Equipment-Koffer zur Digitalisierung von Lehrveranstaltungen

Auf Anregung von Matthias Kostrzewa diskutiere ich hier mal eine aus meiner Sicht und Erfahrung recht nützliche Zusammenstellung für einen „Digitalisierungskoffer“, der sich an Lehrende oder auch Lehramtsstudierende richtet, die mit wenig Aufwand Lehrveranstaltungen als asynchrone wie synchrone Online- oder (selbstverständlich synchrone) Hybridvariante realisieren möchten.

Laptop:

Ich nutze ein Microsoft Surface Pro mit Intel®-Core™-i7-Prozessor, 16 GB RAM und 1 GB SSD-Speicher. Für Zoom-Videokonferenzen, umfangreiche MATLAB-Rechnungen, LTspice-Simulationen elektrischer Netzwerke und Screencasts reicht das allemal. Die Docking-Station ermöglicht einen zweiten Monitor und weitere USB-Geräte anzuschließen. Nur beim direkten Streamen in Twitch kommt das Gerät mangels einer richtigen hardware-beschleunigten Grafikkarte an seine Grenzen.

Kameras:

  • Die im Surface-Tablett eingebaute Frontkamera ist bereits sehr gut, so dass ich diese oft für Videokonferenzen nutze. Dafür musst man die Kamera natürlich durch einen Laptopständer auf Augenhöhe bringen, um die unvorteilhafte Nasenloch-Doppelkinn-Perspektive zu vermeiden. Ich nutze dafür gern den Laptop Ständer HCDG-400B von Hercules Stands. Ansonsten kann man dafür auch einfach eine Pappkiste oder einen Transportkoffer bzw. ein Pelicase nutzen. Die Rückkamera des Surface-Tabletts kann notfalls als Zweitkamera für das Abfilmen von Experimenten genutzt werden.
  • Die Logitech C920 ist recht günstig, liefert HD-Qualität und lässt sich flexibel auf Monitoren und Stativen befestigen.
  • Die Logitech BRIO liefert eine bessere 4K-Bildqualität und macht auch bei ungünstigeren Lichtverhältnissen ganz gute Bilder, hat aber die gleichen Befestigungsmöglichkeiten.
  • Die Logitech StreamCam mit 60 Bildern pro Sekunde ist ebenfalls gut portabel und bietet Stativmontage, hat aber „nur“ einen USB-C-Anschluss.
  • Von Kameras ohne direkten USB-Anschluss, die weitere Adapter benötigen, würde ich für den mobilen Einsatz abraten. Das USB-Kameras aufgrund des asynchronen Datenbusses gegenüber HDMI-Kameras wohl eine nicht perfekt-konstante Framerate liefern, kann einem für Online-Lehrformate meines Erachtens komplett egal sein.

Stative:

  • Als kleines Tischstativ (passt auch prima auf einen Schrank oder ein Fensterbrett) empfiehlt sich das PIXI Mini-Stativ mit Smartphone-Halterung von Manfrotto.
  • Ein etwas größeres Tischstativ gibt es mit dem Pro Easy 38 Tisch- & Kamerastativ von Walimex. Es ist sehr flexibel und klein verstauhbar, aber aus meiner Sicht sehr fummelig in der Bedienung und Einstellung.
  • Als etwas größeres Stativ eignet sich das kleine „Element Traveller Carbon Stativ mit Kugelkopf“, ebenso von Manfrotto. Es ist super leicht, klein packbar und sehr flexibel in der Nutzung, braucht aber aufgrund der vielen Teleskopverlängerungen recht lange im Aufbau und trägt auch keine schweren Spiegelreflexkameras sicher.
  • Das noch größere Stativ „290 Xtra Alu Stativ QPL mit Kugelkopf und 3 Segmenten von Manfrotto ist demgegenüber schon echt schwer und nicht ganz so transportabel, aber schneller aufzubauen und auch für schwere Kameras geeigneter.

Mikrofone:

  • Mein Arbeitspferd ist ein Kabel-Ansteckmikrofon SR-ULM10 von Saramonic. Das Mikrofon ist klein und leicht, ist portabel, bietet guten Klang und genügend Bewegungsfreiheit, wenn man vor dem Rechner stehen oder sitzen bleibt.
  • Für mehr Bewegungsfreiheit, z.B. für hybride Lehrveranstaltungen habe ich ein Funk-Ansteckmikrofon Go Mic Mobile® Lavalier Wireless System von Samson. Hier muss man natürlich mehr ein- und auspacken sowie mehr Kabel stecken und Schalter drücken bevor es läuft, trotzdem ist alles prima transportabel.
  • Für Diskussionsrunden, Fragen aus dem Publikum oder hybride Diskussionen eignet sich das Funk-Handmikrofon Go Mic Mobile® – Professional Wireless System for Mobile Video von Samson. Trotz Pelicase für den mobilen Einsatz, oft benutzt habe ich es leider noch nicht.
  • Früher, vor der Pandemie, nutze ich für Erklärvideos und wichtige Webinare oft ein portables USB-Tischmikrofon Go Mic Portable USB Condenser Microphone von Samson als Tipp von Jörn Loviscach. Trotz der Verpackung in einem Pelicase nutze ich es kaum noch, auch weil die Tonqualität nicht immer optimal ist.
  • Zum Streamen nutze ich mittlerweile auch gern ein NT-USB bzw. NT-USB Mini von RØDE Microphones. Diese bieten eine sehr gute Tonqualität. Allerdings muss man immer schön brav vor dem Mikrofon sitzen und darf sich nicht zu sehr bewegen, damit die Lautstärke nicht schwankt. Außerdem sind die Mikrofone aufgrund der Größe und Masse, selbst in der Mini-Variante, nicht wirklich für den mobilen Einsatz geeignet.
  • Von Mikrofonen mit analogem Klinkenstecker würde ich wegen möglichem Rauschen abraten, ebenso von anderen professionellen Mikrofonen mit XLR-Stecker, die weitere Adapter benötigen und damit für den mobilen Einsatz eher ungeeignet sind.

Zeichentabletts:

  • Ich nutze sehr gern die Wacom Intuos in den Größen S und M, in der kabelgebundenen Variante bei der Größe S und mit eingebauten Akku und Bluetooth in der Größe M. Die kleine Variante ist auch super portabel, dafür kann man auf der größeren natürlich schöner und feiner schreiben und zeichnen, was bei mir insbesondere für Indizes an Formelzeichen wichtig ist. Dass man zunächst mal „blind“ schreibt und das Ergebnis nur indirekt auf dem Bildschirm sieht, ist am Anfang natürlich gewöhnungbedürftig, aber eigentlich ein großer Vorteil, weil man so gezwungen ist, immer den Bildschirm im Blick zu behalten und damit auch den Augenkontakt zur Kamera nicht zu sehr zu verlieren.
  • Die Zeichentabletts mit eingebauten Display, z.B. das Wacom One, sind deutlich teurer, schwerer, unhandlicher, benötigen viel mehr Kabel sowie Adapter und sind damit aus meiner Sicht nichts für den mobilen Einsatz. Außerdem verleitet das Display auf den Zeichentablett nach unten und damit nicht mehr in die Kamera zu schauen, was für die Zuschauer*innen einfach nicht gut aussieht. Wenn man unbedingt direkt sehen muss, was man zeichnet, kann man zur Not man natürlich auch einfach mit dem passenden Zeichenstift direkt auf das Display des Microsoft-Surface-Tabletts schreiben, was aber auch nicht besser funktioniert, wenn man die eingebaute Kamera nutzt, da die Hand dann oft bedrohlich nah vor der Kamera hantiert.

Software:

Koffer:

Mediendidaktische Anleitungen:

Hier freue ich mich gern auf Austausch, verweise auf die vielen guten Vorträge von Jörn Loviscach und unser Wiki als umfangreiche Materialsammlung an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg.

Licht und Greenscreen:

Spätestens bei Licht und Greenscreen wird es schwierig, etwas wirklich gutes und leistungsfähiges mobil dabei zu haben. Reflexionsfreies Licht benötigt große Leuchtflächen oder indirekt angeleuchtete große Diffusoren. Hier kann man sich eigentlich nur auf gutes Licht im Seminarraum verlassen oder einfach die Sitzposition so anpassen, dass man natürliche Lichtquellen wie Fenster optimal nutzt (zumindest tagsüber). Ich habe im Sommer z.B. viele Lehrveranstaltungen von meinem nach Norden ausgerichteten Balkon gestreamt, was beleuchtungstechnisch nahezu optimal war. Für den dunklen Winter habe ich mir dann zwei Tageslicht-Softboxen von Walimex mit entsprechenden Stativen besorgt. Diese lassen sich in den mitgelieferten Taschen auch gut verpacken und transportieren, wirklich mobil ist man damit aber nicht mehr.

Das gleiche gilt für einen Greenscreen, wenn man ihn braucht. Eine Aufzeichnung ohne Greenscreen zeigt den Zuschauer*innen und Teilnehmenden ein bisschen Kontext durch den sichtbaren Hintergrund. Deshalb wurde ich Greenscreen-Aufnahmen nur dann nutzen, wenn es technisch notwendig und sinnvoll ist, z.B. für Bild-in-Bild-Formate. Als mobile Notvariante eignet sich ein grünes Bettlaken oder Handtuch und einige Wäscheklammern. Richtig glücklich wird man aber erst mit einem professionellen und schnell aufbaubaren Standmodell, z.B. von Elgato, das dann aber eben nicht mehr portabel ist.

Was kann man mit der Technik aus dem Koffer tun?

  • Lehrveranstaltungen aufzeichnen und archivieren (z.B. für YouTube oder eine Mediasite)
  • Lehrveranstaltungen live streamen (z.B. auf Twitch oder YouTube)
  • hybride oder Online-Lehrveranstaltungen in Videokonferenzsystem (z.B. Zoom) übertragen
  • eine analoge Tafel, ein Flipchart, ein Experiment oder die Lehrperson mit der Kamera abfilmen
  • Podcasts und kleine Erklärvideos (auch als Screencast oder in Legetechnik) produzieren

Ich danke auch den Kollegen Gregor Zimmermann vom Rechenzentrum sowie David Bremer vom Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg für hilfreiche Tipps und die Diskussion verschiedener Möglichkeiten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s