Shadowboard – Welcome to the dark side of teaching

Nach Tafeln, Whiteboards, Lightboards, Starboards und Smartboards wirft jetzt die nächste Evolutionsstufe für die Online-Lehre und Erklärvideoproduktion ihre Schatten voraus — das revolutionäre Shadowboard. Hier zeigen Sie sich als Lehrperson von ihrer besten Schattenseite.

Aufnahme am Shadowboard

Das Shadowboard besteht aus einer Plexiglasscheibe mit Standfüßen sowie einer Leinwand aus Spezialgewebe (selbstverständlich ein Abfallprodukt der Raumfahrtindustrie). Es ist rasch aufgebaut und wird durch eine handelsübliche Kamera und ein Ansteckmikrofon ergänzt. Es ist intuitiv und flexibel in der Anwendung, und erlaubt die gleichen didaktischen Möglichkeiten, wie andere flache, glatte, beschreibare Gegenstände, also viele.

Anschrieb am Shadowboard

Eine helle punktförmige Lichtquelle beleuchtet die Leinwand, die durch die Lehrperson und spezielle Schattenstifte punktuell abgedunkelt wird, wodurch faszinierende, konstrastreiche und dynamische Aufnahmen mit einer beeindruckenden Lebendigkeit entstehen, die auch längere, langatmige und komplexe Erklärvideos kurz und kurzweilig erscheinen lassen. Auch 90 Minuten lange synchrone Vorlesungsmonologe werden so problemlos von den Lernenden aufgenommen und verstanden. Die reine Schwarz-Weiß-Darstellung lenkt dabei den Fokus auf das Wesentliche. Verschiedene Farben können so keine Verwirrung bei der Visualisierung stiften.

Schattenstifte

Ist das Shadowboard vollgeschrieben, lassen sich mit einem speziellen Schattenradierer die geschriebenen Schatten wieder weglöschen. Nach einer gewissen Nutzungszeit färbt sich der Schattenradierer dann dunkel und muss ausgetauscht werden. Das Shadowboard an sich ist aber nahezu beliebig lange nutzbar, zumindest solange genügend Licht da ist, um neue Schatten zu werfen.

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  • Die Basisversion „Light Shadow“ (Shadowboard, Schattenstifte, Schattenradierer) ist bereits für 0815 € zu haben.
  • Zum Aufpreis von 104 € gibt es das Modell „Shadow Roller„, bei dem statt der Standfüße ein rollbares Gestell für den mobilen Einsatz montiert ist.
  • Die Premium-Version „Moon Shadow“ ist exklusiv von Cat Stevens signiert und bietet zusätzlich eingebaute Lautsprecher, die eine Ton- oder Musikwiedergabe erlauben und das Shadowboard somit auch für hybride Lehrszenarieren einsetzbar machen (Preis auf Anfrage).
Typisches am Shadowboard aufgenommenes Erklärvideo

Das Shadowboard ist mit allen gängigen Videokonferenzsystemen (Jitsi, BBB, WebEx, Skype, MS Teams, Zoom, etc.) sowie üblicher Aufnahmesoftware (OBS Studio, Camtasia, HyperCam) kompatibel. Eine Version für VHS-Kassetten ist noch in der Entwicklung.

Shadowboard-Aufnahme im OBS Studio

Anmerkung: Die nötige starke Lichtquelle ist nicht im Lieferumfang enthalten. Es eignen sich aber:

  • direktes oder gebündeltes Sonnenlicht (klimaneutral, aber Warnung vor Sonnenbrand der Lehrperson und Brandflecken auf dem Shadowboard)
  • Tageslicht-Projektoren und Polyluxe (in Bildungseinrichtungen typischerweise vorhanden)
  • Beamer (auch mit VGA-Anschluss)
  • Kerzen (viele, auch bei Stromausfall einsetzbar, aber Achtung: starke Hitzeentwicklung)
Beamer als Lichtquelle (nicht im Lieferumfang enthalten)

Bring-Your-Own-Device-Setup für hybride Lehrveranstaltungen

Vor ungefähr einem Jahr habe ich mal über einen Equipment-Koffer zur Digitalisierung von Lehrveranstaltungen gebloggt. Dort habe ich ein portables Equipment-Set vorgestellt, mit dem sich Lehrveranstaltungen streamen, aufzeichnen und archivieren, Podcasts und Erklärvideos produzieren, Tafeln, Flipcharts, Whiteboards, Experimente oder Lehrpersonen abfilmen sowie einfache hybride Lehrformate realisieren lassen. Seit dem ist gerade in Bezug auf hybride Lehrveranstaltungen viel passiert und viel ausprobiert worden. Aus den gesammelten Erfahrungen würde ich schlussfolgern, dass es einen solchen „Digitalisierungskoffer“ nun kaum noch für die reine Online-Lehre oder für die Erklärvideo- oder Podcast-Produktion braucht, denn alle Personen, die in diesem Bereich aktiv sind, haben mittlerweile die entsprechende Technik fest installiert zur Verfügung zu stehen. Stattdessen braucht es eine portable Technikausstattung eigentlich fast nur noch für hybride Lehr- und Lernformate, für die kein geeigneter fest ausgestatteter Raum vorhanden ist. Eine Variante für einen solchen „Hybridkoffer“ möchte ich in diesem Blog-Artikel vorstellen. Ein großer Dank für zahlreiche Inspirationen geht dabei an Andreas Sexauer vom KIT.

Ton

Das allerwichtigste für ein gutes Hybridlehre-Setup ist guter Ton. Ohne diesen läuft nichts. Die „Zoomies“ (bzw. Videokonferenzteilnehmenden) sollen nicht alle, aber die relevanten Stimmen der „Roomies“ (bzw. Vor-Ort-Teilnehmenden) hören. Dabei soll die Stimme klar und deutlich übertragen werden, ohne durch Raumhall und oder störende Nebengeräusche wie Husten, Stühlerücken, Trittschall, Lüfter, etc. überlagert zu werden. Ebenso möchten die Roomies auch die Stimmen der Zoomies klar und deutlich hören, z.B. bei Zwischenfragen, Kommentaren oder während Diskussionen. Bei mehr als einer handvoll Roomies geht das eigentlich nur über einen Lautsprecher, der aber potentiell Rückkopplungen erzeugt. Diese lassen sich eigentlich nur dann gut vermeiden, wenn alle Audioeingaben im Raum über den gleichen Rechner geschehen, über den auch die Lautsprecherausgabe läuft, damit die in der Videokonferenzsoftware integrierte Echounterdrückung funktioniert. Alternativ müsste man den/die Roomie mit eigenem Mikrofon und eigener Videokonferenzeinwahl selektiv am Lautsprecher-Rechner stummschalten, was kein mir bekanntes Videokonferenzsystem (nicht mal Zoom) zulässt. Weitere Alternative: Alle Roomies tragen (eigene?) Headsets bzw. Hörsprech-Garnituren mit Kopfhörern, so dass es selbst bei vielen Audio-Ein- und -Ausgaben kein Echo im Raum gibt.

Ansteckmikrofone

Ansteckmikrofone sind super, weil sie relativ dicht am Mund sind, trotzdem keine Atemgeräusche übertragen, wenig Raumhall aufnehmen und man gegenüber Handmikrofonen trotzdem beide Hände frei hat, was gut für Experimente, die Bedienung des Laptops oder das Schreiben an einer Tafel bzw. einem Whiteboard ist. Gegenüber Headsets sind sie auch weniger auffällig und störend am Kopf, jedoch vielleicht etwas anfälliger für Rückkopplungen. Natürlich benötigt man in der Hybridlehre Funk-Mikrofone, denn selbstverständlich möchte man als Lehrperson im Seminarraum oder Hörsaal nicht an einem Mikrofonkabel als Nabelschnur hängen. Ein Mikrofonsystem mit zwei oder sogar mehr Kanälen erlaubt das einfache gleichzeitige Sprechen von mehreren Personen, ohne den Einsatz von Raummikrofonen und ohne das Herumreichen von Mikrofonen.

Das funktionalste Ansteckmikrofon ist aus meiner Sicht das LARK 150 von Hollyland Technology. Das LARK 150 hat zwei Sender, die unabhängig voneinander funktionieren und sich an dem einem Empfänger automatisch mischen lassen, z.B. als Mono- oder Stereosignal. Die Mikrofone können sowohl am Sender als auch Empfänger einfach per Knopfdruck stummgeschaltet werden, z.B. wenn man sich mal Räuspern oder Nießen muss. Der größte Vorteil gegenüber anderen Mikrofonen ist aber die super-einfache Handhabung. Die sehr praktische Aufbewahrungsbox fungiert gleichzeitig als Ladeschale und Powerbank, die sich über eine USB-C-Buchse aufladen lässt. Nimmt man die Sender und den Empfänger heraus, schalten sie sich automatisch ein und verbinden sich. Steckt man Sender und Empfänger wieder in die Box, schalten sie sich automatisch aus und laden sich auf. Beim Auf- und Abbau muss man also nur ein Klinke-Klinke-Kabel an den Rechner (alternativ eine Klinke-zu-USB-Soundkarte) stecken.

Dagegen fallen anderen Mikrofone mit ebenso guten Klang wie z.B. das Go Mic Mobile Lavalier von Samson oder auch das Wireless GO von RØDE etwas ab, weil zum Betrieb oder immerhin zum Laden deutlich mehr Kabel auszupacken, zu stecken, zu entfernen und wieder einzupacken sind.

Raummikrofone

Raummikrofone nehmen, wie der Name vermuten lässt, den ganzen Raum auf. Das hört sich in der Theorie besser an, als es in der Praxis klappt, denn die meisten Räume an Hochschulen und Universitäten haben glatte Fußböden sowie kahle Wände und Decken, und erzeugen damit viel, oft sehr viel Raumhall. Eine einzelne Person mit einem Raummikrofon aufzunehmen, ist also ziemlich ungeschickt. Stattdessen ist ein Raummikrofon nur dann sinnvoll, wenn ein Zweikanal-Ansteckmikrofon nicht ausreicht, z.B. während sehr lebhafter Diskussionen, bei denen viele Leute schnell nach- und durcheinander reden. Hier kann man sich fragen, ob so etwas sinnvoll ist und ob Diskussionen nicht vielleicht doch etwas geordneter und moderierter ablaufen sollten, so dass ein Zweikanal-Mikrofon genügt, wobei die modierenden Person selbst einen Empfänger benutzt und den anderen Empfänger im Raum herumgibt. Das damit verbundene potentielle Covid-Ansteckungsrisiko halte ich persönlich für überschaubar im Vergleich zum sonstigen Ansteckungsrisiko innerhalb geschlossener Räumlichkeiten. Ansonsten nehmen Raummikrofon neben dem Raumhall, der sich zum Teil durch Softwarefilter recht gut unterdrücken lässt, natürlich weitere Störgeräusche (Husten, Papierrascheln, Tippgeräusche, Schritte, etc.) auf.

Raummikrofone sind üblicherweise auch nur an fest-installieren Videokonferenzsystemen verbaut. Wer sich der Vorteile, aber auch der Risiken und Nebenwirkungen bewusst ist und ein portables, günstiges, kleines Raummikrofon sucht, wird beim Speak 510 von Jabra fündig. Mit im Lieferumfang ist eine praktische Neoprentasche mit Reißverschluss. Die Verbindung wird über Bluetooth (auch mit Android-Geräten) oder einen USB-A-Stecker hergestellt. Das USB-Kabel ist aber recht kurz und reicht praktisch nur zu einem Laptop, der auf dem gleichen Tisch steht. Dafür gibt es eine ebenso praktische Kabelaufrollmöglichkeit um den Standfuß des etwa CD-großen Mikrofons. Mit dazu gibt es auch eine (optionale) Software für Windows und Mac, mit der man z.B. den Akkustand sieht und über die man auch ein paar Dinge einstellen kann (z.B. den Bluetooth-Namen oder die Tastenbelegung). Der Klang des Mikrofons ist nicht überragend, aber okay. Es ist halt wie immer: Jedes Mikrofon kling solange gut, bis man ein Mikrofon daneben stellt, das noch besser klingt.

USB- und Bluetooth-Raummikrofon Speak 510 von Jabra mit passender Neopren-Aufbewahrungstasche

Lautsprecher

Als Lautsprecher hat sich bei mir eine akkubetriebene Boombox BX 520 von Swisstone bewährt, die sich einfach per Bluetooth mit dem Rechner verbinden lässt. Diese ist an sich relativ robust gebaut, so dass es für den Transport im Rucksack keinen weiteren Schutzkoffer benötigt.

Akkubetriebener Bluetooth-Lautsprecher BX 520 von Swisstone (hier bei einer Outdoor-Hybrid-Übung)

Kamera

Nach dem Ton kommt das Kamerabild. Die Anforderungen an eine portable Hybridlehre-Kamera sind überschaubar. Solange man sich als Zoomie auf die Bildschirmfreigabe zur Inhaltsvermittlung verlassen kann, muss die Kamera ja „nur“ die Lehrperson und eventuell ein paar Teilnehmende im Raum zeigen. Wird eine klassische Tafel, ein Whiteboard oder eine Flipchart genutzt, muss das Kamerabild natürlich ermöglichen, dass man dort als Zoomie alles qualitativ gut lesen kann. Ansonsten muss die Kamera klein und leicht sein und sich möglichst schnell und einfach per USB mit dem Rechner verbinden lassen. Toll ist natürlich, wenn die Kamera sich einfach schwenken und zoomen lässt, bzw. dies in einem gewissen Rahmen sogar automatisch macht.

Meine Empfehlung für diesen Anwendungszweck ist die Tiny AI-Powered PTZ Camera von OBSBOT, die ich in der Full-HD-Variante nutze, die es mittlerweile aber auch mit 4K-Auflösung gibt, von der bei den Zoomies vermutlich aber nicht viel ankommt. Mit zwei Gesten lässt sich die Kamera auch berührungslos rein- und rauszoomen bzw. blockieren und in den Verfolgungsmodus bringen. Ansonsten erfüllen aber auch klassische Webcams wie die C920 oder BRIO von Logitech ihren Zweck (z.B. auch als Zweitkamera für Experimente) und lassen sich ebenso schnell auf- und abbauen. Toll für das Abfilmen von Experimenten sind auch Dokumentenkameras, die jedoch aufgrund der Größe und des Gewichts nicht wirklich portabel sind. Ebenso zum Abfilmen von Experimenten oder als improvisierte Raumkamera lassen sich auch Smartphones oder Tablet-PCs einsetzen.

KI-gesteuerte PTZ-Kamera von OBSBOT (Das gezeigte Netzteil ist nicht zum Betrieb notwendig. Das mitgelieferte USB-C-Kabel ist etwas kurz. Den Magnetfuß habe ich auch nie benutzt, da die Kamera direkt unten ein Stativgewinde besitzt.)

Zur flexiblen und sicheren Montage jeder Kamera braucht man natürlich noch ein Stativ. Ich nutze hier das klein packbare und sehr leichte „Element Traveller Carbon Stativ mit Kugelkopf“ von Manfrotto sowie das PIXI Mini-Stativ mit Smartphone-Halterung vom gleichen Hersteller.

Element Traveller Carbon Stativ mit Kugelkopf und PIXI Mini-Stativ mit Smartphone-Halterung von Manfrotto

Jetzt könnte man sich noch fragen, wie man das Kamerabild der Zoomies im Raum dargestellt bekommt. Ich gehe dabei davon aus, dass:

  • jeder Seminarraum/Hörsaal immerhin mit einem Beamer bzw. Projektor ausgestattet ist,
  • Zoomies sowieso selten und nur dann die Kamera anmachen, wenn das unbedingt notwendig ist und man deshalb auch auf die große und für alle Roomies sichtbare Darstellung der Kamerabilder verzichten kann, und
  • man zur Not immernoch einen kleinen portablen Beamer im Raum aufstellen könnte.

Licht

Eigentlich sollte gutes Licht vor einer guten Kamera stehen, aber die Lichtverhältnisse im Lehrveranstaltungsraum kann man sich selten aussuchen. Hier ist es ein bisschen wie beim Ton und Raumhall: Die meisten Räume sind lichttechnisch nicht sehr gut für hybride Lehrformate ausgestattet. Es gibt meist viel Licht von oben, das in der Kamera nicht gut aussieht. Flach einfallendes Sonnenlicht sorgt insbesondere im Winter für sich stark verändernde Lichtverhältnisse und potentielle Blendungen, die zu bestimmten Tageszeiten sehr störend sein können. Auch der Beamer bzw. Projektor selbst kann gegenenfalls die Kamera blenden. Hier hilft eigentlich nur das Verdunkeln und eigene Ausleuchten, was aber mit portablem Equipment nur in Grenzen möglich ist.

Eine bedingte Empfehlung sind hier die kleinen LED-Scheinwerfer Niova 150 Bi Color von Walimex Pro, die sich per Akku oder Netzteil betreiben und flexibel in der Helligkeit sowie Lichttemperatur anpassen lassen. Trotzdem wäre das Licht natürlich das Erste, auf das ich im Zweifel verzichten würde.

Rechner

Natürlich ist kaum ein Seminarraum oder Hörsaal mit einem fest-installierten Rechner ausgestattet. Dementsprechend gehört ein Notebook oder Laptop zur Standardausrüstung jeder „Hybridlehrperson“ und sollte eigentlich auch für jede*n Roomie Pflicht sein. Ich habe mich hier an mein Microsoft Surface Pro gewöhnt, dessen per Stift beschreibarer Bildschirm als improvisiertes Zeichentablett schon häufiger nützlich war. Außerdem ermöglichen die eingebaute Front- und Rückkamera weitere flexible Kameraperspektiven, z.B. als Fokus auf die Lehrperson oder ein Experiment. Was dagegen bei vielen aktuellen und flachen Notebooks nervt, ist die sehr begrenzte Anzahl an Schnittstellen (USB und HDMI), die das Mitführen weiterer Kabel und Adapter erfordert.

Microsoft Surface Pro als kompaktes und leistungsfähiges Notebook für die Hybridlehre

Software

Neben einem obligatorischen Videokonferenzssystem wie Zoom oder BigBlueButton ist natürlich OBS oder Twitch Studio zum Streamen nett, wobei die Rechenleistung üblicher Notebooks nicht zum direkten Streamen ausreicht und Umwege wie z.B. das Streamen aus Zoom nach Twitch erfordern. Mit dem kleinen Hilfsprogramm PenAttention kann man anwendungsunabhängig den Mauszeiger oder virtuellen Zeichenstift vergrößern, was Roomies und Zoomies beim Verfolgen hilft.

Transport

Zum Verpacken der einzelnen Komponenten habe ich mich erneut für robuste, leichte und ausreichend wasserdichte Pelicases entschieden. Die OBSBOT-Kamera und das LARK-150-Mikrofon passen dabei mit allen nötigen Kabeln perfekt in einen Pelicase-1120-Koffer.

Das Surface-Notebook passt inklusive der nötigen Adapter und USB und HDMI in einen flachen Pelicase-1070-Koffer.

Das Manfrotto-Stativ hat eine eigene gepolsterte Textiltasche. Alles zusammen passt problemlos in einen normalen Sportrucksack wie meinen Vaude Alpencross 30. Darin habe ich das BOYD-Hybridlehre-Equipment auch schon problemlos als Handgepack im Flugzeug mitgenommen, z.B. zu einem Flying-Faculty-Aufenthalt in Kasan in Russland.

Das BYOD-Hybridlehre-Equipment passt problemlos in einen mittelgroßen Rucksack.

Einsatz und Ausblick

Das gesamte Equipment wiegt je nach Umfang nur wenige Kilogramm und ermöglicht doch, einen „üblichen“ Raum für Präsenzlehrformate relativ rasch in einen hybriden Lehrraum zu erweitern. Da bis auf den Laptop alle weiteren Dinge per USB oder Akku mit Strom versorgt werden, sind dabei auch Auslandsaufenthalte mit möglicherweise anderen Steckdosen oder Outdoor-Einsätze unprobematisch, solange das Notebook und ein USB-Ladegerät zumindest zeitweise mit Energie versorgt werden können.

Aufgebautes und einsatzbereites BOYD-Hybridlehre-Equipment am German-Russian Institute of Advanced Technology in Kasan/Russland

Als Ergänzung zum beschriebenen Set würde ich mir noch ein kleines Zeichentablet (wie z.B. ein Wacom Intuos S) wünschen, das transportabel genüg für den Rucksack ist und im Idealfall mit in den Laptop-Koffer passt. Eine gute Projektionswand vorausgesetzt, ersetzt ein Zeichentablet die klassische Tafel bzw. ein Whiteboard und lässt sich auch im Raum herumgeben, so dass die Roomies damit ebenso „an die (virtuelle) Tafel“ schreiben können. Der Inhalt der virtuellen Tafel lässt sich dann natürlich einfach in hoher Qualität an die Zoomies übertragen und auch durch diese ergänzen. Außerdem lässt sich ein virtuelles Whiteboard einfacher durch Folien, Webseiten, Simulationsergebnisse etc. ergänzen und auch einfacher abspeichern und sichern.

Siehst du dieses Licht? — Meine Erfahrungen mit einem Lightboard

„Wat is en Leihtboort?“

Eine kleine Begriffsklärung zu Beginn: Ein Lightboard ist eine beschreibbare Glasscheibe mit abgedunkeltem Hintergrund zur Produktion von Erklärvideos. Man stellt sich dahinter und kann mit speziellen neonfarbigen Stiften wie auf einer Tafel oder einem Whiteboard schreiben, wobei die Schreibfläche durchsichtig ist und man durch sie hindurch gefilmt wird. Somit kann man gleichzeitig in Richtung der Kamera schauen, etwas schreiben und erklären. Damit die Farbe der Stifte ordentlich leuchtet, wird die Glasscheibe von den seitlichen Kanten per UV-Licht beleuchtet. Um die Schrift richtig herum lesbar zu machen, wird das Kamerabild einfach horizontal gespiegelt, z.B. mit einem Konverter. In diesem Internet gibt es etliche Selbstbauanleitungen für Lightboards, die mich als Ingenieur natürlich als herausfordendes Bastelprojekt reizten, die ich aber aus Zeitmangel nie konkret umsetzen vermochte. Irgendwann im Laufe des ersten Coronajahres 2020 fand dann ein kommerzielles Lightboard den Weg in unsere Fakultät und ich hoffte, es irgendwann auch mal ausprobieren und nutzen zu können. Die Gelegenheit dazu ergab sich zufällig Ende 2021, einen Tag vor der Weihnachtspause.

95″-Lightboard von Revolution Lightboards mit zwei vertikal angeordneten Kontrollmonitoren, dazwischen die Kamera
Erster Test der Anzeige des Kamerabilders auf dem Kontrollmonitor mit Shirts in verschiedener Helligkeit bei der Einweisung durch einem Kollegen

Mathias hat einen Plan

Also habe ich mir vier passende Themen (Zweigstromanalyse, Maschenstromanalyse, Zweipoltheorie, Superpositionsprinzip) zu unserer Grundlagenlehrveranstaltung zur Elektrotechnik überlegt, zu denen ich noch keine Videos hatte, die sich rein handschriftlich aufschreiben und erklären lassen, und sich somit für Lightboard-Aufnahmen eignen. Diese Netzwerkberechnungsverfahren können zusammenhängend am gleichen Beispiel dargestellt werden, ermöglichen aber trotzdem vier eigenständige Videos. Ansonsten umfasste die Vorbereitung nur eine kleine Einführung in die Bedienung des Lightboards und des angeschlossenen Rechners durch einen Kollegen sowie die Organisation einer Schließberechtigung für den Raum, der nicht direkt zu unserem Institut gehört. Außerdem habe ich mir das sehr gute Lightboard-Einführungsvideo von Anja Pfennig angeschaut. Ihrem Tipp entsprechend hatte ich mir dann für die Aufnahme verschiedene Shirts und Polohemden mitgenommen. Die passende Beispielschaltung für die fachlichen Erklärungne habe ich mir am Vortag überlegt. Die Spickzettel für meinen Lösungsweg und zur groben Aufteilung der verfügbaren Tafelfläche habe ich jeweils erst kurz vor den Aufnahmen geschrieben.

Let’s go

Vor der ersten eigentlichen Aufnahme habe ich natürlich ein bisschen getestet:

  • Stimmt das Licht? An der Seite des Lightboard gibt es drei Potentiometer-Dimmer für das UV-Licht, das seitliche Licht und das Licht nach hinten. Mir fehlte hier eine sinnvolle Anleitung, was man bei der Einstellung beachten sollte. Ich habe es einfach „nach Gefühl“ sowie nach „bestem Wissen und Gewissen“ eingestellt.
  • Welchen Bereich des Lightboards nimmt die Kamera wirklich auf? Hier habe ich mir kleine Markierungen an den Rändern gemacht, die für mich die Grenzen des beschreibbaren Bereichs markieren. Der Kontrollmonitor direkt unterhalb der Kamera ist dafür sehr nützlich.
  • Ist die Aussteuerung des Mikrofons in Ordnung? Kurze Probeaufnahme, kurz anhören, das sollte so passen.
  • Klappt die Aufzeichnung per vorinstalliertem Camtasia auf dem Rechner, das ich in Ermangelung von Administratorrechten zur Installation von OBS Studio nutzen musste?

Da ich nur einen halben Tag für die Aufnahmen eingeplant hatte, habe ich dann direkt das erste Video aufgezeichnet. Benutzt habe ich die Originalstifte ohne Pumpmechanismus, ein dunkelgrün-braunes Shirt und das vorinstallierte Mikrofon. Aus meiner Sicht ist das Bild etwas zu dunkel. Man sieht fast nur meine Hände und meinen Kopf. Den blauen und pinken Stift sieht man kaum. Glücklicherweise habe ich das fertig beschriebene Lightboard noch mal per Smartphonekamera fotografiert, auf dessen Aufnahme man alles viel deutlicher erkennen kann.

Neon-Stifte ohne Pumpmechanismus
Auf dem mit dem Smartphone abfotografierten fertigen Anschrieb am Whiteboard erkennt man deutlich, wie die Neon-Stifte je nach Beleuchtungsstärke und UV-Lichteinfall ihre Farbe ändern.

Das oben auf dem Lightboard angebrachte Mikrofon ist okay, nimmt aber aufgrund des Abstands natürlich auch viel Raumhall und Hintergrundrauschen auf. Außerdem schwankt die Lautstärke je nach Standposition vor dem Lightboard, was man ebenso deutlich im Video hört. Das mag eine Einstellungssache sein, ist aber für den Gesamtpreis des Setups aus meiner Sicht kaum akzeptabel.

Am Lightboard vorinstalliertes Mikrofon von Azden

Weiteres Problem, aber vermutlich ebenso eine Einstellungssache: Die Kamera zieht während der Aufnahme automatisch den Weißabgleich bzw. den Farbkontrast nach. Am Anfang des Videos (ohne farbigen Anschrieb) sehe ich aus wie eine Wasserleiche im Tatort, zum Ende (mit mehr Farben auf dem Lightboard) wirke ich dann zumindest von der Gesichtsfarbe her etwas lebendiger.

Änderung meiner Gesichtsfarbe im Laufes des Videos durch die automatische Nachjustage des Weißabgleichs durch die Kamera

Everybody gets a second chance

Ich habe im zweiten Video versucht, aus den Fehlern des 1. Videos zu lernen und eines helleres, hellblaues Poloshirt, ein anderes Mikrofon (Rode Wireless Go) und andere Stifte mit Pumpmechanismus benutzt. Die Helligkeit in diesem Videos sieht besser aus, denn man kann nun auch meinen Körper besser sehen. Der Ton ist ebenso deutlich besser, insbesondere wenn ich nicht in der Mitte sondern am Rand stehe und nach unten gucke. Die Pumpstifte decken besser, jedenfalls gelb und grün. Der pinke Stift ist auch hier leider kaum sichtbar, was mich etwas nervt, weil auch die Stifte direkt vom Hersteller des Lightboards mitgeliefert wurden. Vielleicht fehlte aber auch einfach noch mehr UV-Licht, vielleicht sind die Stifte auch schon zu alt. Das Problem mit der schwankenden Farbwiedergabe der Kamera bleibt. Ansonsten bin ich mit diesem Ergebnis schon ganz zufrieden.

Neon-Stifte mit Pumpmechanismus

Aller guten Dinge sind drei

Im dritten Video habe wieder ein paar andere Dinge probiert, z.B. ein farbiges, rotes Oberteil, das gleiche RODE-Wireless-Go-Mikrofon, jedoch mit etwas anderen Einstellungen (weniger Pegel) und erneut die Stifte ohne Pumpmechanismus, wobei ich aber nur gelb und grün, kein blau und pink benutzt habe. Das Ergebnis ist ganz gut. Die Stifte sind zum Teil jedoch wieder recht blass, insbesondere in der Mitte des Lightboards, wo die UV-Beleuchtung an Intensität verliert. Außerdem sticht das weiße Mikrofon natürlich etwas hervor. Weiterhin sieht man in der oberen Bildmitte einen größeren hellen Fleck. Dies ist eine Reflexion des zweiten, oberen Kontrollmonitors, auf dem ich mir meinen abfotografierten Spickzettel eingeblendet hatte.

Verschiedene Shirts und Hemden zur Probe, die ich in der Reihenfolge von oben nach unten in den vier Lightboard-Videos getragen habe

Eines geht noch

Für das vierte und letzte Video habe wieder ein paar andere Dinge probiert, z.B. ein farbiges, dunkelrotes T-Shirt, noch mal ein anderes Funkansteckmikrofon (Hollyland Tech LARK 150), wieder die Stifte mit Pumpmechanismus, aber erneut nur gelb und grün, kein blau und pink. Außerdem habe ich den obigen Kontrollmonitor ausgeschaltet, der im dritten Video (aber interessanterweise nicht in Video 1 und 2) eine störende Reflexion verursacht hatte. Dafür hatte ich dann keinen „Spickzettel“ mehr für den Anschrieb und musste die Zahlenrechnungen wirklich alle im Kopf haben oder eben schnell ausrechnen. Zusätzlich habe ich noch das weiße Rode Wireless Go getragen, um mit dem Smartphone ein Making-Of-Video zu drehen.

Das Ergebnis ist ebenso ganz gut. Die Stifte sind überall ganz gut lesbar, allerdings mit weniger Deckung in der Mitte des Lightboards, wo die UV-Beleuchtung an Intensität verliert. Außerdem sticht das weiße Mikrofon natürlich wieder etwas hervor. Vor der Videoaufzeichnung musste ich übrigens eine Weile auf die Mittagssonne bzw. ihr Verschwinden warten, die mir einen unschönen hellen Fleck auf den abgedunkelten Hintergrund projezierte.

Störender Lichtfleck durch die flach einstrahlende Mittagssonne auf der Südseite, die immer ihren Weg durch die Jalousieren findet

Insgesamt habe ich also schon problemlos geschafft, vier Erklärvideos zu je etwa 20 Minuten Dauer an einem halben Arbeitstag aufzunehmen. Die entsprechende Postproduktion (Hochladen, Titel, Beschreibung, Schlagworte, Meta-Daten, Thumbnails, Kapitelmarken, zugehörige MATLAB-Skripte, Verlinkung im Moodle-Kurs, …) hat mich dann insgesamt noch mal etwa einen halben Tag gekostet. Ein Verhältnis von 1:3 bis 1:4 zwischen reiner Spielzeit und der insgesamten Produktionszeit ist selbst für meine relativ unaufwendigen Videos, die ich ohne den für mich sehr zeitraubenden Schnitt immer an einem Stück produziere, mittlerweile üblich.

Meine vier „Spickzettel“ für die vier produzierten Videos zur Probe der groben Aufteilung des Anschriebs auf die verfügbare Tafelfläche

Die hellen Dinge

Sicher hat so ein Lightboard einige Vorteile. Das Ergebnis ist visuell recht ansprechend. Das Anschreiben ist ähnlich wie an einer Tafel oder einem Whiteboard und erfordert damit kaum Umgewöhnung. Die Fokussierung auf die Handschrift und der Verzicht auf Folieneinblendungen, MATLAB-Simulationen oder LTspice-Schaltbilder richtet den Blick auf das Wesentliche und zwingt die Lehrperson zur Langsamkeit. Mal eben schnell etwas zeigen oder erklären geht halt nicht, man muss es schon in Ruhe aufschreiben.

Der ganze Aufbau ermöglicht jederzeit guten Blickkontakt direkt in die Kamera oder zumindest in deren grobe Richtung und auch ich müsste mich schon extrem ungeschickt anstellen, damit man in einer Lightboard-Aufnahme meinen Hinterkopf sieht. Auch kann man sehr schön mit den Augen auf etwas blicken sowie mit den Fingern, den Händen oder dem ganzen Arm auf etwas zeigen und so die Zuschauenden visuell durch einen ausführlichen Aufschrieb oder eine komplexe Skizze führen.

Das war es dann meines Erachtens aber auch schon mit den Vorzügen, denn trotzdem muss man gleichzeitig etwas darauf achten, nichts mit einem zu hellen Hintergrund (Gesicht, Hände, Kleidung) zu überstrahlen oder von der Schrift selbst überdeckt zu werden.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Auf der anderen Seite ist eine erfolgreiche Aufnahme an einem Lightboard ein sehr komplexes Zusammenspiel vieler Komponenten und ermöglicht damit unglaublich vielfältige Wege zum Scheitern. Das fängt bei der Wahl der Kleidung an. Nicht zu dunkel, aber auch nicht zu hell sollte diese sein, möglichst einfarbig aussehen, keine Muster und keine störende Schrift besitzen. Erwähnte ich bereits, dass ich deshalb einige T-Shirt „auf links“ und mit dem Rücken nach vorn trug?

Das Zusammenspiel von UV-Beleuchtung und LED-Lichtstärke am Lightboard sowie Kontrast, Helligkeit und Weißabgleich der Kamera muss natürlich relativ gut zusammenpassen, damit man in der fertigen Aufnahme das und nur das sieht, das man auch wirklich sehen soll. Natürlich muss dafür auch der Raum sehr gut abgedunkelt sein, damit inbesondere im Winter auf der Südseite eines Gebäude kein flach einfallender Sonnenstrahl die Aufnahme stört. Sind die Sonne ausgesperrt und die Deckenleuchten ausgeschaltet, kann dir immer noch der Kontrollmonitor eine störende Reflexion ins Bild zaubern.

Dieser Kontrollmonitor ist ansonsten natürlich sehr nützlich, denn er ermöglicht eine Live-Kontrolle des Videobildes und damit rasche Korrekturen eventueller Anzeigeprobleme. Weiteres mögliches Problem: Der Kontrollmonitor in meinem Setup war vermutlich zu hell eingestellt. Manche Stifte, die ich dort noch gut sehen konnte, waren in der fertigen, deutlich dunkleren Aufnahme kaum zu erkennen. Außerdem ändern die Stifte in der Aufnahme je nach Position auf dem Lightboard sowie der Intensität und dem Einfallswinkel des UV-Lichts gern mal die Farbe bzw. sind farblich kaum zu unterscheiden.

Eher anekdotischen Wert hat die Ergänzung, dass das Lightboard auch eine elektrische Höhenverstellung besitzt, die aber auf die US-amerikanischen 110 V-Betriebsspannung angewiesen ist und deshalb an unserem europäischen 230 V-Steckdosen nicht funktioniert. Schon fast witzig ist die Zusatzinformation, dass der damit für den Betrieb notwendige Transformator sich nicht einsetzen lässt, weil er zuverlässig den Fehlerstromschutzschalter auslöst und damit den ganzen Laborraum lahmlegt, in dem das Lightboard provisorisch installiert ist.

Wer jetzt immer noch mit dem Gedanken spielt, sich unbedingt ein Lightboard anschaffen zu müssen, sei gewarnt, dass man das Ding nach jedem Einsatz auch intensiv putzen muss. Obwohl die Stifte laut Aufschrift trocken abwischbar sein sollen, klappte das bei mir nicht. Also muss man das Lightboard erst mal mit einer Sprühflasche etwas anfeuchten, dann mit einem Lappen alles verschmieren und anschließend trocken abrubbeln. Was lobe ich mir da den elektronischen Radierer eines Smartboards oder die „Alles markieren“- und „Löschen“-Funktionen in Windows Journal.

Wie eine klassische Tafel kann man ein Lightboard auch mit einem Tafelwischer bzw. -abzieher oder Lappen bzw. Papiertüchern reinigen

Fazit

Ja, der optische Effekt eines Lightboards ist auf jeden Fall ganz nett (und lässt sich mit etwas mehr Sorgfalt und Erfahrung bei der Einstellung der Lichter und der Kamera auch sicher noch optimieren), und wenn man gut an einer Tafel schreiben und gleichzeitig etwas dazu erzählen kann, kommt einem das System natürlich auch entgegen, da zunächst wenig Umgewöhnung nötig ist. Zum Blickkontakt mit der Kamera muss man sich natürlich trotzdem etwas zwingen. Ansonsten gefällt mir, dass man auch sehr schön mit beiden Händen auf Dinge zeigen kann. Außerdem zwingt das System natürlich wie eine normale Kreidetafel oder ein Whiteboard etwas zur Langsamkeit, was die Nachvollziehbarkeit der Ausführungen für die Studierenden sicher verbessert.

Ansonsten ist ein Lightboard halt ein unglaublich komplexes, aufwendiges und teures System (knapp 18 k€ Gesamtkosten in der genutzten Variante, allein 900 € für die Kamera mit Polarisationsfilter, 300 $ für den HDMI-Konverter zur Spiegelung, …), das wahnsinnig viele Möglichkeiten zum Fehlermachen bietet (zu wenig Kontrast, schlechter Weißabgleich, schlechte Stifte, schlechtes Mikrofon, unpassende Kleidungswahl, viele verwirrende Einstellmöglichkeiten für das Licht, Probleme mit Reflexionen und Sonnenlicht, Spiegelungen des Kontrollmonitors, unzureichende Verdunklung, aufwendige Reinigung, etc.). Das beste und teuerste Lightboard nützt einem nämlich auch nichts, wenn es nach der teuren Anschaffung lieblos in einen unpassenden Raum geworfen und nicht richtig eingestellt wurde, sich niemand um Pflege, Wartung und intensive Einweisung/Schulung der Nutzenden kümmert. Hier stellt sich auch eine eher administrative Frage: Lohnt sich eher einmalig angeschafftes teures Equipment, das kollaborativ viele Lehrende sequentiell nutzen oder sollte man liebere mehrere, jeweils günstigere, parallel nutzbare Aufnahmemöglichkeiten schaffen? Welcher Produktionspreis pro fertiger Minute Videomaterial ist allein vom Aufnahmeequipment her angemessen? Wie können Raumzugänge und Technikschulungen effizient organisiert werden? Wie ist sicher gestellt, dass immer unter optimalen Bedingungen aufgezeichnet und das nötige Wissen dazu nicht nur als „Oral History“ weitergegeben wird?

Verwendetes Kameramodell VIXIA HF G50 mit 4K-Auflösung von Canon

Für die 18 k€ Anschaffungspreis des Lightboard-Sets bekomme ich auch locker 15 bis 20 Büros mit einem folgendem Setup ausgestattet:

  • Elgato Greenscreen für Deckenmontage, 200 €
  • Logitech Streamcam, 160 €
  • Rode Mikrofon NT-USB Mini , 100 €
  • Rode Mikrofonarm PSA-1, 90 €
  • Wacom Schreibtablett Intuos, 130 €

und hätte sogar noch Geld über, die Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen entsprechend zu schulen oder in gutes Licht zu investieren). Mit dem Chroma-Keying-Filter von OBS Studio bekommt man dann auch sehr ansprechende Videos hin, hat einen ebenso schönen optischen Effekt und kann viel mehr machen, als nur Schreiben, sondern z.B. auch in MATLAB oder LTspice simulieren.

Greenscreen-Setup in meinem Büro zur Aufnahme von Videomaterial
Erklärvideo, das ich mit meinem Greenscreen-Setup im Büro aufgezeichnet habe

Ansonsten kann man sich auch einfach mit einem normalen guten Funkansteckmikrofon vor ein gut ausgeleuchtetes und reflexionsarmes Whiteboard stellen, darauf schreiben, etwas dazu erzählen und das mit einem Smartphone auf einem Stativ filmen. Natürlich sieht man die erklärende Person dann eher von hinten und selten von vorn, die Art der Inhaltsvermittlung bleibt aber die gleiche. Ein entsprechendes Video zur gleichen Schaltung mit der Vierpoltheorie habe ich zum Vergleich Anfang Januar aufgezeichnet. Die Kosten für dieses Setup betragen exklusive des üblicherweise vorhandenen Whiteboards und Smartphones nur etwa 500 €. Außerdem kann man hier auch endlich mal die Farben der Stifte unterscheiden.

Video, das ich an einem üblichen Whiteboard aufgezeichnet habe

Das Lightboard ist für deshalb so etwas wie der Ferrari oder der Porsche unter den Videoaufnahmesystemen, teuer, exklusiv, kompliziert und eigentlich ziemlich unnötig, aber eben auch sehr schick und als Luxusvariante natürlich trotzdem „absolut notwendig für die Lehre„. Mein oben beschriebenes Greenscreen-Setup ist dann vielleicht so etwas wie der VW Golf oder Passat, ein „Vernunftsetup“, der Preis-Leistungs-Sieger. Die Variante mit gutem Mikrofon, Smartphone-Kamera und normaler Tafel/Whiteboard ist dann der Polo oder Nissan Micra, fährt auch, kommt auch ans Ziel, verbraucht weniger Sprit, macht als Sparvariante aber auch nicht so viel her.

Setup für hybride Promotionsverteidigungen

Durch die pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen konnten und können Verteidigungen von Abschlussarbeiten oder Promotionsverfahren nicht komplett in Präsenz stattfinden. Typischerweise wurde aber oft ein Hybridformat gewählt, bei dem zumindest der/die Kandidat*in und ein*e Prüfer*in (oder mehrere Personen der Prüfungskommission) für die Dauer des Vortrags in einem Raum waren. Weitere Kommissionsmitglieder und Zuhörer*innen wurden dann per Videokonferenz zugeschaltet. Da ich mich oft um den Aufbau eines technischen Setups für solche Veranstaltungen kümmern durfte, möchte ich hier einen typischen Aufbau beschreiben und von den Erfahrungen berichten.

Anforderungen

Um die Anforderungen an einen solchen Aufbau zu verstehen, muss man den üblichen Ablauf von Promotionsverteidigungen kennen. Bei Präsenzverteidigungen sind die/der Kandidat*in, die Kommission und weitere Zuhörer*innen in einem Raum. Zu Beginn begrüßt der/die Vorsitzende alle Teilnehmenden, stellt die Kommission und die/den Kandidat*in vor und verliest ihren/seinen Lebenslauf. Dann wird das Wort für einen meist 30-minütigen Vortrag an die/den Kandidat*in übergeben. Anschließend werden die Gutachten verlesen und es gibt eine Fragerunde mit Diskussion. Danach zieht sich die Kommission zur internen Beratung zurück und verkündet anschließend die Note. Dankende Worte der/des Kandidat*in bilden dann üblicherweise den Abschluss.

Daraus ergeben sich folgende technischen Anforderungen:

  • Der/die Kandidat*in muss möglichst groß und frontal für die Remote-Zuschauenden im Videobild sichtbar sein.
  • Die Kommission sollte zumindest überblicksartig für die Remote-Zuschauenden im Videobild zu sehen sein.
  • Falls externe Gutachter*innen per Videokonferenz zugeschaltet werden, müssen diese natürlich auch im Raum sicht- und hörbar sein. Das gleiche gilt selbstverständlich für weitere Zuschauer*innen, die sich ebenfalls an der Diskussion beteiligen möchten.
  • Alle Zuschauenden (vor Ort und remote) müssen die Vortragsfolien sehen können.
  • Die/der Kandidat*in muss insbesondere während des Vortrags (besonders für die Remote-Zuschauenden) gut zu hören sein. Gleichzeitig sollen weitere Geräusche im Raum (Papierrascheln, Husten, Räuspern, Gläserklappern, …) möglichst unterdrückt werden.
  • Kandidat*in und Kommission müssen während der Fragerunde und Diskussion für die Remote-Zuschauenden) gut zu hören sein.
  • Das Setup muss so funktionieren und bedienbar sein, dass die Kandidat*in sich möglichst nicht um technische Belange kümmern muss und sich ganz auf den Vortrag und die Beantwortung der Fragen konzentrieren kann.
  • Auf- und Abbau sowie ein kurzer Technikcheck sollten jeweils in etwa 30 Minuten zu erledigen sein, da große Besprechungsräume immer noch rar sind.
Mobiles Equipment für das hybride Verteidigungs-Setup

Gesamtkonzept

Kernstück in meinem Setup ist ein fahrbares Smartboard mit 86″-Bilddiagonale, Touch-Funktionalität, integriertem Lautsprecher und Windows-Rechner. Auf diesem Smartboard ist ein MeetUp-Videokonferenzsystem von Logitech mit einem kabelgebundenen Grenzflächen-Raummikrofon installiert. Steuern lässt sich dieses Systeme über eine Funkfernbedienung für die Kamera sowie eine Funkmaus und -tastatur. Dazu kommt eine normale Webcam auf einem Stativ sowie ein kabelgebundenes Ansteckmikrofon. Außerdem bringt die/der Kandidat*in einen eigenen Laptop für die Präsentation mit.

Gesamtkonzept für das hybride Verteidigungssetup

Bild

Das Videokonferenzsystem von Logitech nimmt den gesamten Raum und damit auch die Kommission auf. Die zweite Webcam auf dem Stativ filmt dagegen nur den Kandidaten. Damit man beide Videobilder gleichzeitig in einem Videokonferenzsystem anzeigen kann, wird diese Kamera über den Laptop der/des Kandidat*in geteilt. Benötigt man weitere Kamerabilder aus dem Raum, z.B. für eine größere Darstellungn eines bestimmten Bereichs (analoges Whiteboard oder Flipchart) oder beispielweise für ein Experiment, kann man einfach ein Smartphone in die Videokonferenz einwählen und als zusätzliche Kamera nutzen. Eine Powerbank oder ein Netzteil sorgt hier für genügend Betriebszeit. Diese Zusatzkamera hilft meist sogar der Kommission vor Ort.

Webcam auf Stativ für den/die Kandidat*in, die an den Präsentationslaptop angeschlossen ist

Wichtig: Auch die besten Kameras versagen bei schlechten oder ungünstigen Beleuchtungsbedingungen. Fenster entgegen der Kamerablickrichtung sorgen für zu starke Kontraste und sollten abgedunkelt werden. Das gleiche gilt für sehr helle Oberlichter, die für Reflexionen auf der Stirn und unnatürliche Schatten in Gesichtern sorgen. Die normale Deckenbeleuchtung funktioniert typischerweise aber recht gut. Wenn man die/den Kandidat*in wirklich im rechten Licht erscheinen lassen möchte, ist ein LED-Flächenstrahler nützlich.

Ton

Die größte Schwierigkeit beim Ton sind Echos und Rückkopplungen. Diese können von einem Videokonferenzsystem wie Zoom nur dann effektiv unterdrückt werden, wenn alle Audioein- und -ausgaben im Raum über einen Rechner geschehen. Im hier beschriebenen Aufbau wird das über das Smartboard erledigt. Hier sind alle aktiven Mikrofone und die einzig aktiven Lautsprecher angeschlossen. Es ist kein Problem, weitere Endgeräte im Raum mit in die Videokonferenz einzuwählen, jedoch müssen dort alle Mikrofone stummgeschaltet und alle Lautsprecher deaktiviert sein.

Grenzflächenmikrofon auf einem Telefontischchen in der Mitte des Raumes

Am Smartboard-Rechner kann dann zwischen dem Raummikrofon und den Ansteckmikrofon gewählt werden. Standardmäßig wird das Raummikrofon aktiviert und nimmt den gesamten Raum auf, z.B. für die Vorstellung von Kandidat*in und Kommission oder für die Fragerunde und Diskussion. Nur für den Vortrag (und eventuell für längere Antworten in der Diskussion) wird dann auf das Ansteckmikrofon des/der Kandidat*in umgeschaltet.

Ansteckmikrofon für die/den Kandidat*in

Bild- und Tonregie

Um die Umschaltung bzw. Tonregie kümmert sich ein*e Technikassistent*in im Raum über die Funkmaus- und -tastatur des Smartboards. Das kann z.B. die/der Protokollant*in oder ein weiteres Mitglied der Kommission sein. Diese Person kann ebenfalls eine geeignete Bildschirmansicht (Vollansicht der Vortragsfolien vs. Gallerieansicht der Remote-Teilnehmenden) auf dem Smartboard auswählen, welche die relevanten Informationen für die Kommission vor Ort darstellt. Das Pinnen eines bestimmten Videobildes hilft auch den Remote-Teilnehmenden beim Fokus auf eine bestimmte Kamera. Die eigentliche Bildschirmfreigabe der Folien und die Steuerung der Präsentation erfolgt über den Laptop der/des Kandidat*in.

Weitere Hinweise

Abschließend noch einige organisatorische und logistische Hinweise:

  • Der/die Kandidat*in sollte unbedingt vor dem eigenen Laptop stehen bleiben, auch wenn man es sonst vielleicht gewohnt ist, während eines Vortrags „auf der Bühne“ entlang zu laufen und Dinge direkt an der Projektionswand zu zeigen und hervorheben. Das funktioniert aber bei Hybrid-Vorträgen nicht, weil die vortragende Person so:
    • den Aufnahmebereich der eigenen Kamera verlässt,
    • möglicherweise die Raumkamera der Kommission verdeckt,
    • Audioprobleme wie Lautstärkeänderungen vorprogrammiert sind und
    • das Zeigen mit der Hand bzw. einem Laserpointer auf die Projektionsfläche zwar vor Ort, aber nicht für die Remote-Teilnehmenden sichtbar ist.
  • Für Hervorhebungen auf der Projektionsfläche eignet sich stattdessen einfach der Mauszeiger, der sowohl vor Ort als auch remote gut sichtbar ist. Virtuelle Laserpointer funktionieren natürlich auch, wobei eine Maus oder ein Touchpad für die vortragende Person auf kurze Distanz vermutlich einfacher zu bedienen sind, als ein Logitech-Spotlight-Presenter.
  • Für die Dauer des Vortrags sollten die anderen Raummikrofone möglichst stummgeschaltet oder deaktiviert sein, um Störgeräusche durch die Kommissionsmitglieder zu unterdrücken.
  • Die Technikassistenz im Raum kann sich selbst in die Videokonferenz einwählen und prüfen, ob die Bildschirmfreigabe und Kamerabilder korrekt angezeigt werden. Mit Kopfhörern lässt sich auch im Vortragsraum testweise die Audioqualität für die Remote-Teilnehmenden prüfen.
  • Alternativ kann die Technikassistenz im Raum auch für eventuelle Mitteilungen und Störungsmeldungen der Remote-Teilnehmenden zur Verfügung stehen, z.B. über den Privatchat in Zoom oder einen externen Messengerdienst, um schnell auf eventuelle Ton- und Bildprobleme reagieren zu können.
  • Während des Vortrags sollten alle Remote-Teilnehmenden stummgeschaltet und auch gebeten werden, auf öffentliche Chatnachrichten zu verzichten, die typischerweise am Smartboard angezeigt und quittiert werden müssen.
  • Für die interne Beratung der Kommission gibt es mehrere Möglichkeiten:
    • Ist die gesamte Kommission vor Ort, kann sich diese für die interne Diskussion einfach in einen anderen Raum zurückziehen. Alternativ kann auch der/die Kandidat*in den Raum verlassen und die Freischaltung von Kamera und Mikrofon unterbrochen werden. Die Remote-Teilnehmenden können dann bis zur Notenverkündung und den Schlussworten im Videokonferenzraum bleiben und sich austauschen.
    • Sind auch Gutachtende über die Videokonferenz zugeschaltet, kann die Diskussion ohne den/die Kandidat*in vor Ort und in einem virtuellen Breakout-Raum durchgeführt werden. Auch hier können die anderen Remote-Teilnehmenden weiter im Hauptraum verbleiben und sich austauschen. Alternativ kann die Kommission im Hauptvideokonferenzraum bleiben und alle anderen Remote-Teilnehmenden in einen Breakout-Raum wechseln.
    • Weitere Möglichkeit: Die Kommission bleibt ebenso im Videokonferenzraum und alle anderen Remote-Teilnehmenden werden in einen virtuellen Warteraum geschickt. Im diesem Warteraum sind aber alle für sich und können sich nicht weiter austauschen, weshalb ich von dieser Variante abraten würde.
  • Für weitere Erfahrungen, Ideen und Kommentare bin ich dankbar.

Eine Outdoor-Hybrid-Übung auf der „grünen Wiese“ und in Zoom

Während der Corona-Pandemie wurde von Studierenden immer wieder der Wunsch nach Präsenz- oder Hybridformaten geäußert, die abseits reiner synchroner Videokonferenzen einen direkteren zwischenmenschlichen Austausch ermöglichen. Im Sommersemester 2021 wurde dafür von mir ein passendes Outdoor-Hybrid-Format entwickelt, erprobt und mehrfach durchgeführt, das ich hier etwas näher beleuchten möchte.

Eindruck vom ersten Produktivtermin einer Outdoor-Hybrid-Sprechstunde in den Grundlagen der Elektrotechnik

Idee

Um das Infektionsrisiko geschlossener Räumlichkeiten zu umgehen, habe ich als Lehrveranstaltungsort eine schattige, windgeschützte, ruhige, grüne Wiese auf dem Campus genutzt. Da draußen aufgrund des Umgebungslichts keine typischen Beamer oder Projektoren nutzbar sind, für eine Übung oder Sprechstunde in den Grundlagen der Elektrotechnik aber Skizzen, Formeln, Schaltbilder und Diagramme essentiell zur Diskussion von Lösungswegen sind, benötigte die „grüne Wiese“ auch eine Wand mit einem Haken, die das Aufhängen einer improvisierten Flipchart-Tafel erlaubt. Die gleichzeitige Teilnahmemöglichkeit für Studierende über ein Videokonferenzsystem ist möglich, benötigt aber eine recht umfangreiche technische Lösung (Laptop, Webcam, verschiedene Mikrofone und Lautsprecher, WLAN-Zugang, etc.), die ich unten beschreibe.

Einbettung in die restliche Lehrveranstaltung

Die übergeordnete Lehrveranstaltung zu den Grundlagen der Elektrotechnik bestand aus einem wöchentlichen synchronen Online-Plenum mit Audience-Response-Fragen, kleinen Experimenten und der Besprechung von Beispielen sowie mehreren wöchentlichen Online-Übungsterminen. Außerdem gab es für die Studierenden einen asynchron nutzbaren Wochenplan mit empfohlenen Seiten im Buch/Skript, Übungsaufgaben, besonders einfachen Einstiegsaufgaben, personalisierten Zusatzaufgaben mit anonymem Peer Review, interaktiven Quizzen und kurzen Erklärvideos. Alle diese Angebote waren aber rein digitaler Natur, ebenso ein wöchentliche Online-Sprechstunde als optionaler Termin zum Stellen von Fragen und der Diskussion lehrveranstaltungsbezogener Themen, die parallel bei Zoom und Twitch übertragen wurde.

Der Wunsch nach Präsenzformaten wurde immer wieder geäußert, jedoch waren gerade zu Beginn des Semesters die Inzidenzen sehr hoch und die Universität deshalb berechtigterweise zu großen Teilen geschlossen. Ein Hybridformat im Außenbereich erschien aber möglich und würde Studierende, die aus verschiedensten Gründen (Infektionsrisiko, Quarantäne, aktueller Wohnort ist nicht Studienort, …) nicht in Präsenz teilnehmen können, nicht ausschließen. Da die Akustik und Sichtbedingungen vor Ort aber nur eine begrenzte Teilnehmendenanzahl zulassen und ich nicht sicher war, wie gut das alles funktioniert, habe ich mich dafür entschieden, nicht die Vorlesung oder einer der Übungen, sondern eben die fakultative Sprechstunde als Outdoor-Hybrid-Variante umzusetzen. Als Lehrperson konnte ich dabei Fragen beantworten, Beispiele besprechen, Ansätze und Lösungswege vorstellen und diskutieren sowie Studierende bei der Aufgabenbearbeitung begleiten. Die Studierenden konnten Fragen stellen, die Beispiele und Lösungswege nachvollziehen, Partner*innen für Gruppenarbeiten sowie Lerngruppen finden und sich gegenseitig näher kennenlernen.

Technik

Eine solche Outdoor-Hybrid-Lehrveranstaltung benötigt eine recht umfangreiche technische Lösung:

  • Eine USB-Webcam mit USB-Verlängerungskabel auf einem Stativ nimmt die Flipchart und den Bereich herum auf. (Alternativ kann man dafür auch ein aktuelles Smartphone mit guter Kamera auf einem Stativ benutzen, ins WLAN einbinden und über die Zoom-App in die Videokonferenz einspeisen.)
  • Eine eventuell zweite Kamera (z.B. die Rückkamera eines Laptops) filmt die das Auditorium vor Ort für die Zoom-Teilnehmenden. Das erfordert aber natürlich die Zustimmung der Studierenden.
  • Eine eventuell dritte Kamera (z.B. die Frontkamera eines Laptops) nimmt nur die Lehrperson für etwas längere Erklärungen ohne die Flipchart auf.
  • Eine akkubetriebener Bluetooth-Lautsprecher macht die Fragen und Diskussionbeiträge der Online-Gruppe auch draußen gut hörbar. (Alternativ kann auch ein Student als Co-Host per Kopfhörer nebenbei dem Zoom-Meeting zuhören und entsprechende Mitteilungen für die Präsenzgruppe wiederholen und moderieren.)
  • Ein Funk-Ansteck-Mikrofon für die Lehrperson sorgt für guten Ton in Zoom.
  • Eine Funkmikrofon für Zwischenfragen der Studierenden vor Ort ermöglicht, dass diese auch direkt in Zoom gehört werden (idealerweile laufen beide Funkmikrofone über den gleichen Funkempfänger, so dass kein Mischer und keine manuelle Umschaltung erforderlich ist).
  • Die Lehrperson benötigt einen Laptop zum Anschluss der Kamera und Mikrofone und zur Übertragung in Zoom.
  • Der Laptop benötigt dafür natürlich einen WLAN-Zugang auf der grünen Wiese. Hier konnte ich einfach den WLAN-Zugang durch die Fensterfront eines nahes Universitätsgebäudes nutzen.
  • Um den Laptop bei längeren Sessions zwischendurch eventuell nachzuladen, ist eine 12-V-Autobatterie mit Inverter auf 230-V-Wechselspannung nützlich.
  • Studierende freuen sich eventuell auf Hockern oder Klappstühlen sitzen zu können und nicht zu stehen oder auf den Boden ausweichen zu müssen.
  • Ein Laptopständer sorgt für eine ergomische Arbeitshöhe.
  • Wasserdichte und robuste Transportkoffer sind optional als Schutz für die empfindlichen elektronischen Geräte nützlich, insbesondere wenn das Wetter nicht sehr stabil ist.
  • Ich schwöre außerdem auf meinen Rollwagen (ein Krane AMG 750) für das ganze Equipment, der sich auch umklappen und als mobiler Tisch nutzen lässt.

Außerdem benötigt man natürlich eine Flipchart oder etwas ähnliches als Tafel-Ersatz sowie passende Stifte, die gut decken und im Kamerabild genügend Kontrast erzeugen. Dabei können die typischen Farben schwarz, blau, grün und rot sinnvoll für verschiedene Inhalte genutzt werden (z.B. schwarz für die Aufgabenstellung, blau für nötige Formeln aus der Literatur, grün für die Lösung und rot für die Diskussion typischer studentischer Fehler). Als große Schreibfläche habe ich drei Flipchart-Blöcke nebeneinander auf eine alte Aluminiumgardinenstange getackert, in deren Nut ich mit einem Hammer etwas Holz aus alten Silvesterraketenstöcken eingetrieben hatte. Etwas Maurerschnur und einige Kabelbinder dienten zur Befestigung der Stange an einem Haken, der irgendwie auch zur rechten Zeit in der richtigen Höhe an der gelben Garagenrückwand war.

Die Studierenden benötigen als Arbeitsmaterialien genau wie in anderen Lehrveranstaltungen eventuell auch (eigene) Laptops oder andere digitale Endgeräte, Notizblöcke bzw. Arbeitsmappen sowie Stifte und optional Taschenrechner.

Softwaretechnisch bietet Zoom alle Möglichkeiten für vernünftige Einstellungen. Der Audioeingang läuft über den gemeinsamen Empfänger für Ansteck- und Handmikrofon. Die Audioausgabe geht an die Bluetooth-Box. Als primäres Kamerabild habe ich meine Surface-Frontkamera freigegeben, so dass sie ein Portraitbild von mir aufnimmt, wenn ich vor dem Laptop stehe. Die Zweitkamera für die Flipchart hatte ich dann als Bildschirmfreigabe in Zoom geteilt.

Logistik

Ich habe zum Beginn des Semesters alle nötigen Sachen zusammengesucht, auf den Rollwagen gepackt und diesen im Labor geparkt. Etwa 30 Minuten vor Lehrveranstaltungsbeginn ging es dann damit etwa 5 Minuten über den Campus zur Wiese. Der Aufbau dauerte typischerweise weitere 15 Minuten. Nach einem kurzen Technikcheck war ich dann einsatzbereit. Nach Ende der Lehrveranstaltung brauchte ich meist weitere 30 Minuten, bis alles wieder zusammengepackt, zurückgefahren und zum nächsten Einsatz bereit im Labor stand.

Nötiges technisches Equipment für eine Outdoor-Hybrid-Übung auf dem Rollwagen vor unserem Fakultätsgebäude

Beispielhafter Ablauf

Die Studierenden trudelten meist während meiner Aufbauphase ein, machten Smalltalk und führten informelle Gespräche, bis es wirklich losging, zumindest die Vor-Ort-Studierenden. Die Zoom-Teilnehmenden kamen meist pünktlich auf die Minute, sagten dann aber zumindest kurz Hallo. Sobald alle bereit waren, begrüßte ich dann noch mal offiziell alle Teilnehmenden vor Ort und in Zoom, erklärte gerade in den ersten Terminen noch mal kurz das Hybridsetting, führte kurz in das aktuelle Wochenthema ein und ermunterte alle zum Stellen von Fragen, denn davon lebt eine Sprechstunde. Tatsächlich war gerade vor Ort die Hemmschwelle deutlich geringer und die Studierenden stellten Fragen auf Basis der von ihnen bearbeiteten Aufgaben. Ich als Lehrperson gab die Fragen dann oft zurück in die Runde, so dass wir schrittweise gemeinsam eine Antwort entwickeln konnten, die ich Form von Gleichungen, Schaltbilder und Diagrammen an der Flipchart festgehalten habe. Relativ selten haben Vor-Ort-Studierende auch mal etwas an die Flipchart geschrieben. Die Online-Teilnehmenden können das natürlich nicht und sehen nur den Anschrieb auf der Flipchart, interagieren dann aber über den Audiokanal bzw. über den Chat, wenn es Anschlussfragen, Unklarheiten oder Kommentare dazu gibt. Als Ergebnissicherung habe ich dann stets die finalen Mitschriften auf der Flipchart-Tafel abfotografiert und als Fotos im Nachrichtenforum unseres Moodle-Kurses geteilt.

Beschriebene Flipchart-Tafel am Ende einer Sprechstunde

Vorteil für mich: Ich kenne natürlich fast alle unsere Aufgaben aus dem Übungsheft und kann da überall ohne große Vorbereitung etwas fundiertes zu sagen. Ansonsten wäre es vielleicht didaktisch sinnvoll, als Lehrperson Fragen auf ein bestimmtes Gebiet einzuschränken, auf das man sich dann auch noch mal etwas spezifischer vorbereitet hat.

Vorteile des Hybridformats

Als Motivation und Anreize für die lokale Teilnahme vermute ich folgende Punkte:

  • man sieht die anderen Studierenden und Kommiliton*innen sowie die Lehrperson mal als ganzen Menschen und auch ohne Mund-Nasen-Schutz
  • man kann sich vorher oder im Anschluss einfach informell unterhalten
  • Alle Teilnehmenden sind nicht wie in Zoom in einer gemeinsamen Audiodomäne. Das heißt, man kann sich auch mal nebenbei mit seinem Sitznachbarn oder der Lerngruppe unterhalten, ohne dass das alle anderen hören und dabei fachspezifische (und natürlich auch außerfachliche) Dinge diskutieren, wenn es leise genug ist, um die anderen Teilnehmenden nicht zu stören.
  • man ist an der frischen Luft und sich auch etwas bewegen, statt nur still zu setzen oder zu stehen
  • es bringt ein bisschen Abwechslung in Ergänzung zu reinen Online-Lehrformaten
  • man kann die gastronomische Versorgung auf dem Campus nutzen (Mensen, Cafeterien, etc.)
Lebhafte Diskussionen während der Outdoor-Hybrid-Übung gab es zumindest zwischen den lokalen Teilnehmenden

Für die reine Online-Teilnahme sprechen dafür aus meiner Sicht folgende Punkte:

  • man muss nicht zur Universität fahren
  • man kann einfacher mitschreiben, da man wohl meist an einem Tisch sitzt
  • man kann einfacher Numeriksoftware/Simulationsprogramme an einem Computer nutzen

Gern bin ich hier an anderen Vor- und Nachteilen aus anderen Sichtweisen interessiert, die gern im Kommentarbereich ergänzt werden können.

Nachteile des Hybridformats

Eine erste organisatorische Herausforderung ist eine Anmeldemöglichkeit der lokalen Teilnehmenden, die zwar zusätzlichen Aufwand erzeugt, aber die Abschätzung der Anzahl der zu erwartenden Studierenden und eine spätere Kontaktverfolgung ermöglicht. Eine solche Anmeldemaske habe ich in unserem Moodle-Kurs angelegt. Da der Andrang aber auch nach mehreren Terminen überschaubar blieb, habe ich im weiteren Semesterverlauf auf einen vorherige Anmeldung der Präsenzteilnehmenden verzichtet.

Die zweite Herausforderung, die speziell Outdoor-Hybrid-Formate betrifft, ist das Wetter. Schlechtes Wetter erfordert eine kurzfristige Absage, wofür ein Nachrichtenforum im Moodle-Kurs nützlich ist. Wechselhaftes Wetter erfordert robustes Equipment. Zu starker Wind ist ungünstig für die Tonqualität und macht dem Papier der Flipchart zu schaffen. Greller Sonnenschein ist unangenehm und kann zu Reflexionen im Kamerabild führen.

Aus didaktischer Sicht ist es in Hybridformaten generell schwierig, auf beide Zielgruppen (lokal und online) einzugehen. So ist es z.B. sinnvoll, Fragen und Arbeitsanweisungen konkret, eindeutig und möglichst klar für beide Zielgruppen zu formulieren. Außerdem besteht weiterhin die Schwierigkeit, den visuellen und akustischen „Hybriditätsgraben“ zwischen den lokalen und online-zugeschalteten Teilnehmenden zu überwinden. Bei wenigen und kurzen Zwischenfragen sollte man als Lehrperson die Frage kurz wiederholen und erst dann beantworten (oder die Frage noch mal anders in der Antwort verpacken). Bei lebhafteren Diskussionen kann stattdessen eine/n Student*in vor Ort das Handmikrofon übernehmen und darüber auch die Fragen und Kommentare der anderen Vor-Ort-Studierenden für die Online-Teilnehmenden formulieren und zusammenfassen.

Gegenüber den reinen Online-Übungen und Sprechstunden kann man natürlich schlecht etwas mit MATLAB rechnen oder simulieren, weil ich draußen ja keinen Beamer habe. Das war aber „früher“ in den herkömmlichen Übungsräumen auch so, in denen es immer eine klassische Tafel aber selten einen Beamer gab.

Weil unser Gehör problemlos mehrere parallel laufende Gespräche auseinander halten kann, funktionieren didaktische Methoden wie Ich-Du-Wir oder Think!-Pair!-Share! in der Präsenzgruppe viel einfacher und niederschwelliger als in Zoom, wo man jedes Mal neue Breakout-Räume aufmachen muss. Online kann man sich natürlich auch noch mit jemand anderem per Telefon oder zweitem Audiokanal (z.B. Discord) zusammenschalten, aber dort ist es akustisch viel schwieriger, zwei oder mehr parallele Gesprächsfäden auseinanderzuhalten.

Fazit

Eine Outdoor-Hybrid-Lehrveranstaltung ist logistisch etwas aufwendig und natürlich stark wetterabhängig, technisch mit dem passenden Equipment aber kein allzu großes Problem. Der didaktische Mehrwert ist natürlich überschaubar. Man bekommt die Inhalte rein technisch auch genau so gut oder besser in Zoom hin. Priceless ist jedoch: Die Studierenden kamen nach mehr als einem Jahr mal raus aus der Wohnung, auf den Campus, trafen sich mal ‚in echt‘ und hatten die Möglichkeit zum informellen Austausch, der in Zoom, http://wonder.me, http://spatial.chat und http://gather.town eben doch nicht das Gleiche wie auf der „grünen Wiese“ ist. Trotzdem wurde das Format von den Studierenden nicht so angenommen und frequentiert, wie man es bei den oft gehörten Wünschen nach mehr Präsenz- und Hybridformaten erwarten würde. Warum eigentlich?

Seltener Blick der Zoom-Teilnehmenden auf die lokalen Teilnehmenden durch die Rückkamera meines Laptops

Hier findet man bei Twitter weitere Informationen und Fotos aus den einzelnen Terminen:

Praktikum@Home – ein Elektronik-Versuchskasten für Studierende

Gastbeitrag von Maximilian Hollenbach (Lehrstuhl für Elektronik)

Die physische Kontaktbeschränkung durch die Coronapandemie stellte und stellt alle Lehrenden vor die immense Aufgabe, Ersatz für Ihre etablierten Formen des Wissenstransfers an Lernende und Studierende zu finden.

Ich bin als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Elektronik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg tätig. Unser Lehrstuhl bietet unter „normalen“ Umständen zur praktischen Anwendung der in der gleichnamigen Vorlesung vermittelten Inhalte das Laborpraktikum „Elektronische Schaltungstechnik“ an. Dieses besteht aus mehreren Versuchen, in denen typische Schaltungen der Elektronik, beispielsweise Verstärker, Filter und Oszillatoren, durch die Studierenden untersucht werden.

Im Zuge der sich immer wieder ändernden Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus war im Jahr 2020 schwer abzuschätzen, ob und in welchem Umfang die Durchführung von Präsenzveranstaltungen in der Universität möglich sein wird. Aus diesem Grund haben wir am Lehrstuhl einen Plan B entworfen, das Praktikum@Home. Die Idee dahinter ist mit möglichst einfachen Mitteln eine Art Versuchskasten zu schaffen, mit dem wir das Praktikum zu den Studierenden nach Hause bringen können. Der Kasten sollte alle nötigen Bauelemente und Geräte enthalten, um trotz Heimarbeit Wissen über den Aufbau und die Funktion elektronischer Schaltungen zu vermitteln. Es sollten genug Versuchskästen beschafft werden, um diese in mehreren Durchgängen an die Studierenden auszugeben, welche zu Hause experimentieren und die Kästen im Anschluss wieder abgeben. Auf diese Weise könnten auch mit begrenzten Mitteln viele Studierende an den praktischen Übungen und dem Praktikum@Home teilnehmen.

Der Inhalt der Kästen wurde anhand der bestehenden Laborversuche von mir ausgewählt und mit den Praktikumsleitern abgestimmt. Dabei bestand nicht das Ziel, die vorhandenen Laborversuche eins-zu-eins zu den Studierenden nach Hause zu bringen. Stattdessen wurden die Versuche bei gleicher Thematik und ähnlicher Zielstellung auf das vorhandene und kurzfristig beschaffbare Material angepasst.

Experimentierset für das Praktikum@Home zur Lehrveranstaltung „Elektronische Schaltungstechnik“

Jedes Set hat dabei knapp über 300 € gekostet und enthält verschiedene Bauelemente, einfache Messgeräte und notwendiges Zubehör wie Kabel und Adapter für interessante Versuche. Über den Bluetooth-Audioempfänger, den Kopfhörer und Klinkenbuch lassen sich Audiosignale einspeise und auslesen, so dass man z.B. Filterschaltungen mit Sprach- oder Musiksignalen testen kann. Jedes Set enthält:

Die Versuchskästen kamen bis zum Ende des Wintersemester noch nicht zum Einsatz, weil der letzte reguläre Praktikumsdurchlauf bereits vor den strengeren Eindämmungsmaßnahmen abgeschlossen war. Ich sehe in den angeschafften Kästen jedoch eine Chance für die Verbesserung der Lehre über die Coronapandemie hinaus. Sie können zum Beispiel für freiwillige Veranstaltungen mit geringer Teilnehmerzahl genutzt werden, um in Zukunft den Studierenden mehr praktisches Wissen und entsprechende Kompetenzen zu vermitteln. Meiner Meinung nach ist so eine „praktische“ Komponente – das eigenständige Aufbauen von Schaltungen und die Untersuchung der Funktion (vor allem dann, wenn etwas nicht funktioniert) ein sehr gutes Mittel, um tieferes Verständnis für elektronische Schaltungen und ihre Bauelemente zu entwickeln.

Bitte kein aufwendiges und wenig nutzbringendes Online-Proctoring!

In Reaktion auf ein schönes amtliches Dokument zu Online-Prüfungen, die „Ordnung zur Bewältigung der durch die Coronavirus SARS-CoV-2-Epidemie an den Betrieb der Bergischen Universität Wuppertal gestellten Herausforderungen in Studium, Lehre und Prüfungen„, in der Ideen zur Abwicklung für mündliche und schriftliche Online-Prüfungen und z.B. auch der Umgang mit (technischen) Störungen zusammengefasst sind, habe ich mal ein paar Gedanken zum Umgang und zur Abwicklung solcher Prüfungen verschriftlicht, weil ich davon ausgehe, dass auch anderen Hochschulen in Kürze ähnliche Ordnungen bevorstehen.

Hier ein erster Auszug aus dem Dokument:

Durchfuehrungsbestimmungen_mit_Markierungen

Mir erschließt sich z.B. nicht so ganz, wo der Vorteil liegen soll, den Studierenden die Prüfungsunterlagen per Post zuzuschicken (was aufwendig, teuer und bei internationalen Studierenden im Ausland auch logistisch schwierig ist) und diese auch wieder per Post einreichen zu lassen. Es ist außerdem sehr schwierig, 25 Studierende per Videokamera gleichzeitig dabei zu beaufsichtigen, wie sie auf Kommando die Briefe öffnen und diese dann 90 min später auf Kommando auch wieder sicher versiegeln. Ich sehe auch schon viele Studierende nach „briefe aufdampfen wie in sonnenallee“ googlen ;-).

Warum verzichtet man nicht einfach auf die Nutzung von speziellem Klausurpapier und stellt den Studierenden die Prüfungsaufgaben just-in-time per Moodle oder E-Mail zur Verfügung, gern auch als zertifiziertes PDF-Dokument inklusive eines Hashwertes, den die Studierenden zu Beginn der Prüfung verifizieren sollen. Stimmt der Hashwert nicht, löst der Prüfling also potentiell einen verfälschten Aufgabenzettel, fällt das sofort auf. Randomisierte Aufgaben und große Aufgabenpools erfordern eine eigenständige Lösung der Studierenden. Kompetenz- und nicht wissensreproduktions-orientierte Aufgaben ermöglichen das Konzept von Open-Book-Klausuren umzusetzen, die es ja vorher in Präsenzprüfungszeiten auch schon als sogenannte „Kofferklausuren“ gab.

Die gleiche Online-Variante würde auch bei der Einreichung funktionieren. Die Studierenden fotografieren Ihre handschriftlichen Lösungsblätter ab (was ja bei unseren personalisierten Aufgaben auch sehr gut funktioniert), generieren ein Hashwert und reichen den Hashwert sofort, die eigentlichen Dateien bei geringer Bandbreite zur Not auch zeitverzögert per Moodle oder E-Mail ein. Eine nachträgliche Manipulation ist damit technisch ausgeschlossen. Die dafür nötigen Hashwerte zu generieren ist nicht aufwendig, das geht einfach im Browser. Die somit sofort digital vorliegenden Lösungen können dann auch direkt digital an die korrigierenden Personen verteilt werden und man hat keinen Papierkrieg. Was ist z.B. auch, wenn einer der Prüfungsbriefe verloren geht? Werden diese per Einschreiben mit Rückschein verschickt? Haftet die Post für eine nichtbestandene Prüfungsleistung? Das erscheint mir alles wenig durchdacht.

Ansonsten halte ich die gleichzeitige Videoüberwachung aller Studierenden für sehr paranoid, befremdlich, datenschutzrechtlich bedenklich und auch unnötig. Es entspricht auch nicht unserem Leitbild Lehre, in dem es heißt: „Die Basis unserer Informations- und Kommunikationskultur sind Vertrauen und Transparenz.“

Wenn jemand betrügen möchte, wird er oder sie es auch mit Videoüberwachung schaffen. Dritte Personen können sich sonstwo in einem Raum verstecken, man kann falsche, vorproduzierte Kamerabilder einspeisen, beim Ton ist das noch einfacher, etc. Wer es als MINT-Student*in nicht schafft, seine eigenen Atem-, Schreib- und eventuell auch Tippgeräusche in Dauerschleife aufzuzeichnen und in ein Videokonferenzsystem einzuspeisen, sollte sowieso keinen MINT-Abschluss bekommen ;-). Die permanente Videoüberwachung benötigt auch unnötige Bandbreite und ist technisch anfällig. Außerdem ist auch sehr fraglich, was nun passiert, wenn absichtlich oder unabsichtlich (wie will man aus der Ferne unterscheiden, ob ich bei meiner Fritz!Box den Stecker rausgezogen oder der Bagger vorm Haus das Kabel gekappt hat) die Verbindung zusammenbricht.

Wenn man es richtig machen würde, sollte man z.B. den Prüfling, seinen Schreibtisch und einen Computermonitor im Bild haben, auf dem z.B. eine bestimmte Webseite geöffnet ist. Diese Webseite wechselt in beliebigen Abständen die Hintergrundfarbe in nicht-vorhersagbarer Reihenfolge. Damit würde in einer Proctoring-Überwachung sofort auffallen, wenn von einem Prüfling kein Live-Bild sondern etwas Vorproduziertes in Dauerschleife läuft. Die Frage ist, ob man den Studierenden so viel Misstrauen entgegen bringen möchte. Außerdem benötigen die Studierenden dafür mindestens zwei digitale Endgeräte bzw. eine Webcam mit genügend langem USB-Kabel.

Wenn man solche technischen Raffinessen aber nicht nutzt, ist alles Online-Proctoring (Ausweisen der Studierenden durch Lichtbildausweis, Kameraschwenk durch den Raum, etc.) umsonst, weil es sich vergleichsweise einfach durch Einspeisen von vorproduziertem Material umgehen lässt.

Hier ein zweiter Auszug aus dem Dokument:

Durchfuehrungsbestimmungen2_mit_Markierungen

Außerdem finde ich es organisatorisch sehr spannend, wie eine aufsichtsführende Person für eine z.B. 90-minütige Prüfung nacheinander

  1. alle studentischen Ausweise mit Lichtbild kontrolliert (was ist mit Webcams mit Festfokus auf die typischen 50 cm Distanz, da kann man sonstwas in die Kamera halten, kleine Sachen scharf darzustellen, ist unmöglich, wie lange wird so etwas wohl dauern, 25 mal x Sekunden?)
  2. bei allen Studierenden einen Kameraschwenk im Raum macht (sehen diesen dann auch die anderen Studierenden oder macht die Aufsicht das in 25 separaten Breakout-Räumen?, wie lange wird so etwas wohl dauern, 25 mal x Sekunden?)
  3. dann alle (gleichzeitig?) dabei beaufsichtigt, wie die vorher natürlich nicht manipulierten Briefumschläge geöffnet werden (wie stark muss man vorher seine Kameralinse mit fettigen Fingern anfassen und gegen das Licht ausrichten, damit der kleine wieder zugeklebte Schlitz an der Briefunterseite nicht auffällt?)
  4. dann (optional) die Aufgaben diktieren (!?, wie sieht es da mit der Barrierefreiheit aus)
  5. immer mal wieder Studierende, die den Eindruck erwecken, unnötig nach links oder rechts zu schauen und seltsam unsynchrone Lippenbewegungen zu machen (was ist eigentlich mit Bauchredner*innen?) bittet, weitere Kameraschwenks durch den Raum zu machen, worauf sich die promovierte Hilfsperson immer schnell unterm Jugendbett versteckt
  6. Studierende zwischenfragen, ob und wie lange sie mal die heimische Toilette aufsuchen dürfen (um mal schnell ein paar Sachen auf den Smartphone zu googlen)
  7. am Ende alle (wieder gleichzeitig?) dabei beaufsichtigt, den Briefumschlag zu versiegeln (MINT-Sonderfrage: Wie viel dpi muss ein Scanner und Farbdrucker haben, damit man selbst oder jemand anderes während der Prüfung das Siegel reproduziert, so dass es bei verschmierter Kameralinse mit Festfokus echt genug aussieht? Gibt es dann wenigstens für jede Prüfung ein anderes Siegel, so dass die Studierenden sich immerhin den Aufwand leisten müssen, es jedes mal neu einzuscannen und auszudrucken und nicht einfach das von der letzten Prüfung aus der WhatsApp-Gruppe zu nehmen.)

Fragen über Fragen, beliebig viele Angriffsvektoren, richtig durchdacht scheint mir das Konzept noch nicht. Ich frage wirklich, was und wo das Problem ist, auf den ganzen Zauber zu verzichten, ordentliche, sinnvolle, randomisierte und kompetenzorientierte Prüfungsfragen zu stellen und auf eine Eigenständigkeitserklärung der Studierenden zu vertrauen (gern auch mit mehreren kleinen Prüfungen über das Semester verteilt, statt einer großen Abschlussprüfung). Alles andere macht nur beliebig viel Aufwand und bringt dafür beliebig wenig Nutzen.

 

Mist, schon wieder versprochen, dann fang ich noch mal an …

Stufe 1: Präsenzlehrende kennen das Problem, sich in großen Hörsälen mit Funkmikrofon und Lautsprecheranlage an den Klang der eigenen Stimme gewöhnen zu müssen. Nach ein paar Wochen ist das dann das Normalste der Welt.

Stufe 2: Sich selbst das erste Mal über Mikrofon und Lautsprecher auf Englisch (oder einen anderen Fremdsprache) sprechen zu hören, war zumindest für mich auch wieder eine Zeit lang gewöhnungsbedürftig.

Stufe 3: Die eigene Stimme per Mikrofon z.B. für ein Erklärvideo aufzuzeichnen und zu wissen, dass das jetzt nicht nur so live gesprochen wurde sondern für immer und alle Zeit „im Internet“ steht, klingt erst mal schwierig, war interessanterweise für mich aber auch nur eine weitere Gewöhnungssache.

Kurzum, ich kann verstehen, wenn Lehrende Bedenken haben und es ihnen eventuell peinlich ist, sich in Erklärvideos zu versprechen und diese Videos dann trotzdem im Internet zu veröffentlichen. Nichtsdestotrotz stelle ich alle meine Videos seit Jahren frei verfügbar auf YouTube (und auf unsere universitätsinterne Mediasite, auf der sie aber leider kaum jemand findet) und habe bisher ausschließlich positive Rückmeldung von unseren (und natürlich auch universitätsfremden) Studierenden bekommen. Ich habe mittlerweile auch keine Angst vor möglichen Versprechern und Verhasplern. Auch nach dem fünften Bier in der Baracke [ein beliebter Studierenden-Club in Magdeburg] hat mir noch keine(r) der Studierenden erzählt „Herr Magdowski, ich finde das übrigens voll lol wie Sie sich immer einen abstammeln in Ihren Videos“, was ich manchmal tatsächlich tue.

Da meine Videos unter CC-BY-SA-Lizenz veröffentlicht sind, könnten die Studierenden auch mal ein Best-Of meiner schönster Fehler und Versprecher zusammenschneiden und veröffentlichen, sogar legal, auch das hat bisher noch niemand getan (mal schauen, ob es jetzt jemand tut).

Statt Angst vor Versprechern zu haben, würde ich mittlerweile auch schwer davon abraten, einen Text für ein Video vorzuformulieren und dann von einem Teleprompter oder etwas Ähnlichem abzulesen. Es gibt zahlreiche solcher Videos, z.B. hier von der Fernuniversität Hagen.

Ich finde solche Videos, insbesondere das zur Zielgruppenanalyse sehr langweilig, nicht inhaltlich, aber von der Erzählweise her. Man merkt halt deutlich, dass das Video besonders gut werden sollte, weshalb man vorher einen Text geschrieben hat und diesen sicher mehrfach korrekturgelesen, korrigiert und perfekt ausformuliert hat. Jeder Satz sollte wohlüberlegt klingen. Diesen fertigen Text hat man dann möglichst ebenso perfekt vor- bzw. abgelesen. Damit ist der Text aber tot. Es ist keine Lesung und auch „Vorlesungen“ waren schon immer eine schlechte Idee. Statt besonders gut zu werden ist das Video jetzt besonders langweilig geworden.

Warum überlegt man sich für ein Erklärvideo stattdessen nicht eine grobe Struktur, macht sich eine paar wenige Notizen, legt sich vielleicht die ersten zwei bis drei Sätze zurecht, so dass man wenigstens diese unfallfrei und ohne „Knoten in der Zunge“ aussprechen kann und erzählt dann einfach „frei von der Leber“ weg, was man zu dem Thema sagen möchte. Klar sind das mal ein paar „Ähs“ und „Ähms“, aber das macht das Video doch authentisch und lebendig. Außerdem sollte wohl jeder, der von sich behauptet, eine gewisse Expertise zu einem Thema zu haben, in der Lage sein, mal 5 min bis 10 min einigermaßen zusammenhängend dazu zu sprechen, ohne sich vorher einen Text aufzuschreiben.

Wenn man sich dann gleich am Anfang schwer verspricht, okay, dann fängt man halt noch mal an. Verspricht man sich nach 10 Minuten, tja, schade, weiter geht es. Ein Versprecher nach 20 Minuten ist egal, so lange schauen sich die meisten das Video vermutlich sowieso nicht an, und wenn, dann ist es inhaltlich sehr interessant und fesselnd, und ein Versprecher zu verschmerzen.

Kurzum, einen Text für ein Erklärvideo vorzubereiten und dann lebendig vorzulesen, ist zeitaufwendig und schwierig. Keinen Text vorzubereiten und Versprecher herauszuschneiden ist vermutlich noch zeitaufwendiger. Im Sinne von „Do you need it perfect or by Tuesday?“ sind Versprecher in Erklärvideos aus pragmatischer Sicht das Normalste der Welt.

 

Feedback-Bogen „Wie geht es Ihnen?“ zur Online-Lehre in der Corona-Krise

Bereits wenige Tage nachdem abzusehen war, dass die Präsenzphase des Sommersemesters verspätet starten würde (siehe dazu auch mein Video „Tipps zur Online-Lehre in der Corona-Krise an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg„), habe ich unsere Studierenden in der Grundlagen der Elektrotechnik mit einem Arbeitsauftrag für die nächsten Wochen bis zum geplanten Semesterstart ausgestattet. Um mir ein bisschen Rückmeldung von den Studierenden zu holen, habe ich dann heute folgenden Fragebogen über unser Lernmanagment-System Moodle an alle verschickt. Vielleicht ist dieser Bogen ja für einige andere als Anregung nützlich.

Feedback: Wie geht es Ihnen?

Liebe Studierende,

auch ich vermisse den persönlichen Kontakt zu Ihnen. Daher möchte ich Sie nicht nur mit Lernmaterialien und Aufgaben zu den Grundlagen der Elektrotechnik versorgen, sondern mich auch nach Ihrem Wohlbefinden erkundigen. Deshalb finden Sie im Folgenden einen kurzen Fragebogen und würde mich über Rückmeldung freuen.

Viele Grüße und bleiben Sie gesund!

  1. Wie geht es Ihnen? (Single Choice)
    sehr schlecht
    schlecht
    geht so
    gut
    sehr gut
  2. Haben Sie Kontakt zu Ihren Kommiliton*innen (per Telefon, Skype, WhatsApp, Instagram, etc.)? (Single Choice)
    mehrmals täglich
    täglich
    mehrmals wöchentlich
    wöchentlich
    seltener
  3. Haben Sie in diesen Tagen ausreichend Zeit, sich mit digitalen Lernangeboten auf die Vorbereitung der Präsenzphase des Semesters vorzubereiten? (Single Choice)
    nein
    eher nein
    eher ja
    ja
  4. Haben Sie bereits genügend Erfahrung mit digitalen Lehrangeboten, um diese sinnvoll einschätzen und nutzen zu können? (Single Choice)
    nein
    eher nein
    eher ja
    ja
  5. Lernen Sie lieber allein oder in einer Gruppe? (Single Choice)
    allein
    in der Gruppe
  6. Verfügen Sie über die nötigen Hilfsmittel, um Online-Lehrangebote wahrnehmen zu können? (Multiple Choice)
    PC/Laptop/Tablet/Smartphone
    Webcam
    Headset
    stabile und breitbandige Internetverbindung
  7. Wie empfinden Sie den Umfang der bisherigen Lernmaterialien und Aufgaben zu den Grundlagen der Elektrotechnik? (Single Choice)
    viel zu wenig
    zu wenig
    genau richtig
    zu viel
    viel zu viel
  8. Wie schätzen Sie den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben ein? (Single Choice)
    viel zu schwer
    zu schwer
    genau richtig
    zu leicht
    viel zu leicht
  9. Was können wir als Lehrpersonen besser machen? (Freitext)
  10. Was wünschen Sie sich sonst noch? (Multiple Choice)
    Hilfe bei der Lösung der Aufgaben
    Hilfe im Umgang mit den digitalen Werkzeugen (Moodle, YouTube, etc.)
    mehr Kontakt zu den Kommiliton*innen/der Lerngruppe
  11. Wie soll es mit der Lehrveranstaltung „Grundlagen der Elektrotechnik II“ weitergehen? (Single Choice)
    Ich möchte die freie Zeit bis zum Start der Präsenzphase möglichst effektiv nutzen und so viel wie möglich online erarbeiten.
    Ich warte lieber auf den Start der Präsenzphase mit den normalen Übungen und versuche dann, alle Inhalte in kürzerer Zeit nachzuholen.
    Ich würde mir wünschen, dass das Sommersemester verlängert wird, damit die Präsenzphase wie üblich 14 Wochen dauern kann.
    Für mich wäre es in Ordnung, wenn dieses Semester einfach komplett ausfällt und alle Inhalte in einem späteren Semester unter normalen Bedingungen nachgeholt werden.
  12. Das wollte ich noch loswerden. (Freitext)

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Diese hilft uns sehr, ein geeignetes Online-Lehrformat für die nächsten Wochen zu entwickeln.

Sobald ich eine repräsentative und aussagekräftige Rückmeldung habe, werde ich diese nach Möglichkeit auch hier veröffentlichen.