wäre entspannter für die Person selbst, schließlich muss sie sich nicht für ihre Passivität entschuldigen – und auch für die lehrende Person und alle Mitlernenden, weil nur die Teilnehmenden in Breakout-Räumen landen, die auch tatsächlich aktiv mitdiskutieren und mitarbeiten möchten. Die freie Breakoutraum-Auswahl ist dabei nur bedingt eine Alternative, weil oft ja gerade die Zufallsauswahl das Spannende ist.

Ihr habt weitere Ideen und Wünsche für Zoom im Speziellen oder Videokonferenzsystem im Allgemeinen? Formuliert sie gern in den Kommentaren!

Updates im Online-Netzwerksimulator EasyEDA

Im Rahmen einer personalisierten Zusatzaufgabe sollen unsere Studierenden den Ersatzwiderstand ihres individuellen Schaltbildes im Online-Netzwerksimulator EasyEDA berechnen. Leider ist das im Herbst 2018 von mir erstellte Video
https://youtu.be/VahQoXCAdG8
zur Berechnung des Ersatzwiderstandes einer einfachen Schaltung nicht mehr ganz aktuell, weil sich dessen Oberfläche geändert hat. Deshalb möchte ich in diesem Artikel kurz auf die Neuerungen eingehen.

  1. Zunächst erst mal muss man auf der Webseite https://easyeda.com/editor links oben den Modus von ‚Std‘ auf ‚Sim‘ wechseln.
  2. Dann ändert sich das Menü ‚EELib‘ auf der linken Seite, so dass man eine ideale Spannungsquelle bzw. Stromquelle und z.B. ein Multimeter als Anzeigewerkzeug auswählen kann.
  3. Nach einem Klick auf den Button ‚Starten Sie Ihre Simulation‘ erscheint dann auf dem Schaltbild erst mal die hier unnötige Anweisung .tran 10m für eine transiente Simulation über einen Zeitraum von 10 Millisekunden.
  4. Diese ändert man dann einfach in die korrekte Anweisung .op für eine Bestimmung des Gleichspannungsarbeitspunktes (engl. operating point).
  5. Und schon bekommt man die korrekten Simulations- bzw. Berechnungsergebnisse.