Improvisiertes Stativ zum Abfilmen einer schreibenden Hand

Um nicht nur das Ergebnis einer Aufgabe, sondern auch den Prozess der Lösung zu dokumentieren, bieten sich Videos an. Neben einem Screencast auf einem Laptop oder Tablet-PC kann mit einem Smartphone auch die eigene Hand beim Schreiben und Zeichnen mit Stift, Geodreieck, Zirkel, Winkelmesser und Lineal auf Papier abgefilmt werden. Dafür benötigt man ein Stativ, das einfach improvisiert werden kann. Man benötigt:

  • eine Plastik-, Papp- oder Holzkiste mit ca. 20 cm bis 25 cm Höhe als „Basis“
  • ein kurzes flaches Stück Holz, z.B. einen Pfannenwender oder ein langes Holzlineal als „Ausleger“
  • ein schweres Buch zum Beschweren des Auslegers
  • ein Haushaltsgummi zum Fixieren des Smartphones am Ausleger

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Der Ausleger kommt oben auf die Kiste und wird mit dem Buch beschwert. Das Smartphone wird flach auf den Ausleger gelegt und mit dem Gummiband befestigt. Als Rechtshänder stellt man die Box auf die linke Seite des Blattes, als Linkshänder auf die rechte Seite.

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Beim Filmen sollte man auf Folgendes achten:

  • Full-HD-Qualität (1920 x 980 Pixel) sieht sehr gut aus, erzeugt aber entsprechend große Videos (ca. 1,5 GB pro 10 min). Standard-HD-Qualität (1280 x 720 Pixel) sieht immer noch gut aus, erzeugt aber kleinere Videos (ca. 1 GB pro 10 min). NTSC-Qualität (720 x 480 Pixel) genügt meist auch und erzeugt sehr kleine Videos (ca. 150 MB pro 10 min).
  • Die Ausrichtung der Smartphone-Kamera sollte zur Ausrichtung des Blattes passen. Der Lagesensor der Kamera ist oft verwirrt, wenn die Kamera senkrecht nach unten filmt. Dementsprechend muss man die Kamera „aus der richtigen Richtung“ in die horizontale Lage drehen.
  • Wird kein Ton benötigt, sollte das Mikrofon bereits bei der Aufnahme deaktiviert werden.
  • Für eine gute Ausleuchtung setzt man sich vor ein Fenster oder benutzt eine Lampe, die das Blatt schräg von vorn (und nicht von oben) ausleuchet, um möglichst wenig Schatten zu erzeugen.
  • Wenn möglich, sollte man den Weißabgleich und die Tiefenschärfe der Kamera vor der Aufnahme einstellen und dann fixieren. Ansonsten fokussiert die Kamera manchmal auf die Hand, die sich näher als das Blatt am Objektiv befindet.
  • Vor bzw. während der Aufnahme sollte man prüfen, ob der gesamte geschriebene Blattinhalt im Sichtfenster der Kamera zu sehen ist. Falls nicht, kann man Kamera und Blatt entsprechend gegeneinander verschieben. Vor der Aufnahme kann man den Sichtbereich der Kamera auch durch Linien auf dem Blatt kennzeichnen, so dass man nicht darüber hinaus schreibt oder zeichnet.
  • Das Video sollte zeitlich so kurz wie möglich und so lang wie nötig sein.
  • Die Nutzung verschiedenfarbiger Stifte zur Markierung unterschiedlicher Lösungselemente kann für das Verständnis nützlich sein.
  • Zum maßstabsgetreuen Zeichnen wird die Verwendung von kariertem Papier
    oder Millimeterpapier und einem Geodreieck bzw. Winkelmesser und Lineal
    empfohlen.
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Wann Elektrotechnik-Videos geschaut werden (und wann eher nicht)

Mein YouTube-Kanal, der hauptsächlich mit Flipped-Classroom-Videos aus dem Bereich der Elektrotechnik gefüllt ist, existiert jetzt seit etwas mehr als einem Jahr. Eine gute Zeit, sich mal ein paar Wiedergabestatistiken anzuschauen und zu analysieren, wann solche Videos gern und viel geschaut geschaut werden (und wann kein Interesse dafür existiert). Dazu habe ich vier Beispiele ausgewählt, die jeweils zeitlich mit wichtigen Ereignissen wie Leistungskontrollen und Prüfungen der Lehrveranstaltung „Grundlagen der Elektrotechnik“ an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg übereinstimmen.

Beispiel 1 – Erste Leistungskontrolle im Wintersemester

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Zum Zeitpunkt der Leistungskontrolle gab nur wenige Videos auf dem Kanal, die dazu auch keinen direkten Bezug zur Lehrveranstaltung hatten. Kurz nach der Leistungskontrolle habe ich jedoch die erste Video-Nachbesprechung aufgezeichnet und hochgeladen, die dann für einige Tage sehr intensiv geschaut wurde und danach dann erst mal wieder nicht mehr von Interesse war.

Beispiel 2 – Prüfungsklausur für Wiederholer

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Der Prüfungsklausurtermin für Wiederholer nach dem Wintersemester wird typischerweise nur von etwa zehn Studierenden in Anspruch genommen. Deshalb hatte dieser Ereignis auch keine Auswirkung auf die Anzahl der Aufrufe und die Wiedergabezeit. Interessanter sind zwei wichtige gesellschaftliche Ereignisse davor, die Weihnachtsfeiertage und Silvester, an denen Lehrvideos verständlicherweise nur eine sehr untergeordnete Rolle spielten.

Beispiel 3 – Zweite Leistungskontrolle im Sommersemester

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Zum Zeitpunkt der zweiten Leistungskontrolle zur Prüfungszulassung existierten schon einige Videos auf dem Kanal. Außerdem habe ich kurz danach die zweite Video-Nachbesprechung aufgezeichnet und veröffentlicht. Etwas unklar ist die Ursache der Spitze vom Anfang Mai, die weder mit dem Upload eines Videos noch mit einem anderen Ereignis dieser Lehrveranstaltung korreliert.
Vermuteter Hintergrund: externe Zuschauer von anderen Unis/FHs.

Beispiel 4 – Reguläre Prüfungsklausur

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Der reguläre Prüfungstermin nach dem Sommersemester wird von den meisten Studierenden besucht. Sowohl die Anzahl der Aufrufe als auch die Wiedergabezeit stiegen innerhalb der Vorwoche kontinuierlich an und fielen dann am Tag der Prüfung (Prüfungszeit von 9 bis 12 Uhr) steil ab.

Fazit

Wie von „Captain Obvious“ erwartet, schauen Studierende vor Prüfungen mehr Videos, danach eher weniger, es sei denn, es gibt eine Video-Nachbesprechung der Aufgaben.

Zu Weihnachten und Silvester bleibt YouTube ebenfalls außen vor, die Zeit gehört der Familie und Freunden.

Was mich für andere Kanäle von Lehrenden an anderen Einrichtungen interessieren würde, ist die Frage, ob es dort ähnliche Zusammenhänge gibt, oder ob manche Kanäle von so vielen externen Zuschauern besucht werden, so dass (fast) gar keine Korrelation mehr zu den eigenen Studierenden der Lehrveranstaltung an der eigenen Einrichtung erkennbar ist.