Warum Hybridlehre bisher nicht (so richtig gut) funktioniert und was wir (noch) ändern müssen

Anmerkung: Dieser Artikel wurde zur Veröffentlichung in der Zeitschrift „Perspektiven auf Lehre. Journal for Higher Education and Academic Development“ eingereicht, die vom Hochschuldidaktischen Zentrums Sachsen (HDS) herausgegeben wird. Der Artikel steht auf meinem Blog zum öffentlichen Peer Review zur Verfügung. Ich freue mich über Rückmeldungen in den Kommentaren.

Hybride Lehrveranstaltungen sind synchrone Formate, an denen Lernende (und Co-Lehrende wie externe Expert:innen) gleichzeitig in Präsenz oder über eine Videokonferenz teilnehmen können. Sie bieten viele Chancen (z. B. Flexibilität, Zugänglichkeit, Barrierefreiheit), stellen aber auch die Gestaltung, die Durchführung sowie die technische Raumausstattung von und für Lehrveranstaltungen vor Herausforderungen und haben sich deshalb (noch) nicht breit in der deutschen Hochschullandschaft durchsetzen können. Im Artikel werden Ideen diskutiert, die Hybridformaten mehr Akzeptanz verschaffen können.

1. Hybridlehre heißt „gleichzeitig hier und da lernen“

Als hybride Lehre wird die gleichzeitige Teilnahmemöglichkeit an einer synchronen Lehrveranstaltung für Lernende vor Ort oder über ein Videokonferenzsystem bezeichnet (Gumm & Hobuß, 2021). Populär wurde diese Idee insbesondere nach dem „Emergency Remote Teaching“ während des ersten Corona-Sommersemesters 2020, das hauptsächlich aus reiner Online-Lehre bestand, und dem Wunsch, Studierenden zum ersten Pandemiewintersemester im Herbst 2020 wieder mehr Begegnungsmöglichkeiten in den Hochschulen zu ermöglichen. Tatsächlich ist die Idee von hybriden Veranstaltungen aber schon etwas älter und seit den frühen 2010er-Jahren dokumentiert (Beatty, 2019). Eingang in die Populärkultur fand die gleichzeitige Kommunikation mit Teilnehmenden vor Ort und in der Ferne aber schon mit dem „Visophon“ der beliebten deutschen Puppenspielserie „Hallo Spencer“, die von 1979 bis 2001 vom Norddeutschen Rundfunk produziert wurde.

Der Protagonist und Moderator Spencer konnte über den Monitor aus seinem Studio einzelne Dorfbewohner:innen oder auch alle gemeinsam als Konferenzschaltung kontaktieren und sich mit ihnen austauschen. Das funktionierte auf den berühmten Fingerschnipp hin auch mit mehreren Personen im Studio stets problemlos und wurde deshalb gern für kurze Abstimmungs- und Diskussionsrunden genutzt, ohne dass alle Dorfbewohner:innen tatsächlich vor Ort sein mussten.

2. Chancen und „Hybrid, hybrid, der neue Favorit?“

Diese Chancen können von Hochschullehrenden nicht nur in hybriden Lehrveranstaltungen sondern auch in ganzen Studiengängen und im hochschulweiten Kontext genutzt werden. Aufgrund von Kontaktbeschränkungen und nötigen Sicherheitsabständen wäh rend der Pandemie konnten Lehrräume nur teilweise belegt werden. Studierende, die sich in Quarantäne befanden oder aufgrund von Vorerkrankungen jedes Infektionsrisiko ausschließen mussten, konnten nur online an Lehrveranstaltungen teilnehmen. Gleichzei tig wünschten sich viele Lehrende die direkte Interaktion sowie das Feedback von und mit Studierenden vor Ort. Studierende wünschten sich die Möglichkeit, ihre Kommiliton:innen direkt zu treffen, intensiver kennenzulernen und sich in zufälligen und ungezwungenen Begegnungen auf dem Campus auszutauschen, was in Videokonferenzen leider nur ganz selten und mit viel Aufwand passiert. Auch aus den Hochschulleitungen und Gremien hörte man immer wieder den Wunsch nach Hybrid- und auch Präsenzformaten, auch aus Angst bei der pandemiebedingten Weiterführung der reinen Online-Lehre viele Studierende zu verlieren, weil man nun plötzlich mit viel mehr Hochschulen konkurriert, nicht nur deutschlandweit sondern auch international.

Auch abseits einer pandemischen Notlage bieten hybride Lehrformate viele Vorteile, insbesondere für interdisziplinäre Kooperationsstudiengänge mehrerer Verbundhochschulen, die gemeinsame Studiengänge anbieten. Lehrende müssen perspektivisch nicht mehr als „Flying Faculty“ von Hochschulstandort zu Hochschulstandort reisen, was Zeit und Ressourcen kostet, sondern können sich in bestehende Präsenz-Lehrveranstaltungen online dazuschalten. Ebenso können externe Expert:innen, z. B. aus der Industrie oder Zivilgesellschaft sehr einfach in Hybrid-Lehrveranstaltungen eingebunden werden, z. B. für kurze Online-Inputs oder Vorträge. Auch Studierende müssen nicht für einzelne Module die Hochschule wechseln, sondern können diese auch als Online-Teilnehmer:in absolvieren. Aus dem Standortnachteil einer Hochschule kann über das Angebot eines Hybridstudiengangs so ein Wettbewerbsvorteil werden, der neue Zielgruppen erschließen und die Studierendenzahlen erhöhen kann. Studierende können vorhandene Angebote bei hybrider Teilnahmemöglichkeit flexibler nutzen. Die Zugänglichkeit und Barrierefreiheit für heterogene Zielgruppen werden erhöht, Studierende mit Einschränkungen, eingebunden in die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen werden nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Diese gestiegene Flexibilität spiegelt sich auch im Konzept des HyFlex-Kursdesigns von Lehrveranstaltungen wieder, das über die reine Hybridlehre hinausgeht (Kellner, 2021).

3. Herausforderungen oder „Wenn es einfach wäre, würde es jede:r machen.“

Herausfordernd in der hybriden Lehre ist zunächst einmal die Technik, die es ermöglichen muss, den sogenannten Hybriditätsgraben zu überbrücken, der sich als gedachte Kommunikationshürde zwischen den Online- und Vor-Ort-Teilnehmenden befindet, siehe Abbildung 1. Vor-Ort-Teilnehmende oder „Roomies“ (Albers-Heinemann, 2022) können sich selbstverständlich gegenseitig sehen und hören. Ebenso können die Online-Teilnehmenden bzw. „Zoomies“ problemlos per Bild und Ton miteinander kommunizieren, vorausgesetzt sie haben natürlich jeweils eine Kamera und ein Mikrofon bzw. Headset. Schwierig ist die Kommunikation von Roomies mit Zoomies und umgekehrt, sowohl per Ton und Bild, siehe Abbildung 1.

Abbildung 1: Bierdeckel-Skizze zum „Hybriditätsgraben“: Die roten Pfeile sind die schwierigen Kommunikationspfade zwischen den „Roomies“ und „Zoomies“. (Muuß-Merholz, 2021)

Zunächst einmal muss man den Ton im Raum aufnehmen und in die Videokonferenz übertragen. Das funktioniert z. B. über Raummikrofone, die am einfachsten in der Nutzung sind, aber häufig keine gute Audioqualität bieten, weil neben den relevanten Stimmen auch viel Raumhall und störende Nebengeräusche wie Schritte oder Rascheln mit Papier aufgenommen werden. Besser sind Funkmikrofone, also Headset, Ansteck- oder Handmikrofone. Da die Stimme näher am Mund aufgezeichnet wird, ist die Qualität meist deutlich besser. Dafür stehen pro Empfänger typischerweise nur zwei Mikrofone zur Verfügung, so dass man diese bei Diskussionen und Fragerunden im Raum herumgeben muss. Die dafür nötige Mikrofondisziplin klingt zunächst hinderlich, hilft aber gleichzeitig Diskussionen und Gesprächsrunden besser zu strukturieren und sich nicht ständig gegenseitig ins Wort zu fallen.

Weiterhin muss man die Sprache der Zoomies in den Raum übertragen, was natürlich gut über Lautsprecher funktioniert. Da die Mikrofone im Raum auch gleichzeitig den Ton der Lautsprecher aufnehmen, braucht es eine gute Echounterdrückung, die in allen Videokonferenzsystemen nur dann gut funktioniert, wenn die Ein- und Ausgaben über den gleichen Rechner erfolgen. Alle Mikrofone und Lautsprecher im Raum müssen also zwingend an den gleichen Videokonferenz-PC angeschlossen sein. Weitere Audioausgaben im Raum sind dann nur über Kopfhörer möglich. Sollen mehrere Mikrofone an verschiedenen Rechnern im Raum aktiv sein (z. B. für hybride Kleingruppenarbeit), dann darf es keine Lautsprecher sondern auch nur Kopfhörer im Raum geben, um störende Echos und Rückkopplungen effektiv zu vermeiden.

Dann soll natürlich ein Videobild der relevanten Geschehnisse im Raum in die Videokonferenz übertragen werden. Die dafür nötigen Kameras können an einen oder mehrere Computer angeschlossen sein. Die meisten handelsüblichen Kameras liefern eine sehr gute Bildqualität, wenn die Beleuchtung stimmt (gleichmäßige Ausleuchtung in Blickrichtung der Kamera, keine großen Helligkeitsunterschiede, kein starkes Seiten- oder Gegenlicht, kein Flackern). Häufig wurden aufwendige, schwenk- und zoombare PTZ-Kameras (englisch für „pan, tilt and zoom“, also „Schwenken, Neigen und Zoomen“) installiert, welche die Lehrperson über unflexible und wenig intuitive Fernbedienungen zusätzlich mit der Bildregie belasten und z. B. manuelle Eingriffe erfordern, wenn die Kamera vom Pult auf die klassische Kreidetafel oder in das Publikum schwenken soll.

Auch die Positionierung der Kamera(s) muss wohlüberlegt sein. Eine Kamera an der Vorderseite des Raumes kann gut das Publikum filmen, zeigt die Lehrperson aber häufig nur von hinten. Der übliche Installationsort an der Rückseite des Raumes zeigt gut die Tafel und die Lehrperson, nimmt von den Studierenden aber nur die Hinterköpfe und Rücken, und – viel schlimmer – auch die Inhalte von ihren Laptopbildschirmen auf. Außerdem tendieren diskutierende Roomies immer dahin zu schauen, wo der Ton zu hören oder die Kamerabilder zu sehen sind, statt in Richtung der Kamera(s) für die Zoomies zu schauen.

Aus Gründen der Diebstahl- und Vandalismussicherheit gibt es manchmal auch Kameras mit Deckenmontage, die aber aufgrund der Vogelperspektive stets ein ungewohntes Bild des Raumes vermitteln und es der Lehrperson praktisch unmöglich machen, gleichzeitig in Richtung der Kamera und ins Publikum zu schauen. Parallel zur guten Bildqualität stellen sich Fragen nach datenschutzrechtlichen Aspekten und dem Recht am eigenen Bild der Lernenden im Raum. Die Zoomies können prinzipiell frei entscheiden, ihr Kamerabild freizugeben oder nicht. Roomies könnte man diese Wahl auch ermöglichen, indem nur bestimmte Bereiche im Raum per Kamera erfasst werden. Je nach Größe und Art der Veranstaltung, Vertrautheit der Gruppe, gleichzeitiger Aufzeichnung und anderen Aspekten kann dann flexibel über die Notwendigkeit von Kamerabildern von Roomies und Zoomies entschiedenen werden.

Außerdem sollen auch die Roomies nach Möglichkeit die Kamerabilder der Zoomies sehen. Das geht natürlich am einfachsten über einen Beamer, der hoffentlich zur Standardausstattung in jedem Lehrveranstaltungsraum gehört. Da die Kamerakacheln wertvollen Platz auf der meist begrenzten Projektionsfläche einnehmen, ist ein zweiter Beamer oder ein zweiter großer Monitor zur exklusiven Darstellung der Kamerakacheln sinnvoll. In Lehrräumen mit klassischem Frontalsetting sehen so immerhin alle teilnehmenden Roomies die Kamerabilder der Zoomies, nur die Lehrperson müsste sich dafür ständig nach hinten umdrehen. Also sind weitere große Monitore an der Rückwand des Raumes oder an den Seitenwänden nützlich, insbesondere auch dann, wenn im Raum keine frontalen Stuhlreihen, sondern Gruppenarbeitsplätze bzw. Sitzgruppen angeordnet sind.

Schlussendlich möchte man gemeinsam mit Roomies und Zoomies an konkreten Materialien arbeiten. Unproblematisch sind folienbasierte Lehrvorträge oder klassische Bildschirmfreigaben, weil diese gleichermaßen gut für Roomies wie für Zoomies sichtbar sind. Wird im Raum eine klassische Tafel oder ein analoges Whiteboard genutzt, müssen auch diese abgefilmt und digitalisiert werden. Wird im Raum mit Klebezetteln und Moderationskarten an Metaplanwänden gearbeitet, sollten auch diese entsprechend in die Videokonferenz übermittelt werden. Einfacher ist es dann meist, auf die analogen Tafeln, Whiteboards und Metaplanwände zu verzichten und direkt mit Zeichentablets auf Online-Whiteboards zu schreiben oder digitale Smartboards und Online-Pinnwände zu nutzen, die sich im Nachgang auch viel einfacher abspeichern, teilen und weiterbearbeiten lassen als ein klassischer Tafelanschrieb. Problematisch dabei ist häufig die Gewohnheit der Lehrenden an die althergebrachten Tafeln, Whiteboards und Pinnwände, die sich gegenüber den langfristig gesehen besseren digitalen Varianten zu einfach und zu spontan ohne große Vorbereitung nutzen lassen, wenn sie denn im Raum vorhanden sind. Ansonsten gibt es gerade im technischen Bereich noch häufig analoge Dinge im Raum, die man trotzdem in der Videokonferenz zeigen möchte, wie z. B. Experimente mit Schaltungen und Messgeräten, Platinen, Demonstratoren, mechanische Bauteile, etc. Hier bieten sich häufig Dokumentenkameras an, die aufgrund der besonders flexiblen Stative und Vergrößerungsobjektive vielfältige Möglichkeiten zur Darstellung kleiner und großer Objekte bieten.

Zusammenfassend zur Technik lässt sich festhalten, dass sehr viel möglich ist und für Hochschulen auch bezahlbar sein sollte, zumindest um häufig genutzte Lehrräume damit auszustatten. In Ergänzungen zu festen Raumausstattungen arbeiten einige Hochschulen und Lehrpersonen auch mit „Hybridlehre-Koffern“, um unzureichend ausgestattete Räume für spezielle Lehrveranstaltungen kurzzeitig aufzurüsten, was aber zusätzliche Zeitaufwand erfordert. Ob fest installierte oder mobile Videokonferenzanlagen – in den meisten Fällen muss die Lehrperson einen eigenen Laptop mitbringen, der von den Anschlüssen und hardwaremäßig kompatibel zur installierten Videokonferenzanlage und zum Beamer ist und auch von der Leistungsfähigkeit her ausreicht, eine Videokonferenz zu hosten. Auch wenn HDMI- und USB-Anschlüsse zur Zeit zum Quasi-Standard gehören, werden mobile Endgeräte immer kleiner/leichter und sind demnach mit weniger Anschlüssen sondern eher mit drahtlosen Schnittstellen ausgestattet, was die Kompatibilität herabsetzt oder weitere Adapter notwendig macht.

Eine weitere große Herausforderung bei hybriden Lehrformaten ist die Vorbereitung und Moderation durch die Lehrperson. Diese muss zunächst einmal die Technik sowie deren Möglichkeiten und Grenzen verstanden haben, um diese sicher und souverän einsetzen und bedienen zu können, insbesondere wenn irgendetwas mal nicht direkt auf Anhieb funktioniert. Das stellt auch die Hochschulen vor enorme Herausforderungen. Technik für die Hybridlehre anzuschaffen und Räume damit auszustatten, ist die einfache Aufgabe, weil sie fast nur finanziellen Aufwand erfordert. Lehrende für den sinnvollen und zielgerichteten Einsatz dieser Technik zu sensibilisieren und zu schulen, ist die viel schwierigere Aufgabe, weil diese nicht allein mit finanziellen Aufwendungen zu erreichen ist und stattdessen auch intensive Mitarbeit der Lehrenden erfordert. Daraus lässt sich zunächst schlussfolgern, dass die Hybridlehre-Technik möglichst einfach und intuitiv bedienbar sein sollte und weniger Technik oft mehr ist, insbesondere wenn ein aufwendiger Auf- und Umbau hinzukommt. Läuft die Technik sicher und stabil, kann man sich dann als Lehrperson voll und ganz auf die Moderation von hybriden Lehrveranstaltungen konzentrieren und sich je nach Kontext überlegen, wie man Roomies und Zoomies gleichermaßen möglichst gut aktiviert und einbindet, hybride Kleingruppenarbeit ermöglicht, entstehende Lernartefakte digital sammelt und kuratiert, Studierende zu gegenseitigem Feedback anregt usw. Da man als einzelne Lehrperson alle diese Aufgaben gleichzeitig schwer überblicken und erfüllen kann, können studentischen Co-Moderator:innen und Technik-Helfer:innen sehr nützlich sein, z. B. zum Herumgeben des Mikrofons, zur Anmoderation von Fragen aus dem Chat, zur Nachführung der Raumkamera, zum Sammeln wichtiger Zwischenergebnisse in einem kollaborativen Textdokument oder Whiteboard, etc. Studierende sollten sich für solche Aufgaben im Idealfall freiwillig melden und durch die zusätzliche
Aufgabe nicht zu sehr vom eigentlichen Inhalt der Lehrveranstaltung abgelenkt sein und auch nicht überfordert fühlen.

4. Perspektiven und wie alles (noch) besser wird

4.1 Status quo der Hybridlehre oder „Wo klemmt es noch?“

Nach einem ersten Hype und dem zögerlichen Ausprobieren von hybriden Lehrformaten im Wintersemester 2020/2021, einer gewissen Konsolidierungsphase im Sommersemester 2021 und einem zweiten großen Boom im Wintersemester 2021/2022 gab es im Sommersemester 2022 wieder eher weniger hybride Lehrveranstaltungen, siehe dazu die statistische Auswertung der Planungsdaten von Lehrveranstaltungen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Otto-von-Guericke-Universität (OVGU) in Magdeburg in Abbildung 2. Woran kann das liegen und warum setzt sich ein solches Format mit so vielen Chancen nicht wirklich in der Breite der akademischen Lehre durch? Natürlich sind da zunächst auch gewisse Risiken von Hybridformaten. Häufig berichteten Lehrenden, dass die Präsenzteilnahmequote bei einer gleichzeitigen Online-Teilnahmemöglichkeit im Laufe des Semesters massiv zusammenschrumpfte. Das muss aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung mit dem hybriden Angebot haben, sondern kann auch ein Symptom anderer Faktoren wie der zeitlichen Planung der Lehrveranstaltung zu Randzeiten, einer insgesamt wenig interaktiven frontalen Vorlesung oder weiten Anfahrtswegen zum Campus sein. Außerdem stehen der technische und organisatorische Aufwand einer hybriden Lehrveranstaltung für die Lehrperson in einem häufig viel zu geringen vermuteten Nutzen für die Studierenden. Da in den meisten Fällen die Lehrenden und nicht die Studierenden darüber entscheiden, ob und wie eine Lehrveranstaltung hybrid angeboten und durchgeführt wird, und reine Präsenzveranstaltungen wieder als Normalfall angesehen werden, bleiben Hybridformate auf der Strecke. Auch wer als Lehrperson schon einmal oder mehrfach Erfahrungen mit Technikproblemen machen musste, wird sich nach dem Motto „lieber gut in Präsenz als schlecht in hybrid lehren“ eher für reine Präsenzformate entscheiden.

Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen, dass es nur wenige engagierte und technikaffine Lehrpersonen gibt, die es problemlos schaffen, aus wenig (und im Zweifel selbst mitgebrachter) Technik und mit etwas persönlichem Aufwand mit hybriden Lehrformaten viel Nutzen für die Studierenden zu generieren. Wenn hybride Lehrformate von den Studierenden gewünscht und durch die Hochschulleitungen legitimierter Konsens sind, dann müssen Seminarräume und Hörsäle so ausgestattet sein und die Lehrveranstaltungsplanung so durchgeführt werden, dass Hybridlehre der ganz normale Standard ist, nicht die vermeintlich teure und aufwendige Option.

4.2 Vorschlag an die Medientechnik und die Lehrveranstaltungsplanung oder „Macht doch mal!“

Wird eine Lehrveranstaltung in einem Präsenzraum geplant, wird automatisch ein fester Videokonferenz-Raum erstellt, zugeordnet und angekündigt. Geht die Lehrperson in den Lehrveranstaltungsraum und startet die Medientechnik, startet automatisch auch die zugehörige Videokonferenz auf einem fest installierten PC. Spricht die Lehrperson in das Hörsaalmikrofon, ist die Stimme natürlich auch in der Videokonferenz deutlich hörbar. Für Wortmeldungen und Diskussionsbeiträge der Roomies steht selbstverständlich ein weiteres Mikrofon zur Verfügung. Töne vom PC und die Stimmen der Zoomies werden über die übliche Lautsprecheranlage mit ausgegeben. Statt eine einzelne teure PTZ-Kamera zu installieren, für die eine studentische Assistenz oder die Lehrperson die Bildregie übernehmen muss, sollten mehrere günstigere Kameras fest im Raum installiert werden, die feste Perspektiven und Blickwinkel aufnehmen.

Eine Kamera zeigt dann immer das Pult bzw. die normale Lehrpersonen-Position in Großaufnahme. Eine weitere Kamera zeigt die ganze Bühne bzw. den vorderen Teil des Raumes. Zwei weitere Kameras könnten den kompletten Raum jeweils von vorn und von hinten zeigen, eventuell mit verringerter Auflösung bzw. Schärfe, so dass man von außen zwar einen Eindruck davon bekommt, was im Raum passiert (ist der Raum leer oder voll, laufen Personen herum, etc.), aber nicht einzelne Gesichter oder Bildschirminhalte identifizieren kann. Falls eine klassische Tafel, ein Flipchart oder ein analoges Whiteboard vorhanden sind, benötigen diese ebenfalls eine zugeordnete Kamera, damit sie in der Lehrveranstaltung niederschwellig und einfach genutzt werden können. Vier bis fünf einfache Kameras mit zugehörigen Mini-PCs, die per LAN mit dem Internet verbunden werden, sind dabei auch nicht teurer in der Anschaffung als eine hochwertige PTZ-Kamera, ermöglichen aber deutlich mehr Flexibilität, denn die Lehrperson ist entlastet und muss sich nicht um deren Einstellungen wie Kameraperspektive, Zoom, etc. kümmern. Stattdessen können die Teilnehmenden selbst entscheiden, durch welches „virtuelle Auge“ sie in den Lehrveranstaltungsraum schauen, was sie sehen und was sie lieber ausblenden möchten. Auch im Sinne der Studierendenzentrierung wäre die Wahlmöglichkeit besser als das Einspeisen eines einzelnen, eventuell unpassenden Kamerabildes. Zur Anzeige von Folien, anderen Bildschirmfreigaben und den Kamerakacheln stehen mindestens zwei Beamer zur Verfügung, die zusätzlich auf Kontrollmonitore in Blickrichtung der Lehrperson gespiegelt werden, so dass diese sich nicht immer umdrehen muss.

Da der fest installierte PC mit entsprechender Standardsoftware natürlich auch Webseiten und Folien in den gängigen Formaten anzeigen kann, braucht die Lehrperson keinen eigenen Laptop mitbringen, kann dies aber gern tun, wenn sie es möchte oder auf nur dort installierte Spezialsoftware (z. B. für Simulationen) angewiesen ist. Der selbst mitgebrachte Laptop bzw. das von der Lehrperson genutzte digitale Endgerät muss als einzig relevante Schnittstelle jedoch nur einen WLAN-Zugang besitzen, über den das Gerät nahezu unabhängig vom Betriebssystem in die Videokonferenz eingewählt und die gewünschten Inhalte von dort per Bildschirmfreigabe geteilt werden. Diese Vorgehensweise ist auch für Roomies möglich, z. B. wenn studentisch erstelltes Material im Plenum diskutiert werden soll. Handelsübliche Smartphones oder Tablet-PCs, die mit in die Videokonferenz eingewählt werden, eignen sich dabei auch hervorragend als mobile, tragbare Kameras, die bezüglich Ausrichtung und Blickwinkel deutlich flexibler als eine PTZ-Kamera sind, die fest an der Decke oder Raumrückwand montiert ist.

Somit wären alle Wege offen, um Hybridlehrveranstaltungen einfach und intuitiv umzusetzen. Optional könnte die Lehrperson immer noch einzelne Kameras manuell deaktivieren, eine Kamera als Fokusbild für alle Teilnehmenden setzen oder natürlich beliebige weitere Kameras ergänzen, z. B. für Experimente oder ähnliches, solange sich die Zusatztechnik in den üblichen 15 min vor und nach der Veranstaltung auf- und abbauen lässt. Auch eine Stunden- und Raumplanung, die einer Lehrperson die aufeinanderfolgende Durchführung mehrerer Veranstaltung im gleichen Raum ermöglicht, wäre als zusätzliche Unterstützung denkbar.

5. Fazit und Forderungen zum „Quo vadis Hybridlehre“

Wenn sich hybride Lehrveranstaltungen durchsetzen sollen (z. B. auf Wunsch der Studierenden oder als Strategie der Hochschulleitung), muss deren technische Umsetzung für die Lehrperson so einfach sein, wie im Lehrveranstaltungsraum das Licht einzuschalten. Jeder relevante Lehrveranstaltungsraum muss durch Rechenzentren oder Medientechnik-Abteilungen mit fest installierter Technik ausgestattet sein, die auch für sich allein und ohne weitere Endgeräte funktioniert – aber gern damit erweitert werden kann. Jedem Raum und jeder Lehrveranstaltung muss bei der Stundenplanung durch die Hochschulverwaltung automatisch ein entsprechender Videokonferenzraum zugeordnet werden, der im Campus- bzw. Lernmanagementsystem verlinkt ist. Außerdem benötigen Lehrende regelmäßige Schulungsangebote und kurzfristig verfügbare Unterstützung durch hochschuldidaktische Supporteinrichtungen oder Lehr-Lern-Zentren bei technischen und didaktisch-methodischen Fragestellungen.

Literatur

Shadowboard – Welcome to the dark side of teaching

Nach Tafeln, Whiteboards, Lightboards, Starboards und Smartboards wirft jetzt die nächste Evolutionsstufe für die Online-Lehre und Erklärvideoproduktion ihre Schatten voraus — das revolutionäre Shadowboard. Hier zeigen Sie sich als Lehrperson von ihrer besten Schattenseite.

Aufnahme am Shadowboard

Das Shadowboard besteht aus einer Plexiglasscheibe mit Standfüßen sowie einer Leinwand aus Spezialgewebe (selbstverständlich ein Abfallprodukt der Raumfahrtindustrie). Es ist rasch aufgebaut und wird durch eine handelsübliche Kamera und ein Ansteckmikrofon ergänzt. Es ist intuitiv und flexibel in der Anwendung, und erlaubt die gleichen didaktischen Möglichkeiten, wie andere flache, glatte, beschreibare Gegenstände, also viele.

Anschrieb am Shadowboard

Eine helle punktförmige Lichtquelle beleuchtet die Leinwand, die durch die Lehrperson und spezielle Schattenstifte punktuell abgedunkelt wird, wodurch faszinierende, konstrastreiche und dynamische Aufnahmen mit einer beeindruckenden Lebendigkeit entstehen, die auch längere, langatmige und komplexe Erklärvideos kurz und kurzweilig erscheinen lassen. Auch 90 Minuten lange synchrone Vorlesungsmonologe werden so problemlos von den Lernenden aufgenommen und verstanden. Die reine Schwarz-Weiß-Darstellung lenkt dabei den Fokus auf das Wesentliche. Verschiedene Farben können so keine Verwirrung bei der Visualisierung stiften.

Schattenstifte

Ist das Shadowboard vollgeschrieben, lassen sich mit einem speziellen Schattenradierer die geschriebenen Schatten wieder weglöschen. Nach einer gewissen Nutzungszeit färbt sich der Schattenradierer dann dunkel und muss ausgetauscht werden. Das Shadowboard an sich ist aber nahezu beliebig lange nutzbar, zumindest solange genügend Licht da ist, um neue Schatten zu werfen.

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  • Die Basisversion „Light Shadow“ (Shadowboard, Schattenstifte, Schattenradierer) ist bereits für 0815 € zu haben.
  • Zum Aufpreis von 104 € gibt es das Modell „Shadow Roller„, bei dem statt der Standfüße ein rollbares Gestell für den mobilen Einsatz montiert ist.
  • Die Premium-Version „Moon Shadow“ ist exklusiv von Cat Stevens signiert und bietet zusätzlich eingebaute Lautsprecher, die eine Ton- oder Musikwiedergabe erlauben und das Shadowboard somit auch für hybride Lehrszenarieren einsetzbar machen (Preis auf Anfrage).
Typisches am Shadowboard aufgenommenes Erklärvideo

Das Shadowboard ist mit allen gängigen Videokonferenzsystemen (Jitsi, BBB, WebEx, Skype, MS Teams, Zoom, etc.) sowie üblicher Aufnahmesoftware (OBS Studio, Camtasia, HyperCam) kompatibel. Eine Version für VHS-Kassetten ist noch in der Entwicklung.

Shadowboard-Aufnahme im OBS Studio

Anmerkung: Die nötige starke Lichtquelle ist nicht im Lieferumfang enthalten. Es eignen sich aber:

  • direktes oder gebündeltes Sonnenlicht (klimaneutral, aber Warnung vor Sonnenbrand der Lehrperson und Brandflecken auf dem Shadowboard)
  • Tageslicht-Projektoren und Polyluxe (in Bildungseinrichtungen typischerweise vorhanden)
  • Beamer (auch mit VGA-Anschluss)
  • Kerzen (viele, auch bei Stromausfall einsetzbar, aber Achtung: starke Hitzeentwicklung)
Beamer als Lichtquelle (nicht im Lieferumfang enthalten)

Bring-Your-Own-Device-Setup für hybride Lehrveranstaltungen

Vor ungefähr einem Jahr habe ich mal über einen Equipment-Koffer zur Digitalisierung von Lehrveranstaltungen gebloggt. Dort habe ich ein portables Equipment-Set vorgestellt, mit dem sich Lehrveranstaltungen streamen, aufzeichnen und archivieren, Podcasts und Erklärvideos produzieren, Tafeln, Flipcharts, Whiteboards, Experimente oder Lehrpersonen abfilmen sowie einfache hybride Lehrformate realisieren lassen. Seit dem ist gerade in Bezug auf hybride Lehrveranstaltungen viel passiert und viel ausprobiert worden. Aus den gesammelten Erfahrungen würde ich schlussfolgern, dass es einen solchen „Digitalisierungskoffer“ nun kaum noch für die reine Online-Lehre oder für die Erklärvideo- oder Podcast-Produktion braucht, denn alle Personen, die in diesem Bereich aktiv sind, haben mittlerweile die entsprechende Technik fest installiert zur Verfügung zu stehen. Stattdessen braucht es eine portable Technikausstattung eigentlich fast nur noch für hybride Lehr- und Lernformate, für die kein geeigneter fest ausgestatteter Raum vorhanden ist. Eine Variante für einen solchen „Hybridkoffer“ möchte ich in diesem Blog-Artikel vorstellen. Ein großer Dank für zahlreiche Inspirationen geht dabei an Andreas Sexauer vom KIT.

Ton

Das allerwichtigste für ein gutes Hybridlehre-Setup ist guter Ton. Ohne diesen läuft nichts. Die „Zoomies“ (bzw. Videokonferenzteilnehmenden) sollen nicht alle, aber die relevanten Stimmen der „Roomies“ (bzw. Vor-Ort-Teilnehmenden) hören. Dabei soll die Stimme klar und deutlich übertragen werden, ohne durch Raumhall und oder störende Nebengeräusche wie Husten, Stühlerücken, Trittschall, Lüfter, etc. überlagert zu werden. Ebenso möchten die Roomies auch die Stimmen der Zoomies klar und deutlich hören, z.B. bei Zwischenfragen, Kommentaren oder während Diskussionen. Bei mehr als einer handvoll Roomies geht das eigentlich nur über einen Lautsprecher, der aber potentiell Rückkopplungen erzeugt. Diese lassen sich eigentlich nur dann gut vermeiden, wenn alle Audioeingaben im Raum über den gleichen Rechner geschehen, über den auch die Lautsprecherausgabe läuft, damit die in der Videokonferenzsoftware integrierte Echounterdrückung funktioniert. Alternativ müsste man den/die Roomie mit eigenem Mikrofon und eigener Videokonferenzeinwahl selektiv am Lautsprecher-Rechner stummschalten, was kein mir bekanntes Videokonferenzsystem (nicht mal Zoom) zulässt. Weitere Alternative: Alle Roomies tragen (eigene?) Headsets bzw. Hörsprech-Garnituren mit Kopfhörern, so dass es selbst bei vielen Audio-Ein- und -Ausgaben kein Echo im Raum gibt.

Ansteckmikrofone

Ansteckmikrofone sind super, weil sie relativ dicht am Mund sind, trotzdem keine Atemgeräusche übertragen, wenig Raumhall aufnehmen und man gegenüber Handmikrofonen trotzdem beide Hände frei hat, was gut für Experimente, die Bedienung des Laptops oder das Schreiben an einer Tafel bzw. einem Whiteboard ist. Gegenüber Headsets sind sie auch weniger auffällig und störend am Kopf, jedoch vielleicht etwas anfälliger für Rückkopplungen. Natürlich benötigt man in der Hybridlehre Funk-Mikrofone, denn selbstverständlich möchte man als Lehrperson im Seminarraum oder Hörsaal nicht an einem Mikrofonkabel als Nabelschnur hängen. Ein Mikrofonsystem mit zwei oder sogar mehr Kanälen erlaubt das einfache gleichzeitige Sprechen von mehreren Personen, ohne den Einsatz von Raummikrofonen und ohne das Herumreichen von Mikrofonen.

Das funktionalste Ansteckmikrofon ist aus meiner Sicht das LARK 150 von Hollyland Technology. Das LARK 150 hat zwei Sender, die unabhängig voneinander funktionieren und sich an dem einem Empfänger automatisch mischen lassen, z.B. als Mono- oder Stereosignal. Die Mikrofone können sowohl am Sender als auch Empfänger einfach per Knopfdruck stummgeschaltet werden, z.B. wenn man sich mal Räuspern oder Nießen muss. Der größte Vorteil gegenüber anderen Mikrofonen ist aber die super-einfache Handhabung. Die sehr praktische Aufbewahrungsbox fungiert gleichzeitig als Ladeschale und Powerbank, die sich über eine USB-C-Buchse aufladen lässt. Nimmt man die Sender und den Empfänger heraus, schalten sie sich automatisch ein und verbinden sich. Steckt man Sender und Empfänger wieder in die Box, schalten sie sich automatisch aus und laden sich auf. Beim Auf- und Abbau muss man also nur ein Klinke-Klinke-Kabel an den Rechner (alternativ eine Klinke-zu-USB-Soundkarte) stecken.

Dagegen fallen anderen Mikrofone mit ebenso guten Klang wie z.B. das Go Mic Mobile Lavalier von Samson oder auch das Wireless GO von RØDE etwas ab, weil zum Betrieb oder immerhin zum Laden deutlich mehr Kabel auszupacken, zu stecken, zu entfernen und wieder einzupacken sind.

Raummikrofone

Raummikrofone nehmen, wie der Name vermuten lässt, den ganzen Raum auf. Das hört sich in der Theorie besser an, als es in der Praxis klappt, denn die meisten Räume an Hochschulen und Universitäten haben glatte Fußböden sowie kahle Wände und Decken, und erzeugen damit viel, oft sehr viel Raumhall. Eine einzelne Person mit einem Raummikrofon aufzunehmen, ist also ziemlich ungeschickt. Stattdessen ist ein Raummikrofon nur dann sinnvoll, wenn ein Zweikanal-Ansteckmikrofon nicht ausreicht, z.B. während sehr lebhafter Diskussionen, bei denen viele Leute schnell nach- und durcheinander reden. Hier kann man sich fragen, ob so etwas sinnvoll ist und ob Diskussionen nicht vielleicht doch etwas geordneter und moderierter ablaufen sollten, so dass ein Zweikanal-Mikrofon genügt, wobei die modierenden Person selbst einen Empfänger benutzt und den anderen Empfänger im Raum herumgibt. Das damit verbundene potentielle Covid-Ansteckungsrisiko halte ich persönlich für überschaubar im Vergleich zum sonstigen Ansteckungsrisiko innerhalb geschlossener Räumlichkeiten. Ansonsten nehmen Raummikrofon neben dem Raumhall, der sich zum Teil durch Softwarefilter recht gut unterdrücken lässt, natürlich weitere Störgeräusche (Husten, Papierrascheln, Tippgeräusche, Schritte, etc.) auf.

Raummikrofone sind üblicherweise auch nur an fest-installieren Videokonferenzsystemen verbaut. Wer sich der Vorteile, aber auch der Risiken und Nebenwirkungen bewusst ist und ein portables, günstiges, kleines Raummikrofon sucht, wird beim Speak 510 von Jabra fündig. Mit im Lieferumfang ist eine praktische Neoprentasche mit Reißverschluss. Die Verbindung wird über Bluetooth (auch mit Android-Geräten) oder einen USB-A-Stecker hergestellt. Das USB-Kabel ist aber recht kurz und reicht praktisch nur zu einem Laptop, der auf dem gleichen Tisch steht. Dafür gibt es eine ebenso praktische Kabelaufrollmöglichkeit um den Standfuß des etwa CD-großen Mikrofons. Mit dazu gibt es auch eine (optionale) Software für Windows und Mac, mit der man z.B. den Akkustand sieht und über die man auch ein paar Dinge einstellen kann (z.B. den Bluetooth-Namen oder die Tastenbelegung). Der Klang des Mikrofons ist nicht überragend, aber okay. Es ist halt wie immer: Jedes Mikrofon kling solange gut, bis man ein Mikrofon daneben stellt, das noch besser klingt.

USB- und Bluetooth-Raummikrofon Speak 510 von Jabra mit passender Neopren-Aufbewahrungstasche

Lautsprecher

Als Lautsprecher hat sich bei mir eine akkubetriebene Boombox BX 520 von Swisstone bewährt, die sich einfach per Bluetooth mit dem Rechner verbinden lässt. Diese ist an sich relativ robust gebaut, so dass es für den Transport im Rucksack keinen weiteren Schutzkoffer benötigt.

Akkubetriebener Bluetooth-Lautsprecher BX 520 von Swisstone (hier bei einer Outdoor-Hybrid-Übung)

Kamera

Nach dem Ton kommt das Kamerabild. Die Anforderungen an eine portable Hybridlehre-Kamera sind überschaubar. Solange man sich als Zoomie auf die Bildschirmfreigabe zur Inhaltsvermittlung verlassen kann, muss die Kamera ja „nur“ die Lehrperson und eventuell ein paar Teilnehmende im Raum zeigen. Wird eine klassische Tafel, ein Whiteboard oder eine Flipchart genutzt, muss das Kamerabild natürlich ermöglichen, dass man dort als Zoomie alles qualitativ gut lesen kann. Ansonsten muss die Kamera klein und leicht sein und sich möglichst schnell und einfach per USB mit dem Rechner verbinden lassen. Toll ist natürlich, wenn die Kamera sich einfach schwenken und zoomen lässt, bzw. dies in einem gewissen Rahmen sogar automatisch macht.

Meine Empfehlung für diesen Anwendungszweck ist die Tiny AI-Powered PTZ Camera von OBSBOT, die ich in der Full-HD-Variante nutze, die es mittlerweile aber auch mit 4K-Auflösung gibt, von der bei den Zoomies vermutlich aber nicht viel ankommt. Mit zwei Gesten lässt sich die Kamera auch berührungslos rein- und rauszoomen bzw. blockieren und in den Verfolgungsmodus bringen. Ansonsten erfüllen aber auch klassische Webcams wie die C920 oder BRIO von Logitech ihren Zweck (z.B. auch als Zweitkamera für Experimente) und lassen sich ebenso schnell auf- und abbauen. Toll für das Abfilmen von Experimenten sind auch Dokumentenkameras, die jedoch aufgrund der Größe und des Gewichts nicht wirklich portabel sind. Ebenso zum Abfilmen von Experimenten oder als improvisierte Raumkamera lassen sich auch Smartphones oder Tablet-PCs einsetzen.

KI-gesteuerte PTZ-Kamera von OBSBOT (Das gezeigte Netzteil ist nicht zum Betrieb notwendig. Das mitgelieferte USB-C-Kabel ist etwas kurz. Den Magnetfuß habe ich auch nie benutzt, da die Kamera direkt unten ein Stativgewinde besitzt.)

Zur flexiblen und sicheren Montage jeder Kamera braucht man natürlich noch ein Stativ. Ich nutze hier das klein packbare und sehr leichte „Element Traveller Carbon Stativ mit Kugelkopf“ von Manfrotto sowie das PIXI Mini-Stativ mit Smartphone-Halterung vom gleichen Hersteller.

Element Traveller Carbon Stativ mit Kugelkopf und PIXI Mini-Stativ mit Smartphone-Halterung von Manfrotto

Jetzt könnte man sich noch fragen, wie man das Kamerabild der Zoomies im Raum dargestellt bekommt. Ich gehe dabei davon aus, dass:

  • jeder Seminarraum/Hörsaal immerhin mit einem Beamer bzw. Projektor ausgestattet ist,
  • Zoomies sowieso selten und nur dann die Kamera anmachen, wenn das unbedingt notwendig ist und man deshalb auch auf die große und für alle Roomies sichtbare Darstellung der Kamerabilder verzichten kann, und
  • man zur Not immernoch einen kleinen portablen Beamer im Raum aufstellen könnte.

Licht

Eigentlich sollte gutes Licht vor einer guten Kamera stehen, aber die Lichtverhältnisse im Lehrveranstaltungsraum kann man sich selten aussuchen. Hier ist es ein bisschen wie beim Ton und Raumhall: Die meisten Räume sind lichttechnisch nicht sehr gut für hybride Lehrformate ausgestattet. Es gibt meist viel Licht von oben, das in der Kamera nicht gut aussieht. Flach einfallendes Sonnenlicht sorgt insbesondere im Winter für sich stark verändernde Lichtverhältnisse und potentielle Blendungen, die zu bestimmten Tageszeiten sehr störend sein können. Auch der Beamer bzw. Projektor selbst kann gegenenfalls die Kamera blenden. Hier hilft eigentlich nur das Verdunkeln und eigene Ausleuchten, was aber mit portablem Equipment nur in Grenzen möglich ist.

Eine bedingte Empfehlung sind hier die kleinen LED-Scheinwerfer Niova 150 Bi Color von Walimex Pro, die sich per Akku oder Netzteil betreiben und flexibel in der Helligkeit sowie Lichttemperatur anpassen lassen. Trotzdem wäre das Licht natürlich das Erste, auf das ich im Zweifel verzichten würde.

Rechner

Natürlich ist kaum ein Seminarraum oder Hörsaal mit einem fest-installierten Rechner ausgestattet. Dementsprechend gehört ein Notebook oder Laptop zur Standardausrüstung jeder „Hybridlehrperson“ und sollte eigentlich auch für jede*n Roomie Pflicht sein. Ich habe mich hier an mein Microsoft Surface Pro gewöhnt, dessen per Stift beschreibarer Bildschirm als improvisiertes Zeichentablett schon häufiger nützlich war. Außerdem ermöglichen die eingebaute Front- und Rückkamera weitere flexible Kameraperspektiven, z.B. als Fokus auf die Lehrperson oder ein Experiment. Was dagegen bei vielen aktuellen und flachen Notebooks nervt, ist die sehr begrenzte Anzahl an Schnittstellen (USB und HDMI), die das Mitführen weiterer Kabel und Adapter erfordert.

Microsoft Surface Pro als kompaktes und leistungsfähiges Notebook für die Hybridlehre

Software

Neben einem obligatorischen Videokonferenzssystem wie Zoom oder BigBlueButton ist natürlich OBS oder Twitch Studio zum Streamen nett, wobei die Rechenleistung üblicher Notebooks nicht zum direkten Streamen ausreicht und Umwege wie z.B. das Streamen aus Zoom nach Twitch erfordern. Mit dem kleinen Hilfsprogramm PenAttention kann man anwendungsunabhängig den Mauszeiger oder virtuellen Zeichenstift vergrößern, was Roomies und Zoomies beim Verfolgen hilft.

Transport

Zum Verpacken der einzelnen Komponenten habe ich mich erneut für robuste, leichte und ausreichend wasserdichte Pelicases entschieden. Die OBSBOT-Kamera und das LARK-150-Mikrofon passen dabei mit allen nötigen Kabeln perfekt in einen Pelicase-1120-Koffer.

Das Surface-Notebook passt inklusive der nötigen Adapter und USB und HDMI in einen flachen Pelicase-1070-Koffer.

Das Manfrotto-Stativ hat eine eigene gepolsterte Textiltasche. Alles zusammen passt problemlos in einen normalen Sportrucksack wie meinen Vaude Alpencross 30. Darin habe ich das BOYD-Hybridlehre-Equipment auch schon problemlos als Handgepack im Flugzeug mitgenommen, z.B. zu einem Flying-Faculty-Aufenthalt in Kasan in Russland.

Das BYOD-Hybridlehre-Equipment passt problemlos in einen mittelgroßen Rucksack.

Einsatz und Ausblick

Das gesamte Equipment wiegt je nach Umfang nur wenige Kilogramm und ermöglicht doch, einen „üblichen“ Raum für Präsenzlehrformate relativ rasch in einen hybriden Lehrraum zu erweitern. Da bis auf den Laptop alle weiteren Dinge per USB oder Akku mit Strom versorgt werden, sind dabei auch Auslandsaufenthalte mit möglicherweise anderen Steckdosen oder Outdoor-Einsätze unprobematisch, solange das Notebook und ein USB-Ladegerät zumindest zeitweise mit Energie versorgt werden können.

Aufgebautes und einsatzbereites BOYD-Hybridlehre-Equipment am German-Russian Institute of Advanced Technology in Kasan/Russland

Als Ergänzung zum beschriebenen Set würde ich mir noch ein kleines Zeichentablet (wie z.B. ein Wacom Intuos S) wünschen, das transportabel genüg für den Rucksack ist und im Idealfall mit in den Laptop-Koffer passt. Eine gute Projektionswand vorausgesetzt, ersetzt ein Zeichentablet die klassische Tafel bzw. ein Whiteboard und lässt sich auch im Raum herumgeben, so dass die Roomies damit ebenso „an die (virtuelle) Tafel“ schreiben können. Der Inhalt der virtuellen Tafel lässt sich dann natürlich einfach in hoher Qualität an die Zoomies übertragen und auch durch diese ergänzen. Außerdem lässt sich ein virtuelles Whiteboard einfacher durch Folien, Webseiten, Simulationsergebnisse etc. ergänzen und auch einfacher abspeichern und sichern.

Setup für hybride Promotionsverteidigungen

Durch die pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen konnten und können Verteidigungen von Abschlussarbeiten oder Promotionsverfahren nicht komplett in Präsenz stattfinden. Typischerweise wurde aber oft ein Hybridformat gewählt, bei dem zumindest der/die Kandidat*in und ein*e Prüfer*in (oder mehrere Personen der Prüfungskommission) für die Dauer des Vortrags in einem Raum waren. Weitere Kommissionsmitglieder und Zuhörer*innen wurden dann per Videokonferenz zugeschaltet. Da ich mich oft um den Aufbau eines technischen Setups für solche Veranstaltungen kümmern durfte, möchte ich hier einen typischen Aufbau beschreiben und von den Erfahrungen berichten.

Anforderungen

Um die Anforderungen an einen solchen Aufbau zu verstehen, muss man den üblichen Ablauf von Promotionsverteidigungen kennen. Bei Präsenzverteidigungen sind die/der Kandidat*in, die Kommission und weitere Zuhörer*innen in einem Raum. Zu Beginn begrüßt der/die Vorsitzende alle Teilnehmenden, stellt die Kommission und die/den Kandidat*in vor und verliest ihren/seinen Lebenslauf. Dann wird das Wort für einen meist 30-minütigen Vortrag an die/den Kandidat*in übergeben. Anschließend werden die Gutachten verlesen und es gibt eine Fragerunde mit Diskussion. Danach zieht sich die Kommission zur internen Beratung zurück und verkündet anschließend die Note. Dankende Worte der/des Kandidat*in bilden dann üblicherweise den Abschluss.

Daraus ergeben sich folgende technischen Anforderungen:

  • Der/die Kandidat*in muss möglichst groß und frontal für die Remote-Zuschauenden im Videobild sichtbar sein.
  • Die Kommission sollte zumindest überblicksartig für die Remote-Zuschauenden im Videobild zu sehen sein.
  • Falls externe Gutachter*innen per Videokonferenz zugeschaltet werden, müssen diese natürlich auch im Raum sicht- und hörbar sein. Das gleiche gilt selbstverständlich für weitere Zuschauer*innen, die sich ebenfalls an der Diskussion beteiligen möchten.
  • Alle Zuschauenden (vor Ort und remote) müssen die Vortragsfolien sehen können.
  • Die/der Kandidat*in muss insbesondere während des Vortrags (besonders für die Remote-Zuschauenden) gut zu hören sein. Gleichzeitig sollen weitere Geräusche im Raum (Papierrascheln, Husten, Räuspern, Gläserklappern, …) möglichst unterdrückt werden.
  • Kandidat*in und Kommission müssen während der Fragerunde und Diskussion für die Remote-Zuschauenden) gut zu hören sein.
  • Das Setup muss so funktionieren und bedienbar sein, dass die Kandidat*in sich möglichst nicht um technische Belange kümmern muss und sich ganz auf den Vortrag und die Beantwortung der Fragen konzentrieren kann.
  • Auf- und Abbau sowie ein kurzer Technikcheck sollten jeweils in etwa 30 Minuten zu erledigen sein, da große Besprechungsräume immer noch rar sind.
Mobiles Equipment für das hybride Verteidigungs-Setup

Gesamtkonzept

Kernstück in meinem Setup ist ein fahrbares Smartboard mit 86″-Bilddiagonale, Touch-Funktionalität, integriertem Lautsprecher und Windows-Rechner. Auf diesem Smartboard ist ein MeetUp-Videokonferenzsystem von Logitech mit einem kabelgebundenen Grenzflächen-Raummikrofon installiert. Steuern lässt sich dieses Systeme über eine Funkfernbedienung für die Kamera sowie eine Funkmaus und -tastatur. Dazu kommt eine normale Webcam auf einem Stativ sowie ein kabelgebundenes Ansteckmikrofon. Außerdem bringt die/der Kandidat*in einen eigenen Laptop für die Präsentation mit.

Gesamtkonzept für das hybride Verteidigungssetup

Bild

Das Videokonferenzsystem von Logitech nimmt den gesamten Raum und damit auch die Kommission auf. Die zweite Webcam auf dem Stativ filmt dagegen nur den Kandidaten. Damit man beide Videobilder gleichzeitig in einem Videokonferenzsystem anzeigen kann, wird diese Kamera über den Laptop der/des Kandidat*in geteilt. Benötigt man weitere Kamerabilder aus dem Raum, z.B. für eine größere Darstellungn eines bestimmten Bereichs (analoges Whiteboard oder Flipchart) oder beispielweise für ein Experiment, kann man einfach ein Smartphone in die Videokonferenz einwählen und als zusätzliche Kamera nutzen. Eine Powerbank oder ein Netzteil sorgt hier für genügend Betriebszeit. Diese Zusatzkamera hilft meist sogar der Kommission vor Ort.

Webcam auf Stativ für den/die Kandidat*in, die an den Präsentationslaptop angeschlossen ist

Wichtig: Auch die besten Kameras versagen bei schlechten oder ungünstigen Beleuchtungsbedingungen. Fenster entgegen der Kamerablickrichtung sorgen für zu starke Kontraste und sollten abgedunkelt werden. Das gleiche gilt für sehr helle Oberlichter, die für Reflexionen auf der Stirn und unnatürliche Schatten in Gesichtern sorgen. Die normale Deckenbeleuchtung funktioniert typischerweise aber recht gut. Wenn man die/den Kandidat*in wirklich im rechten Licht erscheinen lassen möchte, ist ein LED-Flächenstrahler nützlich.

Ton

Die größte Schwierigkeit beim Ton sind Echos und Rückkopplungen. Diese können von einem Videokonferenzsystem wie Zoom nur dann effektiv unterdrückt werden, wenn alle Audioein- und -ausgaben im Raum über einen Rechner geschehen. Im hier beschriebenen Aufbau wird das über das Smartboard erledigt. Hier sind alle aktiven Mikrofone und die einzig aktiven Lautsprecher angeschlossen. Es ist kein Problem, weitere Endgeräte im Raum mit in die Videokonferenz einzuwählen, jedoch müssen dort alle Mikrofone stummgeschaltet und alle Lautsprecher deaktiviert sein.

Grenzflächenmikrofon auf einem Telefontischchen in der Mitte des Raumes

Am Smartboard-Rechner kann dann zwischen dem Raummikrofon und den Ansteckmikrofon gewählt werden. Standardmäßig wird das Raummikrofon aktiviert und nimmt den gesamten Raum auf, z.B. für die Vorstellung von Kandidat*in und Kommission oder für die Fragerunde und Diskussion. Nur für den Vortrag (und eventuell für längere Antworten in der Diskussion) wird dann auf das Ansteckmikrofon des/der Kandidat*in umgeschaltet.

Ansteckmikrofon für die/den Kandidat*in

Bild- und Tonregie

Um die Umschaltung bzw. Tonregie kümmert sich ein*e Technikassistent*in im Raum über die Funkmaus- und -tastatur des Smartboards. Das kann z.B. die/der Protokollant*in oder ein weiteres Mitglied der Kommission sein. Diese Person kann ebenfalls eine geeignete Bildschirmansicht (Vollansicht der Vortragsfolien vs. Gallerieansicht der Remote-Teilnehmenden) auf dem Smartboard auswählen, welche die relevanten Informationen für die Kommission vor Ort darstellt. Das Pinnen eines bestimmten Videobildes hilft auch den Remote-Teilnehmenden beim Fokus auf eine bestimmte Kamera. Die eigentliche Bildschirmfreigabe der Folien und die Steuerung der Präsentation erfolgt über den Laptop der/des Kandidat*in.

Weitere Hinweise

Abschließend noch einige organisatorische und logistische Hinweise:

  • Der/die Kandidat*in sollte unbedingt vor dem eigenen Laptop stehen bleiben, auch wenn man es sonst vielleicht gewohnt ist, während eines Vortrags „auf der Bühne“ entlang zu laufen und Dinge direkt an der Projektionswand zu zeigen und hervorheben. Das funktioniert aber bei Hybrid-Vorträgen nicht, weil die vortragende Person so:
    • den Aufnahmebereich der eigenen Kamera verlässt,
    • möglicherweise die Raumkamera der Kommission verdeckt,
    • Audioprobleme wie Lautstärkeänderungen vorprogrammiert sind und
    • das Zeigen mit der Hand bzw. einem Laserpointer auf die Projektionsfläche zwar vor Ort, aber nicht für die Remote-Teilnehmenden sichtbar ist.
  • Für Hervorhebungen auf der Projektionsfläche eignet sich stattdessen einfach der Mauszeiger, der sowohl vor Ort als auch remote gut sichtbar ist. Virtuelle Laserpointer funktionieren natürlich auch, wobei eine Maus oder ein Touchpad für die vortragende Person auf kurze Distanz vermutlich einfacher zu bedienen sind, als ein Logitech-Spotlight-Presenter.
  • Für die Dauer des Vortrags sollten die anderen Raummikrofone möglichst stummgeschaltet oder deaktiviert sein, um Störgeräusche durch die Kommissionsmitglieder zu unterdrücken.
  • Die Technikassistenz im Raum kann sich selbst in die Videokonferenz einwählen und prüfen, ob die Bildschirmfreigabe und Kamerabilder korrekt angezeigt werden. Mit Kopfhörern lässt sich auch im Vortragsraum testweise die Audioqualität für die Remote-Teilnehmenden prüfen.
  • Alternativ kann die Technikassistenz im Raum auch für eventuelle Mitteilungen und Störungsmeldungen der Remote-Teilnehmenden zur Verfügung stehen, z.B. über den Privatchat in Zoom oder einen externen Messengerdienst, um schnell auf eventuelle Ton- und Bildprobleme reagieren zu können.
  • Während des Vortrags sollten alle Remote-Teilnehmenden stummgeschaltet und auch gebeten werden, auf öffentliche Chatnachrichten zu verzichten, die typischerweise am Smartboard angezeigt und quittiert werden müssen.
  • Für die interne Beratung der Kommission gibt es mehrere Möglichkeiten:
    • Ist die gesamte Kommission vor Ort, kann sich diese für die interne Diskussion einfach in einen anderen Raum zurückziehen. Alternativ kann auch der/die Kandidat*in den Raum verlassen und die Freischaltung von Kamera und Mikrofon unterbrochen werden. Die Remote-Teilnehmenden können dann bis zur Notenverkündung und den Schlussworten im Videokonferenzraum bleiben und sich austauschen.
    • Sind auch Gutachtende über die Videokonferenz zugeschaltet, kann die Diskussion ohne den/die Kandidat*in vor Ort und in einem virtuellen Breakout-Raum durchgeführt werden. Auch hier können die anderen Remote-Teilnehmenden weiter im Hauptraum verbleiben und sich austauschen. Alternativ kann die Kommission im Hauptvideokonferenzraum bleiben und alle anderen Remote-Teilnehmenden in einen Breakout-Raum wechseln.
    • Weitere Möglichkeit: Die Kommission bleibt ebenso im Videokonferenzraum und alle anderen Remote-Teilnehmenden werden in einen virtuellen Warteraum geschickt. Im diesem Warteraum sind aber alle für sich und können sich nicht weiter austauschen, weshalb ich von dieser Variante abraten würde.
  • Für weitere Erfahrungen, Ideen und Kommentare bin ich dankbar.

Open-Book-Präsenzklausur in den Grundlagen der Elektrotechnik

Aufgrund gesunkener Inzidenzen sind Präsenzprüfungen nach aktuellem Planungsstand an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg wieder möglich. Nachdem eine online durchgeführte Open-Book-Prüfung im letzten Wintersemester relativ problemlos funktionierte, würde ich in diesem Sommersemester gern ein Open-Book-Format in Präsenz erproben. Das Präsenzformat wurde von den Studierenden im Sinne der Chancengleichheit gewünscht und ich finde es spannend, auch dort weitere Hilfsmittel wie Smartphones, Tablet-PCs oder Notebooks/Laptops zu erlauben, um praxisrelevante Kompetenzen wie die Nutzung von Numerikprogrammen wie MATLAB bzw. Octave oder Netzwerksimuationsprogrammen wie LTspice oder EasyEDA in einer Prüfung abzubilden. Dementsprechend habe ich folgende Informationen an die Studierenden gegeben:

Die für Mittwoch, den 04.08.2021 im Zeitraum von 12 Uhr bis 15 Uhr geplante Prüfung zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Elektrotechnik 1, 2“ (ÜS 800011) wird als Präsenzprüfung in der Messehalle 2 durchgeführt. Vor der Prüfung melden Sie sich wie üblich im LSF bzw. über das Prüfungsamt zur Prüfung an. Voraussetzung dafür ist der Übungsschein.

Ähnlich wie die letzte Online-Prüfung wird auch die Präsenzprüfung im Open-Book-Format durchgeführt. Für Sie als Student*in bedeutet dies, dass Sie zwar eine eigenständige Lösung erarbeiten müssen, für diese aber viele verschiedene Hilfsmittel nutzen können. Dazu zählen beispielsweise:

  • Vorlesungsskripte und Bücher
  • Mitschriften und Lösungen von Übungsaufgaben
  • konventionelle und grafikfähige Taschenrechner
  • digitale Endgeräte wie Smartphones, Tablet-PCs und Laptops/Notebooks mit:
    • Numerikprogrammen wie MATLAB/Octave
    • Computeralgebrasystemen wie Maxima
    • Netzwerksimulatoren wie LTspice, CONCIRC oder EasyEDA

Wenn Sie für die Prüfung ein digitales Endgerät nutzen möchten, stellen Sie bitte eine genügend lange Akkulaufzeit sicher, da die Prüfungsplätze in der Messehalle 2 nicht mit Steckdosen ausgestattet sind. Laden Sie Akkus vorher vollständig auf und halten Sie eventuell Ersatzakkus bzw. eine Powerbank bereit. Installieren Sie die benötigte Software vorher und richten Sie diese für einen Offline-Betrieb ein, denn ein drahtloser Internetzugang per WLAN steht in der Messehalle 2 nicht zur Verfügung.

Zu Beginn der Prüfung bekommen Sie die Prüfungsaufgaben ausgedruckt in einem Umschlag ausgehändigt. Die Prüfungsklausur besteht aus Aufgaben, die ähnlich wie die Übungsaufgaben aufgebaut sind. Die Themen der Aufgaben entsprechen den Übungsthemen, die in beiden Semestern behandelt wurden.

Ähnlich wie in der letzten Online-Prüfung sind die Aufgabenblätter individualisiert, d.h. jede(r) Prüfungsteilnehmer*in bekommt eigene Aufgaben, die aber in der Schwierigkeit, im Umfang und in den Themenbereichen vergleichbar sind. Da Sie bei der Lösung gegenüber den bisherigen Präsenzklausuren mehr Möglichkeiten (z.B. Software, siehe oben) nutzen können, steigt der Aufgabenumfang von 9 auf 10 Aufgaben. Die Bearbeitungszeit beträgt wie bisher 180 min bzw. 3 h.

Während der Prüfung lösen Sie die Aufgaben und notieren Ansatz, Lösungsweg sowie Zwischen- und Endergebnisse nachvollziehbar und handschriftlich auf den dazu vorbereiteten Lösungsblättern. Weitere Hinweise dazu:

  • Berechnungen nicht mit Bleistift schreiben
  • für jede Aufgabe das passende Blatt benutzen
  • Punkte für einzelne Aufgaben siehe Aufgabenblatt
  • es ist die vorgegebene Berechnungsmethode zu verwenden, sonst 0 Punkte
  • richtiges Ergebnis gilt nur, wenn der Lösungsweg plausibel ist
  • eventuell vorhandene Aufgabenunterteilung in a), b), … beibehalten
  • Endergebnisse nach Möglichkeit hervorheben

Halten Sie während der Prüfung bitte Ihren Studierendenausweis zur Identifizierung bereit. Am Ende der Prüfung geben Sie Ihre handschriftlichen Lösungen in einem Umschlag ab. Außerdem müssen Sie eine Erklärung zur eigenständigen Lösung ausfüllen und unterschrieben abgeben.

Nur für den schriftlich begründeten Ausnahmefall, dass Sie während der Prüfungszeit nicht an der Präsenzprüfung teilnehmen können, z.B. durch eine behördlich angeordnete Quarantäne, amtliche Reisebeschränkungen oder ähnliche pandemiebedingte Gründe, können Sie die Prüfung auch in einem videobeaufsichtigten Online-Format absolvieren. In diesem Fall bekommen Sie die Prüfungsaufgaben kurz vor der Prüfung (etwa 5 min) als PDF-Datei per E-Mail an Ihre studentische E-Mail-Adresse zugeschickt. Sie lösen die Aufgaben und notieren Ansatz, Lösungsweg sowie Zwischen- und Endergebnisse nachvollziehbar und handschriftlich. Am Ende der Prüfung fotografieren Sie Ihre handschriftlichen Lösungen ab bzw. scannen diese ein und laden sie hoch. Dabei muss auf jedem abfotografierten Lösungsblatt Ihr Studierendenausweis in der linken unteren Ecke deutlich sichtbar sein. Für das Abfotografieren/Einscannen und Hochladen stehen Ihnen weitere 15 min Zeit zur Verfügung.

Herausfordernd in diesem Format sind vermutlich folgende Dinge:

  • Die Akkulaufzeit der eventuell schon etwas dienstälteren Geräte wird vermutlich nicht bei allen Studierenden für die gesamte Prüfungszeit reichen. Powerbanks für Mobiltelefon sind üblich, für mobile Computer aber sehr selten.
  • Es wird spannend zu sehen, wie viele Studierenden auch ohne WLAN einen Internetzugang über mobile Daten bzw. Mobilfunkverbindungen zur Verfügung haben und in welchen Rahmen nutzen werden.
  • Die Korrektur und Auswertung von individualisierten Klausuren bleibt relativ aufwendig. Vermutlich werde ich die handschriftlichen Lösungen erst gesammelt einscannen (mit einem Scanner/Kopierer mit automatischem Einzelblatteinzug), so dass die darauffolgende Korrektur durch die Kolleg*innen und die Einsichtnahme durch die Studierenden wieder komplett online erfolgen kann.

Mein persönliches Semesterfazit für die Grundlagen der Elektrotechnik

Liebe Studierende,

die Prüfungsklausur in den Grundlagen der Elektrotechnik ist jetzt fertig kontrolliert sowie ausgewertet und die Lehrveranstaltung in diesem etwas ungewöhnlichen Corona-Online-Semester damit mehr oder weniger offiziell abgeschlossen. Ich möchte das als Gelegenheit nutzen, noch mal ein persönliches Fazit zu ziehen.

Der Semesterstart im April war für uns alle sicherlich sehr ungewohnt, aufregend, etwas improvisiert und unvorhersehbar in der weiteren Planung. Für die Grundlagen der Elektrotechnik gab es aber schon seit langer Zeit ein gutes Skript und Buch zum Selbstlernen, einige Video mit Beispielaufgaben, ein gutes Übungsheft und zahlreiche weitere interaktive Materialien wie Quizfragen oder Simulationsbeispiele, die sich eigentlich sehr gut zum Selbstlernen eignen sollten. Diese haben wir dann versucht, im Moodle noch mal etwas strukturierter und mit einer Wochenplanung versehen bereitzustellen.

Außerdem gab es ja eine Online-Vorlesung mit einem gewissen Anteil zur Wissensvermittlung und ebenfalls vielen interaktiven Elementen, Quizfragen, gemeinsamem Zeichnen, etc. Statt Übungsterminen, in denen vorgerechnet wird, gab es täglich zwei Online-Sprechstundentermine zum Stellen von Fragen und zur Diskussion zu den Inhalten.

Zunächst möchte ich allen Teilnehmer*innen danken, die sich regelmäßig aktiv in diesen Formaten eingebracht haben. Leider waren das meiner Meinung nach aber viel zu wenige. Ein Satz der mich in der Evaluierung wirklich gestört hat, war die Aussage „Übungen sollten auch live angeboten werden. Auch wenn einfach nur eine Aufgabe vorgerechnet wird, ist dies besser, als die Aufgaben komplett alleine lösen zu müssen.“.

Das ist meines Erachtens leider komplett falsch. Ich kann mir die ganze Tour de France im Fernsehen anschauen, in denen die besten Radfahrer der Welt ihr Können zeigen, gut Fahrradfahren lerne ich dadurch sicher nicht. Ich kann mir ganz viele Kochsendungen im Fernsehen anschauen, ein guter Koch wird trotzdem nicht aus mir werden, wenn ich nicht vor oder nach jeder Kochsendung mal jedes Rezept selbst ausprobiere.

Man muss schon mal selbst den Mut haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und selbst nach Bearbeitung der Einstiegsaufgaben wagen, vielleicht auch mal an einem Lösungsweg zu scheitern. Dann kommt man in die Online-Sprechstunden, fragt und bekommt Hilfe angeboten. Man muss aber schon mal selbst aktiv werden, selbst nachdenken und selbst eine Lösungsidee entwickeln, nur vom Zurücklehnen und Konsumieren von vorproduzierten Videos oder der bloßen Teilnahme an einer Online-Vorrechnen-Übung wird man nicht viel Kompetenzen in den Grundlagen der Elektrotechnik erlangen und aufbauen.

Dabei haben wir versucht, Ihnen viele Brücken zu bauen, sich selbst auszuprobieren und auch direkt Rückmeldung und Feedback zu bekommen. Leider wurden auch die Quizze im Moodle viel zu wenig genutzt (nur von etwa 10% der Studierenden), das Suche-Biete-Forum war bis auf einen Eintrag komplett tot. Auch das Fragenforum wurde kaum genutzt, außer von mir, um dort Fragen und die zugehörigen Antworten zu sammeln, die mir per E-Mail geschickt wurden.

Auch der Chat in Zoom wurde viel zu selten genutzt, um Rückfragen zu stellen, wobei ich das genau wie im Moodle-Forum noch verstehen kann, wenn man als Studierende(r) keine vermeintlich „dumme Frage“ für immer und ewig mit dem eigenen Namen verknüpft in einem Forum oder Chatverlauf zu stehen haben möchte. Die anonyme Variante über Pigeonhole wurde aber leider auch nicht viel besser angenommen.

Weiterhin haben wir mit dem personalisierten Aufgaben versucht, Ihnen zu zeigen, wie sinnvoll es sein kann, sich gegenseitig über Ihre Lösungsideen auszutauschen und mögliche Verbesserungen zu diskutieren. Ob das außerhalb der Aufgaben viel genutzt wurde, kann ich nicht einschätzen, vermute es aber eher nicht. In der Aufgabe zum Zeigerbild haben wir Ihnen auch versucht zu vermitteln, wie man selbst ganz einfach ein Erklärvideo aufnehmen kann, wenn man mal eine Lösung oder ein Verfahren verstanden hat. Außerhalb der Aufgabe hat das aber meines Wissens auch niemand getan, auch wenn es technisch sehr einfach und dem Verständnis des Stoffes extrem zuträglich ist.

Auch das GETcamp, das leider etwas mit technischen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte, hätte inhaltlich aktiver von studentischer Seite ausgestaltet werden können, wenn mehr Studierende mehr Eigeninitiative zeigen würden und mehr Engagement über das Pflichtprogramm hinaus an den Tag legen würden. Leider haben viele die personalisierten Zusatzaufgaben, die ja immer wieder für den dadurch gewonnenen Erkenntnisgewinn sowie die gute und langfristige Prüfungsvorbereitung gelobt werden, nur exakt so lange bearbeitet, bis sie genug Punkte für die Prüfungszulassung zusammen hatten, um dann mangels gründlicherer Vorbereitung in der Klausur zu scheitern. Da fragt man sich als Lehrender manchmal zurecht, warum man so viel Aufwand investiert, solche Aufgaben zu konzipieren und bereitzustellen, wenn sie am Ende kaum genutzt werden.

Noch ein paar Worte zur Klausur und der kleinen Evaluierung dazu. Natürlich wird eine Klausur immer aus einem Anteil „komplett neuer“ Aufgaben bestehen, die es genau so noch nicht in vorherigen Klausuren oder im Übungsheft gegeben hat. Wir möchten nämlich nicht, dass Sie kochrezeptartig Lösungswege auswendig lernen, sondern die grundlegenden Berechnungskonzepte (Knotensatz, Maschensatz, Strom-Spannungs-Beziehungen, etc.) verstehen. Es geht in der Klausur auch nicht um eine reine Wissensabfrage, sondern um den Nachweis von Kompetenzen, also der Handlungsfähigkeit in Situationen mit offenem Ausgang. Das geht naturgemäß nur mit Aufgaben, die man exakt genau so noch nicht vorher gesehen hat.

Es geht also nicht um das „Auswendiglernen“, sondern um das „Können“. Wie viel von dem vorherigen Stoff „auswendig gelernt“ wurde, zeigte leider die Aufgabe 1 zu Ladung und Strom, bei der sehr viele fälschlicherweise irgendeine Art von Exponentialfunktion vermuteten, die wir vorher häufig in Aufgaben besprochen hatten, obwohl dort eine sehr einfache bzw. die einfachste Wurzelfunktion gegeben war. Wenn der eigene Horizont durch das Memorieren von Musterlösungen so verengt ist, dass man nur noch in e-Funktionen denkt und keine Wurzelfunktion mehr erkennt, ist das natürlich ein Problem. So ist das in der Evaluierung geäußerte Statement „Wenn schon eine etwas schwierigere Funktion als Graph dargestellt ist (Aufgabe 1), dann sollte wenigstens noch dazu stehen, welchem allgemeinen Muster der Graph folgt.“ zurückzuweisen. Es war eine einfache Wurzelfunktion, natürlich sollte man diese erkennen, ohne dass es dransteht.

Warum sich andererseits Studierende in der Evaluation z.B. eine Aufgabe zur Fourierreihe in der Klausur gewünscht haben, meines Erachtens eines der schwierigsten und aufwendigsten Themen überhaupt, erschließt sich mir auch nicht so ganz. Insgesamt, und da sind wir wieder bei der Aktivität und dem Engagement, war die Teilnahmequote in den vier semesterbegleitenden Befragungen aber auch sehr gering (es gab jeweils 23, 19, 12 und 19 Rückmeldungen von etwa 150 Studierenden, die im Kurs aktiv sein müssten). Stärker und aussagekräftiger kann man aus studentischer Sicht eigentlich nicht zurückmelden, dass einem herzlich egal ist, was dort in der Lehrveranstaltung so passiert.

In diesem Sinne wünsche ich mir von Ihnen, die Sie ihr Studium erfolgreich abschließen möchten, für die kommenden Semester mehr Engagement, mehr Eigeninitiative über das „Prüfungsrelevante“ und unbedingt Notwendige hinaus, mehr Aktivitäten und mehr Einbringen Ihrer Ideen in die Lehrveranstaltungen. Ihre ebenso engagierten Lehrenden, Professor*innen, Tutor*innen sowie Übungs- und Seminarleiter*innen werden es Ihnen danken.

Viele Grüße und eine verdiente Semesterpause

Mathias Magdowski

Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer Review

Die Lehren-Kollegin Elke Bosse ist für die Abschlusspublikation zum Lehren-Programm auf der Suche nach Hinweisen, was aus den Projekten geworden ist, die wir als Teilnehmer*innen im Jahres- bzw. Dachprogramm verfolgt haben. Da mein Projekt aus dem Jahrgang 2018 zahlreiche Spuren im Internet hinterlassen hat und auch anderweitig publik gemacht wurde, möchte ich gern entsprechende Links oder Quellenangaben (bzw. elektronische Dokumente) teilen. Diese habe ich in diesem Blogartikel mit ein paar einleitenden Informationen auch für anderen Interessierte zusammengestellt.

Zusammenfassung

Beim Konzept von personalisierbaren Aufgaben mit anonymem Peer Review bekommen alle Studierenden eine eigene Aufgabe per E-Mail zugeschickt, können diese lösen und ihre Lösung über das Moodle zur Korrektur einreichen. Um den Korrekturaufwand für die Lehrenden zu senken, begutachten sich die Studierenden dann anhand einer ebenfalls personalisierten Musterlösung gegenseitig. Das ganze Verfahren läuft semi-automatisiert ab und ist dadurch gut skalierbar.

Gegenüber einfachen Multiple-Choice- oder Zahlenwert-und-Einheit-Aufgaben lassen sich hier auch der Rechenweg und Ansatz gut bewerten. Im Projekt soll ein Moodle-Plugin konzipiert, entwickelt, programmiert und bereitgestellt werden, das die bisherige technische Umsetzung in MATLAB bzw. Python ersetzt, die komplex und teilweise zeitaufwendig in der Anwendung ist. Damit kann das von den Studierenden sehr gut angenommene und etablierte Verfahren viel einfacher für eine größere Anzahl von Lehrveranstaltungen genutzt und umgesetzt werden.

Bisherige Aktivitäten und Motivation

Um unsere Studierenden vom Bulimielernen abzubringen und zu motivieren, sich schon während des Semesters (und nicht erst kurz vor der Prüfung) mit den Grundlagen der Elektrotechnik zu beschäftigen, wurde das Konzept personalisierter Aufgaben mit anonymem Peer Review entwickelt. Alle Studierenden bekommen eine eigene Aufgabe per E-Mail zugeschickt, können diese lösen und ihre typischerweise handschriftliche, abfotografierte bzw. eingescannte Lösung über ein Lernmanagementsystem zur Korrektur einreichen. Die Kommunikation findet dabei rein digital statt und ist damit perfekt für die Distanzlehre geeignet. Um den Korrekturaufwand für die Lehrenden zu senken, begutachten sich die Studierenden dann anhand einer ebenfalls personalisierten Musterlösung gegenseitig, so dass auch Studierenden, welche die Aufgabe selbst nicht korrekt lösen konnten, trotzdem fachlich richtig korrigieren können. Das Verfahren der Aufgabenerstellung, des Versands, der Einreichung und gegenseitigen Kontrolle läuft semi-automatisiert ab und ist dadurch auch für große Studierendengruppen gut geeignet. Gegenüber einfachen Multiple-Choice- oder Zahlenwert-und-Einheit-Aufgaben lassen sich hier auch Rechenweg und Ansatz sowie Skizzen, Schaltbilder und Diagramme gut bewerten sowie typische Fehlverständnisse und Misskonzepte aufdecken.

In einer von bisher elf entwickelten Aufgabentypen, in der es um das Zeichnen eines Zeigerbildes geht, erfolgte die Einreichung auch nicht als abfotografiertes oder eingescanntes Lösungsblatt, sondern als studentisch erstelltes Erklärvideo (Screencast bzw. abgefilmte Hand), weil sich so nicht nur das Ergebnis sondern auch der Prozess der Lösung viel besser dokumentieren und damit auch korrigieren bzw. bewerten lassen. Als Hilfestellung bekommen die Studierenden eine kurze Anleitung zum Bau eines improvisierten Stativs sowie ein kurzes Beispielvideo. Die Studierenden trainieren so neben der Fachkompetenz auch ihre Medienkompetenz, setzen sich mit den Möglichkeiten der Digitalisierung auseinander und gewinnen beim Hineindenken in fremde Lösungswege im Rahmen des Peer Review ein tieferes Verständnis für das Themengebiet der Aufgaben. Der studentische Peer Review bzw. das Peer Assessment als aktivierend Lehr- und Lernmethode sind dabei auch seit Jahren etabliert, siehe z.B. (Gielen, 2007), (Dochy et al., 1999), (Gibbs & Simpson, 2005), (Zare et al., 2017), ohne automatisiertes Framework im Hintergrund aber mit großem Aufwand für die Lehrenden verbunden, (Bhalerao & Ward, 2001).

Die beschriebene Vorgehensweise verbindet auf innovative Art und Weise die Vorbereitung auf klassische Prüfungsformate mit den Möglichkeiten digitaler Medien und deren Erstellung sowie digitaler Kommunikation. Das Verfahren wird von Studierenden zur Vertiefung des Stoffes und zur langfristigen Prüfungsvorbereitung sehr gut angenommen, und ermöglicht eine exzellente Aktivierung sowie gute Prüfungsvorbereitung ohne “teaching to the test”. Das Verfahren skaliert sehr gut und ist auch für sehr große Kurse mit mehr als 100 Teilnehmenden anwendbar. Die Aufgaben
sind tatsächlich randomisiert/algorithmiert und nicht aus einem großen Pool entnommen. Studierende schätzen die Aufgaben sowie damit verbundenen Zusatzpunkte für die Prüfungszulassung und geben sehr positive Rückmeldung. Perspektivisch sind auch Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen möglich, bisher wurde aber Wert auf vergleichbare Komplexität und ähnlichen Lösungsaufwand gelegt. Durch die Randomisierung der Aufgaben sind eine kollaborative Lösung und gegenseitige Peer-Beratung der Studierenden untereinander möglich, simple Plagiate
werden aber erheblich erschwert.

Als weitere positive Aspekte sind die Senkung des Korrekturaufwands für die Lehrenden, individuellere und zeitnahe Rückmeldung für größere Gruppen sowie eine freiere Wahl der Lösungsmethode für die Studierenden zu nennen. Außerdem könnten mit der Projektmethode ohne Nutzung des Peer Reviews auch große Aufgabenpools für Open-Book- oder Take-Home-Exams erstellt werden, die zunehmend als alternativen Prüfungsformen für die Distanzlehre diskutiert werden. Ein ähnliches Verfahren wurde in Kooperation mit Olivier Cleynen et al. auch an der Fakultät für Verfahrens- und Systemtechnik umgesetzt.

Vorgehensweise als Ablaufdiagramm

ablaufdiagramm

Technische Umsetzung:

Versand an Studierende: per E-Mail
Einreichung: über Lernmanagementsystem (hier Moodle)
Programmierung: in MATLAB
Textsatz: in LaTeX mit den Paketen TikZ, CircuiTikZ, pgfplots und siunitx

Kennzahlen und Erfolge

  • bisher 13 verschiedene Aufgabentypen entwickelt
  • bisher 24 Durchläufe in 6 Semestern
  • insgesamt ca.:
    – 3900 personalisierte Aufgaben verschickt
    – 2160 studentische Lösungen eingereicht
    – 3820 studentische Peer-Review-Korrekturen durchgeführt

Bisherige Veröffentlichungen, Vorträge und Workshops

Hashtag: #PersonalisierteAufgaben

Veröffentlichungen

  • Cleynen, O., Santa-Maria, G., Magdowski, M. & Thévenin, D. (2020). Peer-graded in-
    dividualized student homework in a single-instructor undergraduate engineering course. Research in Learning Technology, 28.
    https://doi.org/10.25304/rlt.v28.2339
  • Magdowski, M. (2020c). Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer Review mit Erklärvideos als Einreichung – Wie kann man Bulimielernen verhindern, kontinuierliche Mitarbeit fördern und zeitnahe sowie individuelle Rückmeldung ermöglichen? (S. Ludwigs, Hrsg.). In S. Ludwigs (Hrsg.), So gelingt E-Learning! – Reader zum Higher Education Summit 2019.
    https://www.pearson-studium.de/cp-so-gelingt-e-learning-epdf.html
  • Magdowski, M. (2019f). Personalisierte Aufgaben und passende Musterlösungen zu den Grundlagen der Elektrotechnik automatisiert mit LaTeX, pgfplots und CircuiTikZ erstellen (H. Voß, Hrsg.). Die TeXnische Komödie, 31(4), 34–44.
    https://archiv.dante.de/DTK/PDF/komoedie_2019_4.pdf
  • Magdowski, M. (2018c). Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer-Review (M. Miglbauer, L. Kieberl & S. Schmid, Hrsg.). In M. Miglbauer, L. Kieberl & S. Schmid (Hrsg.), Hochschule digital.innovativ | #digiPH Tagungsband zur 1. Online-Tagung.
    https://www.fnma.at/content/download/1529/5759

Pre-Prints

  • Vollbeitrag zu “Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer Review in den Grundlagen der Elektrotechnik” für die Schriftenreihe “Greifswalder Beiträge zur Hochschullehre”
    https://www.overleaf.com/read/tkshqbvwftjz

Vorträge und Workshops

  • Magdowski, M. (2020a). Personalised Tasks and Anonymous Peer Grading. In Transforming Assessment Webinar Series.
    http://transformingassessment.com/events_1_april_2020.php
  • Magdowski, M. (2020b). Personalisierbare Aufgaben und anonyme Peer Reviews. In Webinarreihe „Lehrimpulse aus den Verbundhochschulen Sachsen-Anhalts“.
    https://www.youtube.com/watch?v=nFxohjyscRc
  • Magdowski, M. (2019a). Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer Review. In MatheMINT-Webinarreihe – Mathematik in den MINT-Fächern: Kreative Lehr-Lern-Konzepte digital umgesetzt.
    http://www.ecult.me/personalisierte-aufgaben-und-anonymer-peer-review/
  • Magdowski, M. (2019d). Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer Review mit Erklärvideos als Einreichung (S. Ludwigs, Hrsg.). In S. Ludwigs (Hrsg.), Pearson Higher Education Summit: Digital agil – Impulse für eine moderne Hochschullehre
  • Magdowski, M. (2019c). Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer Review in den Grundlagen der Elektrotechnik (K. Lisek, Hrsg.). In K. Lisek (Hrsg.), interStudies_2 Jahrestagung 2019: „UPtoDATE – Hochschullehre im digitalen Zeitalter“
  • Magdowski, M. (2019e). Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer-Review (L. Esch, Hrsg.). In L. Esch (Hrsg.), HFD Hangout – Online-Meeting für Interessierte aus dem Netzwerk für die Hochschullehre des Hochschulforums Digitalisierung der Hochschulrektorenkonferenz.
    https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/hfd-hangout
  • Magdowski, M. (2019b). Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer Review. In Lightning Talk zur Summer School des Hochschulforums Digitalisierung.
    https://www.youtube.com/watch?v=LDw_Ifmg2WM
  • Magdowski, M. (2018a). #digiPH eLecture: Personalisierbare Aufgaben & anonymer Peer Review [Video: https://youtu.be/lSmz5TVEPv8%5D, In Online-Tagung | #digiPH – Hochschule digital.innovativ.
    http://www.virtuelle-ph.at/veranstaltung/digiph-electure-personalisierbare-aufgaben-anonymer-peer-review/
  • Magdowski, M. (2018b). Personalisierbare Aufgaben und anonymer Peer Review sowie QR-Code-Papier zum automatischen Korrekturversand (Workshop zum Tag der Lehre an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

Foliensätze

Webseiten

Poster

Links zu ähnlichen Ideen von anderen Universitäten

Literatur

  • Bhalerao, A. & Ward, A. (2001). Towards electronically assisted peer assessment: a case study. Research in Learning Technology, 9(1).
    https://doi.org/10.3402/rlt.v9i1.12014
  • Dochy, F., Segers, M. & Sluijsmans, D. (1999). The use of self-, peer and co-assessment in higher education: A review. Studies in Higher Education, 24(3), 331–350.
    https://doi.org/10.1080/03075079912331379935
  • Gibbs, G. & Simpson, C. (2005). Conditions Under Which Assessment Supports Students’ Learning [Learning and Teaching in Higher Education (LATHE) was published by the University of Gloucestershire between 2005 and 2011. LATHE was edited by Phil Gravestock and Michele Hills. Publication has ceased, the final issue was issue No.5]. Learning and Teaching in Higher Education, (1), 3–31.
    http://eprints.glos.ac.uk/3609/
  • Gielen, S. (2007). Peer assessment as a tool for learning (Diss.).
    https://lirias.kuleuven.be/retrieve/67694
  • Zare, R. N., Cox Jr., C. T., Murphy, K. & Bayas, C. (2017). Implementation of peer-reviewed homework assignments. Journal of College Science Teaching, 3(46), 40–46.
    https://doi.org/10.2505/4/jcst17_046_03_40

Ideen zum Socialising und Onboarding in einem Mathematik-Vorkurs

Arbeitsplatz mit Bildschirm, Maus und Tastatur

Ich organisiere seit 2009 einen einwöchigen Mathematik-Vorkurs „Fit für die Elektro- und Medizintechnik“ an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg für unsere Erstsemesterstudierenden in den entsprechenden Studiengängen, der in diesen Jahr natürlich komplett online stattfinden muss. Früher bestand mein Kurs vormittags aus einer täglichen „Vorlesung“ mit einer Input-Phase, einigen Experimenten und Audience-Response-Fragen zur Interaktion. Nachmittags gab es dann eine handschriftliche Übungs- und Diskussionsrunde unter studentischer Anleitung zur Vertiefung und zum Austausch, außerdem eine Computerübung, in der ähnliche Probleme mit Mathematikprogrammen wie Gnuplot, Maxima oder Octave bearbeitet wurden. Für die Selbstlernphase gab es dann noch Aufgaben in der Mathematik-App „TeachMatics“.

In diesem Jahr muss der Kurs natürlich ohne die Präsenzelemente auskommen. Als Videokonferenz-Alternative für synchrone Phasen steht Zoom zur Verfügung. Für asynchrone Phasen gibt es zahlreiches Material als PDF-Dateien und die Audience-Response-Fragen als Quizze im Moodle. Die Experimente könnte ich natürlich auch als Video aufzeichnen und asynchron bereitstellen. Etwas Kopfzerbrechen bereitet mir noch das Onboarding und Socialising der Studierenden, das gegenseitige Kennenlernen, das Knüpfen erster Kontakte und das Bilden von Lerngruppen rein über ein Online-Format, sowie die Frage, wie sich das typische Gemeinschaftsgefühl entwickeln kann, wenn alle einzeln zu Hause sitzen und sich nicht schonaus anderen Lehrveranstaltungen kennen.

Hierzu habe ich mich schon mal per Zoom mit meinen Vorkurs-Tutor*innen Lena, Mahmoud und Philipp getroffen, ausgetauscht und gemeinsam ein bisschen über ein Konzept eines reines Online-Vorkurses nachgedacht. Das Ergebnis möchte ich hier kurz zusammenfassen und freue mich auf auch weiteren Austausch und weitere Anregungen.

Klar ist, dass man sicher einige fachliche Inhalte weglassen muss, um mehr Zeit für das Ausprobieren und Erlernen von reinen Online-Formaten und das gegenseitige Kennenlernen einzuplanen, das eben nicht so ganz nebenbei wie im Hörsaal oder Seminarraum passiert. Wichtigstes Ziel für mich ist, die Studierenden zumindest die eine Woche lang zu motivieren, sich ab Online-Vorkurs zu beteiligen und aktiv zu sein. Wenn dabei auch noch nebenbei ein bisschen was zur Mathematik passiert, wäre das um so besser.

Gesammelte Links zum „Onboarding“ und „Socialising“ in Online-Kursen:

Grobe Zusammenfassung des (fachlichen) Konzepts:

Vormittags:

  • vorbereitete Flipped-Classroom- bzw. Input-Videos (ca. 45 Minuten) über YouTube
  • dazu gibt es ein Skript mit Formel-Lückentexten zum aktiven Anschauen der Videos
  • Live-Veranstaltung mit Quizzen, Interaktion und Rückfragen (45 Minuten), in denen das Basiswissen überprüft wird

Nachmittags:

  • Übungen mit Breakout-Räumen für jede Lerngruppe
  • neue Einstiegsaufgaben zum einfacheren Hineinfinden in das jeweilige Themengebiet
  • verschiedene Zoom-Meetings für jede(n) Tutor*in

Ideen für Kennlernspiele und Ice Breaker:

  • https://skribbl.io/
  • Alle denken sich 3 Fakten über sich aus, einer davon ist gelogen. Die anderen müssen raten, welcher Fakt das ist.
  • Alle markieren ihren aktuellen Wohn- und Studienort auf einer Karte.
  • Virtueller Kneipenabend auf http://www.cafecentral.k-n-o.de/central-digital/
  • Alle sagen, welche Veranstaltung auf https://magdeboogie.de/ sie besuchen würden und warum?
  • „Eingewöhnung“ an digitale Lehr- und Lernformate per Videokonferenz, z.B. als Video mit Videokonferenz-Howto

Außerdem möchten wir vorher einen Brief an die Studierenden verschicken, z.B. mit:

  • Formelsammlung/Skript als Lückentext
  • Kurvenschablone
  • Videokonferenzkarten
  • Dinge, die im Sinne von „umgekehrter Augmented Reality“ in die Kamera gehalten werden können und irgendein verbindendes Element haben, z.B. um damit Lerngruppen zu bilden

Ideen zur Lerngruppenfindung:

  • Umfrage mit Einstellung zur Mathematik
  • ideale Gruppengröße: 4 Personen (übersichtlich in Zoom, klein genug, damit alle aktiv werden und niemand sich verstecken kann)
  • eventuell gibt es eine gemeinsame Gruppenaufgabe, die nur als Gruppe zu lösen ist

Nach jedem Tag wollen wir uns Tagesfeedback über https://ideaboardz.com/ einholen:

  • Was hat heute besonders gut geklappt/gefallen?
  • Was hat eher schlecht funktioniert?
  • Was hat mir heute gefehlt? Was wünsche ich mir für morgen?
  • Was hat mich heute am meisten überrascht?

Bitte kein aufwendiges und wenig nutzbringendes Online-Proctoring!

In Reaktion auf ein schönes amtliches Dokument zu Online-Prüfungen, die „Ordnung zur Bewältigung der durch die Coronavirus SARS-CoV-2-Epidemie an den Betrieb der Bergischen Universität Wuppertal gestellten Herausforderungen in Studium, Lehre und Prüfungen„, in der Ideen zur Abwicklung für mündliche und schriftliche Online-Prüfungen und z.B. auch der Umgang mit (technischen) Störungen zusammengefasst sind, habe ich mal ein paar Gedanken zum Umgang und zur Abwicklung solcher Prüfungen verschriftlicht, weil ich davon ausgehe, dass auch anderen Hochschulen in Kürze ähnliche Ordnungen bevorstehen.

Hier ein erster Auszug aus dem Dokument:

Durchfuehrungsbestimmungen_mit_Markierungen

Mir erschließt sich z.B. nicht so ganz, wo der Vorteil liegen soll, den Studierenden die Prüfungsunterlagen per Post zuzuschicken (was aufwendig, teuer und bei internationalen Studierenden im Ausland auch logistisch schwierig ist) und diese auch wieder per Post einreichen zu lassen. Es ist außerdem sehr schwierig, 25 Studierende per Videokamera gleichzeitig dabei zu beaufsichtigen, wie sie auf Kommando die Briefe öffnen und diese dann 90 min später auf Kommando auch wieder sicher versiegeln. Ich sehe auch schon viele Studierende nach „briefe aufdampfen wie in sonnenallee“ googlen ;-).

Warum verzichtet man nicht einfach auf die Nutzung von speziellem Klausurpapier und stellt den Studierenden die Prüfungsaufgaben just-in-time per Moodle oder E-Mail zur Verfügung, gern auch als zertifiziertes PDF-Dokument inklusive eines Hashwertes, den die Studierenden zu Beginn der Prüfung verifizieren sollen. Stimmt der Hashwert nicht, löst der Prüfling also potentiell einen verfälschten Aufgabenzettel, fällt das sofort auf. Randomisierte Aufgaben und große Aufgabenpools erfordern eine eigenständige Lösung der Studierenden. Kompetenz- und nicht wissensreproduktions-orientierte Aufgaben ermöglichen das Konzept von Open-Book-Klausuren umzusetzen, die es ja vorher in Präsenzprüfungszeiten auch schon als sogenannte „Kofferklausuren“ gab.

Die gleiche Online-Variante würde auch bei der Einreichung funktionieren. Die Studierenden fotografieren Ihre handschriftlichen Lösungsblätter ab (was ja bei unseren personalisierten Aufgaben auch sehr gut funktioniert), generieren ein Hashwert und reichen den Hashwert sofort, die eigentlichen Dateien bei geringer Bandbreite zur Not auch zeitverzögert per Moodle oder E-Mail ein. Eine nachträgliche Manipulation ist damit technisch ausgeschlossen. Die dafür nötigen Hashwerte zu generieren ist nicht aufwendig, das geht einfach im Browser. Die somit sofort digital vorliegenden Lösungen können dann auch direkt digital an die korrigierenden Personen verteilt werden und man hat keinen Papierkrieg. Was ist z.B. auch, wenn einer der Prüfungsbriefe verloren geht? Werden diese per Einschreiben mit Rückschein verschickt? Haftet die Post für eine nichtbestandene Prüfungsleistung? Das erscheint mir alles wenig durchdacht.

Ansonsten halte ich die gleichzeitige Videoüberwachung aller Studierenden für sehr paranoid, befremdlich, datenschutzrechtlich bedenklich und auch unnötig. Es entspricht auch nicht unserem Leitbild Lehre, in dem es heißt: „Die Basis unserer Informations- und Kommunikationskultur sind Vertrauen und Transparenz.“

Wenn jemand betrügen möchte, wird er oder sie es auch mit Videoüberwachung schaffen. Dritte Personen können sich sonstwo in einem Raum verstecken, man kann falsche, vorproduzierte Kamerabilder einspeisen, beim Ton ist das noch einfacher, etc. Wer es als MINT-Student*in nicht schafft, seine eigenen Atem-, Schreib- und eventuell auch Tippgeräusche in Dauerschleife aufzuzeichnen und in ein Videokonferenzsystem einzuspeisen, sollte sowieso keinen MINT-Abschluss bekommen ;-). Die permanente Videoüberwachung benötigt auch unnötige Bandbreite und ist technisch anfällig. Außerdem ist auch sehr fraglich, was nun passiert, wenn absichtlich oder unabsichtlich (wie will man aus der Ferne unterscheiden, ob ich bei meiner Fritz!Box den Stecker rausgezogen oder der Bagger vorm Haus das Kabel gekappt hat) die Verbindung zusammenbricht.

Wenn man es richtig machen würde, sollte man z.B. den Prüfling, seinen Schreibtisch und einen Computermonitor im Bild haben, auf dem z.B. eine bestimmte Webseite geöffnet ist. Diese Webseite wechselt in beliebigen Abständen die Hintergrundfarbe in nicht-vorhersagbarer Reihenfolge. Damit würde in einer Proctoring-Überwachung sofort auffallen, wenn von einem Prüfling kein Live-Bild sondern etwas Vorproduziertes in Dauerschleife läuft. Die Frage ist, ob man den Studierenden so viel Misstrauen entgegen bringen möchte. Außerdem benötigen die Studierenden dafür mindestens zwei digitale Endgeräte bzw. eine Webcam mit genügend langem USB-Kabel.

Wenn man solche technischen Raffinessen aber nicht nutzt, ist alles Online-Proctoring (Ausweisen der Studierenden durch Lichtbildausweis, Kameraschwenk durch den Raum, etc.) umsonst, weil es sich vergleichsweise einfach durch Einspeisen von vorproduziertem Material umgehen lässt.

Hier ein zweiter Auszug aus dem Dokument:

Durchfuehrungsbestimmungen2_mit_Markierungen

Außerdem finde ich es organisatorisch sehr spannend, wie eine aufsichtsführende Person für eine z.B. 90-minütige Prüfung nacheinander

  1. alle studentischen Ausweise mit Lichtbild kontrolliert (was ist mit Webcams mit Festfokus auf die typischen 50 cm Distanz, da kann man sonstwas in die Kamera halten, kleine Sachen scharf darzustellen, ist unmöglich, wie lange wird so etwas wohl dauern, 25 mal x Sekunden?)
  2. bei allen Studierenden einen Kameraschwenk im Raum macht (sehen diesen dann auch die anderen Studierenden oder macht die Aufsicht das in 25 separaten Breakout-Räumen?, wie lange wird so etwas wohl dauern, 25 mal x Sekunden?)
  3. dann alle (gleichzeitig?) dabei beaufsichtigt, wie die vorher natürlich nicht manipulierten Briefumschläge geöffnet werden (wie stark muss man vorher seine Kameralinse mit fettigen Fingern anfassen und gegen das Licht ausrichten, damit der kleine wieder zugeklebte Schlitz an der Briefunterseite nicht auffällt?)
  4. dann (optional) die Aufgaben diktieren (!?, wie sieht es da mit der Barrierefreiheit aus)
  5. immer mal wieder Studierende, die den Eindruck erwecken, unnötig nach links oder rechts zu schauen und seltsam unsynchrone Lippenbewegungen zu machen (was ist eigentlich mit Bauchredner*innen?) bittet, weitere Kameraschwenks durch den Raum zu machen, worauf sich die promovierte Hilfsperson immer schnell unterm Jugendbett versteckt
  6. Studierende zwischenfragen, ob und wie lange sie mal die heimische Toilette aufsuchen dürfen (um mal schnell ein paar Sachen auf den Smartphone zu googlen)
  7. am Ende alle (wieder gleichzeitig?) dabei beaufsichtigt, den Briefumschlag zu versiegeln (MINT-Sonderfrage: Wie viel dpi muss ein Scanner und Farbdrucker haben, damit man selbst oder jemand anderes während der Prüfung das Siegel reproduziert, so dass es bei verschmierter Kameralinse mit Festfokus echt genug aussieht? Gibt es dann wenigstens für jede Prüfung ein anderes Siegel, so dass die Studierenden sich immerhin den Aufwand leisten müssen, es jedes mal neu einzuscannen und auszudrucken und nicht einfach das von der letzten Prüfung aus der WhatsApp-Gruppe zu nehmen.)

Fragen über Fragen, beliebig viele Angriffsvektoren, richtig durchdacht scheint mir das Konzept noch nicht. Ich frage wirklich, was und wo das Problem ist, auf den ganzen Zauber zu verzichten, ordentliche, sinnvolle, randomisierte und kompetenzorientierte Prüfungsfragen zu stellen und auf eine Eigenständigkeitserklärung der Studierenden zu vertrauen (gern auch mit mehreren kleinen Prüfungen über das Semester verteilt, statt einer großen Abschlussprüfung). Alles andere macht nur beliebig viel Aufwand und bringt dafür beliebig wenig Nutzen.

 

Feedbackbogen zur Zwischenevaluation einer Online-Lehrveranstaltung

Unsere Online-Lehrveranstaltung zu den Grundlagen der Elektrotechnik ist mittlerweile in der 5. Woche. Zeit, sich nach der Anfangsbefragung mal ein kurzes Zwischenfeedback von den Studierenden einzuholen.

Liebe Studierende,

auch ich vermisse weiter den persönlichen Kontakt zu Ihnen. Wir haben bisher versucht, Sie so gut es geht mit Lehrmaterialen, Aufgaben und Quizfragen zu den Grundlagen der Elektrotechnik zu versorgen, viele Fragen zu beantworten und Ihnen bestmöglich individuelle Rückmeldung zu geben. Wir würden gern wissen, wie gut uns das gelungen ist. Deshalb finden Sie im Folgenden einen kurzen Fragebogen. Ich würde mich sehr über Ihre Rückmeldung freuen.

Viele Grüße und bleiben Sie gesund!

  • Wie geht es Ihnen? (sehr schlecht, schlecht, geht so, gut sehr gut)
  • Haben Sie Kontakt zu Ihren Kommiliton*innen (per Telefon, Skype, WhatsApp, Instagram, etc.) bzw. einer Lerngruppe? (mehrmals täglich, täglich, mehrmals wöchentlich, wöchentlich, seltener)
  • Haben Sie in den letzten Wochen genügend Erfahrung mit digitalen Lehrangeboten gesammelt, um diese sinnvoll für den Rest des Semester nutzen zu können? (nein, eher nein, eher ja, ja)
  • Was hat Ihnen bisher am meisten beim Selbstlernen geholfen? (Freitext)
  • Was hat Sie bisher am meisten am Selbstlernen gestört bzw. davon abgehalten? (Freitext)
  • In welchem Umfang haben Sie sich die Einstiegsaufgaben zum Thema xxx angeschaut und bearbeitet? (komplett, zum Teil, gar nicht)
  • Wünschen Sie sich weitere Einstiegsaufgaben zu den anderen Themen? (ja, unbedingt, eher ja, eher nein, auf keinen Fall)
  • Wie gefällt Ihnen die Online-Vorlesung? (Freitext)
  • Haben Sie schon einen der Online-Sprechstunden-Termine wahrgenommen, und wenn nein, warum nicht? (Freitext)
  • Wie gefallen Ihnen die bisherigen Quiz-Fragen im E-Learning-Kurs? (Freitext)
  • Wie gefallen Ihnen die bisherigen personalisierten Zusatzaufgaben? (Freitext)
  • Was wünschen Sie sich für den Rest des Semesters? (Freitext)
  • Wenn morgen eine 90-minütige Leistungskontrolle mit fünf Aufgaben (zu den Themen u, v, w, x, und y) wäre, wie gut fühlen Sie sich darauf vorbereitet?(sehr gut, gut, mittelmäßig, schlecht, sehr schlecht)
  • Das wollte ich noch loswerden. (Freitext)

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Diese hilft uns sehr, ein geeignetes Online-Lehrformat für die nächsten Wochen zu entwickeln.

Bisher haben innerhalb einer Woche leider nur 6 Studierenden den Bogen ausgefüllt. Eine gute, repräsentative und aussagekräftige Rücklaufquote zu erreichen, halte ich auch immer noch für die größte Herausforderung bei reinen Online-Befragungen.