Technik-Aufbau-Checkliste für hybride Lehrveranstaltungen

Dieser Blog-Artikel ist eigentlich mehr als Notiz für mich selbst gedacht, vielleicht aber auch für andere Lehrpersonen nützlich. Ich beschreibe den Prozess zum Einrichten und Aufbauen der Technik (Hardware und Software) für eine hybride Lehrveranstaltung als Checkliste bzw. „Startprotokoll“, und halte fest, welche Dinge, wann, wie und in welcher Reihenfolge erledigt werden sollten, so dass am Ende alles möglichst reibungslos funktioniert.

T minus 1 Woche

  • Raum planen, anfragen und den Teilnehmenden bekannt geben
  • falls man als Lehrperson noch nie dort war, nach Möglichkeit mal kurz vorbeischauen und den Raum besichtigen
    • Was für Technik (Beamer, Leinwand, Lautsprecher, Smartboard, Mikrofonanlage, etc.) ist bereits vor Ort, die man nutzen könnte?
    • Was für Anschlüsse und Steckdosen sind vorhanden?
    • Welche eigene Technik muss man für das geplante Szenario mitbringen?
    • Welche Kabel, Adapter, Verlängerungen, etc. muss man dafür noch mitnehmen?
    • eventuell nötige Technik zum Verleih anfragen
  • Videokonferenzmeeting anlegen und die Zugangsdaten mit den Teilnehmenden teilen
    • für regelmäßige Veranstaltungen ein wiederkehrendes Meeting mit festen Zugangsdaten anlegen
    • Zugangsdaten nicht öffentlich in den sozialen Medien teilen, sonst steigt die Gefahr von Zoom-Bombing stark an
  • eventuellen parallelen Streaming-Dienst planen
    • eigene Zugangsdaten (Stream-URL und Stream-Key) in Kenntnis bringen
    • Teilnahmelink mit den reinen Online-Teilnehmenden teilen

T minus 1 Tag

  • konkrete Aktivitäten und Interaktionen mit den Lernenden planen und vorbereiten
  • eventuell die Akkus von irgendwelchen akkubetriebenen Geräten (Mikrofone, Tablet-PCs, etc.) aufladen

T minus 1 Stunde

  • Lehrmaterialien wie Folien, Webseiten, Quizze, Umfragen, Arbeitsaufträge, etc. fertigstellen und z.B. in einem Cloud-Speicher sichern
  • nötige Technik zusammenpacken

T minus 30 Minuten

Von nun an ist die konkrete Reihenfolge wichtiger:

  1. im Lehrveranstaltungsraum ankommen
  2. Laptop auspacken und einschalten bzw. einen eventuell vorhandenen PC einschalten
  3. Bedienoberfläche des Laptops/PCs „lehrveranstaltungsbereit“ machen
    • unnötige Programme und Apps schließen
    • unnötige Tabs im Browser schließen
    • Benachrichtigungen ausschalten, z.B. von E-Mail- und Antivirus-Programmen
    • nötige Lehrmaterialien klickbereit öffnen und vorbereiten, sich eventuell dafür in den entsprechenden Online-Portalen anmelden
  4. erst jetzt das HDMI-Kabel anschließen und den Beamer einschalten
    • Bildprojektion und Auflösung testen, eventuell Raum verdunkeln
    • prüfen, ob der Bildschirm geklont oder erweitert wurde, gegebenenfalls nach Wunsch umstellen
    • prüfen, ob der Desktop-Ton über das HDMI-Audio wiedergegeben wird, ob eine weitere Audioausgabe per Klinkenkabel notwendig ist oder ob z.B. ein Bluetooth-Lautsprecher verbunden werden muss
  5. Kamera(s) und Mikrofon(e) verbinden
  6. Videokonferenzsoftware starten, kurzer Test der Kamera(s), der Mikrofon(e), der Audioausgabe und eventueller Rückkopplungen, z.B. in Verbindung mit einer Hörsaalmikrofonanlage
  7. eigenes Kamerabild prüfen
    • Passen der Bildausschnitt und die Beleuchtung?
    • Gibt es störende Reflexionen oder Blendungen, z.B. von Leuchten oder Sonnenlicht?
    • Sind ablenkende oder unästhetische Gegenstände im Kamerabild zu sehen (z.B. Mülleimer, Waschbecken, abgestellte Technik, etc.)
    • Ist gegebenenfalls ein Personen-Tracking bzw. eine Gestensteuerung aktiviert?

T minus 15 Minuten

  1. Videokonferenzmeeting für die Teilnehmenden starten
    • eventuell einen oder mehrere Breakout-Räume mit freier Raumwahl zum informellen Austausch der Zoomies starten
      • z.B. die Räume „Kaffee“, „Tee“ und „Heiße Schokolade“ oder
      • die Räume „Saft“, „Limonade“ und „Wasser“
      • oder Räume nach Studiengängen, Anfangsbuchstaben der Namen, Geburtsmonaten, etc.
    • im Hauptraum der Videokonferenz eine Willkommensfolie teilen, so dass Teilnehmende wissen, dass sie im richtigen Meeting sind (nur diese Folie, nicht den gesamten Bildschirm teilen, so dass man als Lehrperson eventuell noch ein bisschen in den anderen Materialien klicken kann, ohne dass das alle Zoomies sehen)
    • eventuell das Desktop-Audio freigeben und Wartemusik in die Videokonferenz einspielen (Lizenzhinweis auf der Willkommensfolie notwendig?)
    • eventuell Raumkameras aktivieren und in geeigneter Ansicht (Privatsphäre der Roomies beachten) teilen
    • eigenes Mikrofon zunächst stummschalten
  2. eventuell parallelen Stream starten
    • falls vorher in Zoom der gesamte Bildschirm geteilt wurde, möglicherweise kurzzeitig die Bildschirmfreigabe beenden, so dass die Weiterleitung zum Streaming-Dienst nur lokal sichtbar ist
    • Hinweis einblenden, wann die eigentliche Lehrveranstaltung startet
  3. eventuell ein Foto machen und in den sozialen Medien teilen
  4. eventuell etwas Smalltalk mit den Studierenden vor Ort machen, eventuelle erste Fragen der Zoomies im Chat beantworten

T minus 1 Minuten

  1. gewünschten Bildschirminhalt freigeben
    • bei geplantem häufigem Wechsel zwischen verschiedenen Anwendungsfenstern einfach den gesamten Bildschirm freigeben, sonst sicherheitshalber nur die eigentlichen Folien
    • Desktop-Audio mit freigeben, wenn nötig, z.B. für die Hintergrundmusik in interaktiven Quizzen, kurze Audio- oder Videoeinspielungen oder andere Signaltöne von Anwendungen
  2. gegebenenfalls die Wartemusik ausschalten
  3. gegebenenfalls die Breakout-Räume schließen
  4. letzter Soundcheck vor Ort mit dem Hörsaalmikrofon
  5. letzter Soundcheck im Videokonferenzsystem
  6. Stummschaltung der Mikrofon(e) aufheben

T (Go)

  1. Lernende begrüßen, sowohl im Raum als auch in der Videokonferenz
  2. Roomies bitten, kurzzeitig in die Raumkamera zu schauen und z.B. zu winken, um die Zoomies zu begrüßen, danach die Raumkamera eventuell ausblenden
  3. Zoomies bitten, kurzzeitig ihre Kameras einzuschalten und z.B. zu winken, um die Roomies zu begrüßen
  4. alle noch mal auf die Herausforderungen des Hybridformats hinweisen und bitten, technische Schwierigkeiten (z.B. wenn etwas nicht zu sehen oder zu hören ist), die auch unabsichtlich auftreten können, möglichst frühzeitig zu melden, z.B. per Chat oder durch einen kurzen mündlichen Hinweis
  5. bei geklontem Bildschirm am Laptop und Beamer die Zoomies darauf hinweisen, dass Privatnachrichten im Chat an die Lehrperson möglicherweise für alle Roomies sichtbar im Raum angezeigt werden, alternative Kanäle wie E-Mail oder einen Messenger vorschlagen
  6. lehren, mit den Lernenden interagieren, aktivieren, moderieren, diskutieren, selbst lernen, Spaß haben, experimentieren, quizzen, Umfragen durchführen, etc.
    • eventuelle Kleingruppenarbeiten im Breakouträumen für die Zoomies bzw. in Murmelgruppen für die Roomies
    • Zeit im Blick behalten
    • wenn etwas nicht funktioniert auf Plan B umschalten oder mit dem nächsten Punkt weitermachen
    • nebenbei immer mal in den Chat oder ein paralleles Online-Werkzeug zum Sammeln von Fragen schauen, eventuell durch eine studentische Co-Moderation unterstützen lassen

T plus 90 Minuten (oder wie lange der Spaß auch immer dauert)

  1. eventuell die reinen Online-Zuschauenden im parallelen Stream verabschieden
  2. Stream deaktivieren
  3. Zoomies verabschieden, eventuelle abschließende Fragen klären, alle noch mal kurz in die Kamera Winken und laut Tschüss sagen lassen
  4. Roomies verabschieden, alle noch mal kurz in die Raumkamera winken lassen, wenn vorhanden
  5. Videokonferenzmeeting ausschalten, falls noch Austausch unter den Zoomies notwendig und gewünscht ist, eine bekannte und vertrauenswürdige Personen zum Host machen und das Meeting so weiterlaufen lassen, eventuell auch mit Breakout-Räumen
  6. eventuelle abschließende Fragen mit den Roomies klären
  7. gegebenenfalls erarbeitete Lernartefakte wie Skizzen, Whiteboards, Etherpads, etc. abspeichern und den Chat sichern

Technik zusammenbauen

  1. Beamer ausschalten, HDMI-Kabel trennen
  2. Laptop in den Standby-Modus versetzen bzw. herunterfahren
  3. Kameras(s) und Mikrofon(e) abbauen
  4. alles sicher für den Transport verstauen
  5. gegebenenfalls geliehene Technik zurückbringen

Nachbereitung

  • Aufzeichnung und Lernprodukte mit den Lernenden teilen, z.B. über die Lernplattform
  • für einen größeren Kreis spannende Erkenntnisse eventuell in den sozialen Netzwerken teilen
  • Kleinigkeiten in den Lehrmaterialien verbessern, die einem aufgefallen sind
  • Lehrveranstaltung reflektieren (Was lieft gut? Wo gab es Verbesserungsbedarf?)

Die Liste ist für dich hilfreich? Deiner Meinung nach fehlt ein wichtiger Punkt? Schreib etwas in die Kommentare!

1 Kommentar zu „Technik-Aufbau-Checkliste für hybride Lehrveranstaltungen“

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